Freitag, 18. August 2006

gestreckte Waffen und Langeweile in der ersten Reihe.

Launisch zischte ich gestern Abend zwischen den Laken hervor, dass ich besser mein Buch weiter gelesen hätte, statt mir die neue Glanzleistung der ARD anzusehen. Wickert stellte drei mal die selbe Frage an Günter Grass, der ihm geduldig drei mal brav und formvollendet ( und für uns Zuschauer dankenswerter Weise abwechselnd in der Wortwahl und mit immer frischen Ansätzen dazwischen) eine Antwort gab, und beim vierten mal ging ihm dann auch langsam die Puste aus, und er hustete sich zu Frage fünf. Wickert selber sah aus, als hätte er vor der Sendung einen sauren Drop gehabt, man hätte meinen können, er nahm Günter Grass das persönlich Übel, seine drei Monate als Berufs-Nazi, da kann er der Presse sagen, was er will. Oder er wollte mal anders wirken, als ewig Mr. Tagesthemen. Immerhin, er forderte nichts zurück, keine Danziger Ehrenbürgerschaft, keinen Nobelpreis nicht, das ist ja auch schon mal was, wo gerade die ganze Welt irgendwas vom bösen Günter zurückhaben will. Ich nicht, ich stell die Blechtrommel sympatisierend von rechts nach links und sage: Ohne diese Antriebsfeder und die drei Monate wäre Grass nicht Grass gewesen und hätte nicht das gemacht, was ihn heute zum Inhaber einer Ehrenbürgerschaft und eines Nobelpreises macht.


reisenotizen, 9. seite.

Sonntag, 18. Juni 06

Mimizan Plage

Sonne, 30 °C


„Ich hol uns hier raus!“

Sollte gleich irgend jemand zu mir sagen „Lu, Hey, Du siehst ja aus, als hätte Dich jemand rückwärts durch einen Brombeerstrauch gezogen!“, dann kann ich erhobenen Hauptes antworten „Ja, genau, und ich lag dabei noch gegen Bremsen, Ufergestrüpp, herabhängende Äste und Stromschnellen kämpfend rücklings in einem Kanu und hatte nur einen Bikini an.“

Acht Kilometer in praller Mittagssonne durch ein französisches Flussgebiet gebrasselt, welches durch tolle wie stille Natur etc. besticht. Hatte ich bloß wenig Zeit und Muße zu, mir das alles genau anzusehen, weil ich saß vorne und musste paddeln, und dabei sehr oft nach hinten zu M. „Warte, ich hol uns da raus!“ rufen. „Da raus“ bedeutete in diesem Fall meist die Uferböschung, in die wir, die wir noch nie zusammen gepaddelt sind, ach, was schwurbel ich... ich, die noch nie gepaddelt ist und M., der ganz andere Vorstellungen von Wegen und Richtungen hatte, ganz gerne mal hinein donnerten. Es ist schon ein heisser Moment, wenn man erkennt, dass das böse Ufergebüsch bis an die Zähne mit dünnen, langen Dornen bewaffnet ist, und keine Probleme damit hat, diese Waffen auch einzusetzen. Ich konnte mich nur ergeben ducken, mit meinem Superpaddel gegen hoffentlich nicht atmende Widerstände im Morast drücken und dabei immer gegen die Anstrengung atmen. Nach 20 Minuten sah ich aus wie die deutsche Schwester von Bruce Willis . Die Schwimmweste leger geöffnet weil mir eine XL-Wespe direkt in den Ausschnitt landete, die Oberschenkel nass und blutig zerkratzt und vor Anstrengung rosig leuchtende Wangen, die mit ihrer Signalfarbe immer diese seltsam schwarzen Libellen anlockten. Was für ein unglaublich natürliches Erlebnis!
Aber ich hatte es nicht anders gewollt, ich schrie ja förmlich nach Bewegung und Schweiß.
Was mich etwas verwunderte ist die Tatsache, dass der Kanuverleiher ein grundgutes Vertrauen in seine Kundschaft haben muss, weil bei dem ging das so: Man ruft an, nennt einen Termin, wann man gerne Kanu fahren möchte, er sammelt ein paar Termine und dann fährt man zu ihm in den Wald. Dort werden Kanus wie Menschen an und in den Sprinter gepackt und eine echt lange Zeit durch die Pampa gekarrt. Am Ende weiß keiner mehr, wo man ist. Dann kann man sich noch ein schönes Paddel aussuchen und er lässt einen lächelnd in den Fluss zu Wasser. Die erste Stromschnelle kommt nach gut 20 Metern, man hört ihn noch lachen, wenn man sich gegen den Uhrzeigersinn darin dreht und doof guckt.
Dieser Mann fragt nichts, er lässt einen einfach allein. Was man sich unbedingt merken sollte, ist das Aussehen der Brücke vom Abfahrtsort, weil die muss man nach den acht Kilometern Flussweg sehen und vor allem erkennen UND dort rechts raus, weil um die Ecke kommt der Atlantik, und da will man mit dieser rasanten Nussschale nun wirklich nicht hinein.
Ich machs kurz: Wir haben es geschafft, auch wenn wir ein paar Meter vor Ziel noch eine Ewigkeit auf einer Wurzel festhingen, und es hat einen riesigen Spaß gemacht. Und der Bremsenbiss an meinem linken Innenarm sah noch gar nicht so übel aus. Hach!

Und der Morgen, der ist schnell erzählt: Zwei Stunden Strand, Doppelbrecher an Wellen, nach drei mal kräftig nach unten getunkt werden hatte ich die Nase + die Hose voll. Dafür alten bekannten Lifeguard getroffen und ein wenig Klönschnack gehalten. Ich freu mich ja immer, wenn ich im Urlaub „alte bekannte“ treffe, man fühlt sich dann immer gleich ganz eingeboren und voll integriert.


(Ausblicke; mit Jungs am Strand.)

Warum ich den Morgen nach dem Nachmittag aufschreibe? Weil mein Bremsenbiss gerade mehr Aufsehen macht, als meine im Atlantiksand zur Bremse umfunktionierte Nase, das ist alles.
Und jetzt habe ich keine Zeit mehr, Mo hat ein sehr straffes Programm heute, also duschen und ab ins Restaurant, es ist gleich neun.


(eine Stunde später sah Lu diese Formation, knapp gekocht mit Sauce. Im Hintergrund wurde ein Fass entkorkt.)

PS nach Mitternacht: Ich sehe gerade, dass mein Bremsenbiss mittlerweile nicht nur gigantisch geschwollen und steinhart ist, sondern dass ich auch noch zu lange in der Sonne war. Ich leuchte zart im reinen Weiß der Laken. Außerdem hatte ich ein Literchen zu viel von diesem leckeren Rotwein, das ganze Haus dreht sich um mich herum.
Das zum Thema Eingeborene!


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Donnerstag, 17. August 2006

...

1 Search request: Paris rasiert

Hab ich geschlagene zwei Minuten nicht kapiert. Dachte immer, wie das gehen soll, so eine Stadt, und was der Frager sich da wohl gefragt hat.


reisenotizen, 8. seite.

Samstag, 17. Juni 06

Mimizan Plage

Sonne & Gewitter, 30 °C


„Suff, Freundschaft und Maggiekraut“

Eine ganze Nacht randvoll mit Gewittern, welche hier am Atlantik, der Wetterküche des restlichen westlichen Europas, immer sehr ergiebig und vor allem sehr laut ausfallen. Mag man gar nicht meinen, dass das Meer so einen Resonanzkörper hergibt, vielleicht hallt es aber auch in den sehr spärlich möblierten Urlaubskaschemmen nach, außer bei uns. Ich habe noch nie so ein überdekoriertes Haus gemietet, aber das erwähnte ich ja schon. Zurück zum Gewitter und der Nacht:
Ich schlief wie ein Stein, und das will bei mir was heißen.
Am Morgen gabs den letzten „guten“ Kaffee, zwei Stunden Strand und die ersten, sehr akuten Verblödungswarlosungsszenerien, Nachtigall, ick hör dir latschen!
Vergessene PIN-Nummern im Supermarkt, sinnfreie Dialoge, welche ich hier ganz sicher nicht wiedergeben möchte, und, (und genau hier kommen wir zum Punkt Freundschaft): Das erste Wiedersehen mit meiner lieben, alten hippiesken Freundin, die direkt emsig ihre Bier- wie Weinvorräte aus dem Kühlschrank zerrte und mit Käse auf den Gartentisch wuchtete, Prosit.
Es war gerade mal knapp halb zwölf am Mittag.

So können Tage dann auch prima ins Land ziehen, ohne dass man mehr bewegt als den Arm, der das Glas hält. Unser Tag also zog unter Mo’s großem Sonnenschirm irgendwo ins Land, mit Mo’s Bieren, Mo’s Weinen und vor allem mit Mo’s wegwerfenden Handbewegungen, verlangte man doch mal nach Wasser oder Kaffee.


(Gelageplatz ganz in grün, man vermutet nichts.)

Abends im Haus, also eben, dann direkt weiter gemacht. Tür auf, Wein auf, Markise schon mal vorsorglich weggetuppert und TV an, Fussball gucken. Tschechei gegen Ghana, 0:2, und gleich Italien gegen die USA.


(Markise, ein Stück weit.)

Was ich unbedingt noch loswerden muss, so lange ich nicht auch schriftlich lalle, da war heute der Claude bei Mo, und Claude ist 40 und hat seit 20 Jahren keine eigene Bleibe mehr, schlägt sich mit gärtnern durch und ist neulich noch den Jakobsweg Camino Francés gepilgert, da kam er grad von zurück, saß hier so in einer Kneipe und trifft natürlich, wen wohl, Mo, und da er auch brennender Fan von Verschwörungstheorien ist und fleißig im Garten, da hat Mo ihn direkt eingepackt, war ja Markttag, und mitgenommen. Er will noch nicht mal auf die Couch, liegt lieber in der Garage und sollte hier direkt mal erwähnt werden, wie ich finde, der Claude.


(Wer, wenn nicht Claude.)

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seefahrt | © Lu um 12:28h | keine meldung | meldung machen?

Donnerstag, 17. August 2006




(mit Grüßen an meine liebste Mittwochsfrau.)

boots-gelage | © Lu um 00:20h | keine meldung | meldung machen?

reisenotizen, 7. seite.

Freitag, 16. Juni 06

Mimizan Plage

Sonne & Gewitter, 32 °C


„Gewitter an Austern“

Ein Haus zu haben bedeutet gleichsam, Verantwortung zu tragen, was mich letzte Nacht (genau, die erste in einem richtigen Bett, gefühlt seit Wochen, Vorfreude, Jubel und himmlischer Chor beim hinlegen!) Punkt drei Uhr im Schlüpfer Markisen elektrisch einfahren und Wäscheständer per Hand und Pedes eiligst reinschleppen ließ, als ein erstes Gewitter den Ort und unsere Terrasse komplett flutete.
M. bekam, ganz Mann, davon nichts mit und schlief währenddessen den Schlaf der Gerechten. Ich hingegen im Halbschlaf gerannt wie bei den Jugendfestspielen, immer die Dekowahnsinnigen Besitzer und Punkt 12) Markise von der Hausgebrauchsanleitung im Hinterkopf.

Urlaub zu haben steht ja auch irgendwie für Hirn aus und ausruhen, und klappt dieses jahr mehr so weniger. Bis auf den komplett vergessenen Handy-PIN (hab ich ja erst seit 10 Jahren, und nie mal geändert auf einen, den ich auch im Koma nie vergessen würde, lieber immer schön bei der kryptischen ab-Werk-Nummer bleiben, is klar.) weiß ich noch alles und kann mich in ganzen wie langen wie verschachtelten Sätzen ausdrücken, gern auch 3-sprachig. Dafür wird der Inhalt eher Privatfernsehen, das nenn ich mal ausgleichende Gerechtigkeit. Heute am Strand liege ich eine Weile so vor mich hin und denke tatsächlich darüber nach, wie ich die Innenseiten des Körpers ebenfalls angebräunt bekomme, Wäsche wechsel ich noch täglich, aber eben habe ich Gedankenlos das Bided zweckentfremdet (Punkt 87)Bidet-Nutzung) und darin meine Wäsche schön in REI eingelegt. Ausserdem kann man sich darin super die Beine rasieren. So komme ich nie in einen Himmel, ich muss aufpassen!




(Wellen hoch wie Gartenlauben)

Unsere kulinarischen Exzesse nehmen Ausmaße an. Habe seit einer Woche keine Lust mehr auf Eier, der ganze Fisch deckt also meinen Eiweißbedarf mehr wie ab. Allerdings, und das finde ich auch langsam bedenklich, habe ich gleich viel Photos von prallvollen Tellern auf der Speicherkarte als von Franzosen und deren Landschaft.


(Beweisbild, Abendessen)

Freue mich schon auf die Erklärungen zu Hause, wenn die Lieben die Galerie einer Speisekarte sehen und statt Meer und Sand die toten Insassen in Olivenöl mit Knoblauch und Brot.

Man hangelt sich auch von Flut zu Ebbe, von Mahlzeit zu Verdauungsspaziergang (der Abends dank Wein meist sehr beschwingt und mit leichter Schräglage passiert), bis man wie ich gerade völlig erschlagen im herrlichen Bett (Hurra!) liegt, und das noch vor Mitternacht. Draußen über dem Atlantik geht die Welt in grellen, langen Blitzen unter und alles versinkt in lautem Regenprasseln. Abkühlung, endlich.
Übrigens eine praktische Einrichtung, hier in Mimizan, dass tagsüber die Sonne scheint und es über Nacht runtergewittert, wenn, ja wenn man die Markise drin hat.
Ich muss noch mal weg …


(Zimmer mit Aussicht, über dem Meer kam der Weltuntergang daher.)

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seefahrt | © Lu um 09:56h | keine meldung | meldung machen?

Dienstag, 15. August 2006

reisenotizen, 6. seite.

Donnerstag, 15. Juni 06

Soulac sur Mer – Mimizan Plage

Sonne , 32 °C


„Einmal durch Medoc und nicht zurück“


(die Küste hinab)

Nach genau keiner Minute Schlaf letzte Nacht mehr so fluchtartig den Campingplatz verlassen. Um Maut zu sparen und weil man im Urlaub unbedingt Entschleunigen sollte, haben wir die Landstrasse genommen. In Frankreich gibt es meist drei Möglichkeiten, eine Strasse zu wählen. Die erste ist die Autobahn, Gebührenpflichtig, gepflegt und man findet sie immer Dank bester Beschilderung. Direkt daneben führen die Bundesstrassen ihr Dasein, nicht immer ganz so einfach zu finden, weil man soll ja Geld im Land lassen. Auf den Autobahnen ist 130 das Limit bei Geschwindigkeit, auf den Bundesstrassen 110. Die Strassen sind ebenfalls meist in einem sehr guten Zustand und direkt neben den Autobahnen, also von der Strecke her kaum nennenswert länger. Und als letzte Alternative gibt es noch die Landstrassen, und genau als solche sind diese auch zu verstehen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Geschwindigkeitsbegrenzung dort bei 90, oft ist die Strasse relativ schmal, so das man gern eine Schlange von Karossen hinter einem Traktor tuckeln sieht, während alle auf die Überholpfeile auf der Strasse warten. Geht alles, wenn man Zeit und Nerven dabei hat.

Jedenfalls sind wir heute Bundes- und Landstrassen gefahren, was sich lohnt, denn das Medoc-Gebiet hat optisch wie kulinarisch einiges zu bieten.


(nämlich Wein, überall.)

Man passiert ein Weingut nach dem anderen, und falls wer mal so richtig Bedarf nach gutem Rotwein, Antiquitäten und gigantischen Hallen gefüllt mit Gartenmöbeln hat, der sollte dorthin fahren. Viel mehr würde ich dort allerdings nicht erwarten.


(Ganz Medoc in Technicolor)

Wenn man meint, man hätte Zeit, man könnte die Landstrasse nehmen, dann kann es einem schnell passieren, dass man in sengender Mittagshitze die schnurgeraden Landstrassen der Cote D’Argent entlang geführt wird, sich wie in den Staaten fühlt, weil links und rechts der Strasse nichts als in der Mittagssonne flirrendes Getreide, Mais und Gemüse wachsen, und riesige Greifvögel mit zappelnden Schlangen im Schnabel fliegen auf Augenhöhe an Auto vorbei. Tach zusammen.

Ich hatte die Hände permanent an der Wasserflasche und den Blick hitzig auf die Benzinanzeige geheftet, welche bedrohlich im roten Bereich vor sich hindümpelte, und zwar bis Mimizan. Dort angekommen Dramen der Schlafplatzsuche und Pommes geschmeckt in Alt-Öl gebacken. Um 18h00 waren wir am Ende (so oder so) verschwitzte, unterzuckerte und mächtig stolze Schlüsselbesitzer eines Hauses für eine ganze Woche.


(Von aussen dunkel und die harte Witterung abwehrende Festung, von innen hell und weich, so war Haus.)

Zwei Schlafzimmer, Holzböden, zwei Etagen, herrliche Betten, Omo-weiße Bettwäsche, ein riesiger Grill, Terrasse, Balkon, TV, al_les! Und das alles um genau ein Haar nicht, hätte ich eine halbe Stunde zuvor auf dem Campingplatz nicht eine kurze aber knackige Krise wegen maue Ausstattung vs. enorme Preise bekommen.
Das Office de Tourisme vort Ort hatte keine Häuser von Donnerstag bis Donnerstag, da wird nur Samstags besetzt, das Interchalet hatte enorm viel Verständnis und zwei beziehbare Häuser, aber auf der noch falsch eingeschätzten Nordhälfte, wir wollten die ruhige Südhälfte. Auf dem Campingplatz, die Zeit wurde langsam knapp, wollten sie uns erst die Trailer nicht zeigen, nach sehr strenger Entrüstung ging es plötzlich doch und ich schwöre, in dem ersten Trailer lagen die toten Stubenfliegen Centimeterdick vor der Eingangstüre. Im zweiten dann nicht, aber dafür lagen mir imaginäre Stubenfliegen sehr Tot auf der Seele, der Platz fühlte sich nicht richtig an, ich wollte dort keine Woche bleiben. Zurück zu Interchalet, wir hatten noch 15 Minuten bis Feierabend, das erste Haus besichtigt und direkt den Schlüssel in der fest geschlossenen Hand behalten, weil wuow...
Luxus, Haarpackung, eine randvolle Schüssel voll mit Spaghetti und ENDLICH WM gucken können, das wäre mir jede Krise wert gewesen.


(Das Bett, ein Segen nach einer Woche Trailerliegen und Schlafsackknistern, und einer Nacht ohne Schlaf.)

Heute Nacht also endlich ein richtiges Bett unter mir und ein richtig frisches Laken über mir, und der Atlantik laut tosend um die Ecke. Wenn nur die Nordseite ruhig bleibt, es ist kurz nach 21h00, die Surfer-Discos haben noch nicht geöffnet.

Ein PS aus der Bettwolke heraus: Auch wenn das Haus Deko-Wahnsinnigen gehört, die scheinbar frei nach dem Leitsatz „Ein freier Centimeter ohne Boot/Leuchtturm/Fisch-Attrappe darauf ist ein verlorener Centimeter“ agieren, ich kann die Schwaben verstehen: Es ist schön, in einem Haus zu sein!


(Sie sammelten ein Leben lang in Deko-Geschäften und schufen dies, einen eigenen Dekoladen. Verwackelt weil Ehrfürchitg.)

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Sonntag, 13. August 2006


Das Positive zuerst, weil muss ja: Ich dufte immer noch nach Sonne!

Aus der Reihe (die sich hoffentlich nicht einnistet), "was am Wochenende mal wieder mächtig in die Binsen ging" dann heute das:

Ich (9h10) beim Frühstück: Hach, ich bin dermassen Unternehmungslustig, das liegt sicher an mehr als sechs Stunden Schlaf.
Er: Wir können später in die Niederlande fahren, in das Naturschutzgebiet und ...
Ich: ... und mal wieder so richtig lange am Stück laufen, klasse!
Er: Aber erst die Arbeit, dann der Spass. Gegen Mittag?
Ich: Gegen Mittag!

Gegen Mittag dann:

Er (13h55): SCHEISSE!
Ich: wasnlos?
Auto: *Brems*

Ich sags mal so: Wir sind gerade drauf, auf die Autobahn, herrliches Wetter, und die letzte Ausfahrt ein paar Meter hinter uns im Rücken, da schließen wir auf ein Stauende auf.
Die nächsten 2,5 Stunden wurden eine Geduldsprobe für ihn, für mich, für sämtliche Blasen, Nerven, Eltern von kreischenden Kleinkindern, das alles auf der 5spurigen Autobahn (also 5 spurig weil von Oberärschen mitgenutzter Standstreifen) in der prallen Mittagssonne. Hat man es bis zum Ende durchgehalten ohne zu verdunsten oder die Leber seines Partners im Stresskrach zu grillen, dann sah man auch, warum es etwas länger gedauert hat. Diese fünf Spuren wurden wegen einer Umleitung wegen einer Brückensprengung auf eine 1spurige Ausfahrt geleitet, das gab vielleicht ein großes Hallo.

Statt grüne wie saftige Natur mit literweiser entspannender frischer Waldluft gab es Studien zu Gruppen-wie Einzelverhalten in Stressmomenten, das Einteilen einer Flasche Wasser, Abgase und Hitzewallungen in Auto.
Endlich draussen aus dem Blechwurm, sind wir finster schweigend und bissigster Laune zurück in die Stadt, die für einen Sonntag herrlichst leer wirkte, mitten rein in ein erfrischendes Unwetter ohne Krach.
Heute Nacht bei einem freien Gott mal eben meinen aktuellen karmischen Kontostand ausdrucken lassen, irgendwas stimmt da nicht, irgendwas stimmt da so überhaupt nicht!

(Und Wahnsinn, nächste Woche ist wieder ein Sonntag!)


blogsinn.(achtung, natürlich was mit katzen)

letzte sonnenwärme ausserhäuslich nutzend: luna und tin-tin.







Samstag, 12. August 2006


Fernweh, doll.

(Büsumer Krabben, wow!)


Freitag, 11. August 2006


Völlig ermattet von zu viel Innenstadt und zwei prallvolle superrecycle-Papiertüten später liege ich mit einer frisch geschossenen dunkelgrünen Schlammmasse (sind drei m's hier recht am Platze?) von LUSH auf dem Bett, die Augen fest geschlossen und versuche Entspannung. Wie ein greller Blitz die Türglocke, DINGDONG, ich denke, neee, bitte ...
und dann von unten "Pääääckchäään", und ich SHIT, fass mir vor lauter Schreck an die schlammige Nase, stolper aus dem Bett und bremse vor der Tür ab...
Bruchstücke von Sekunden des zerissenen Haderns, die olle Baumwollhose schlabbert anschmiegsam wie ein Duschvorhang um meinen halbblind wankenden Körper, und auch das Shirt kann ich in der kurzen Zeitspanne nicht wirklich austauschen.
Guter Rat zu Höchstpreisen, lass ich ihn stehen und rette meinen eh schon fragwürdigen Ruf bei Paketbringern, oder steh ich das geraden Rückens durch und mach einfach auf?
"Moment, ich, äh, ich komm." brülle ich aus rosa Kehle zurück, und ernte Stille.
Bevor Mann mit Päckchen wieder davon eilt, handel ich ganz Weibchen, ich kann mir doch keine Überraschung durch die Lappen gehen lassen, und reisse die Tür auf...
Und ich sag noch "Klar, grad wo ich die Maske im Gesicht hab!" und er starrt diskret auf die Kacheln im Flur, vorbei an meinem zartrosa "Swallow" Schlafshirt, welches mal eine lustige Geburtstagsüberraschung sein sollte.
"Unterschreiben?"
"Hier" sagt er, reisst den Blick von den Kacheln auf seinen Elektroblock und heftet ihn dann fest auf meine grünschlammige Hand, und während ich seinen Stift mit teurer LUSH-Maske einsaue denke ich ganz Themenfest, dass das rechte Händchen das GUTE Händchen ist, und dass mein gutes Händchen grad ziemlich gut zum Rest passt.
Was soll ich sagen, es hat sich gelohnt, es ist ein Amazon von meiner Wishlist.
Mein herzlicher wie grünschlammiger Dank rauscht nach Minze duftend rüber zu Screwtapes!





(ich weiß, nicht neu, aber so herrlich detailverliebt mit dem phantastischen jack black.)


"ich mach alles selbst."

Sich selber verarschen zu können finde ich eine der perfektesten Einrichtungen in der menschlichen Natur.

(Über sich selbst lachen können folgt direkt auf dem Fusse, auch wenn beide nichts miteinander zu tun haben.)



*rrring*

Lu: Hallo Doc, ich hab nur ne kurze Frage. Sie haben mir doch gestern Abend dieses Betäubungsmittel in zig Stellen meiner total verspannten Wirbelsäulenmuskulatur gespritzt. Kann ich heute zum Sport?

Er: Wie geht es Dir denn heute?

Lu: Na ja, tut alles weh. Die Erstverschlimmerung, denke ich.

Er: Und wieso willst Du dann zum Sport?

Lu: --- (ähm)



Letzter, großartiger Gedanke gestern Nacht vor dem Einschlafen ging so:
"Geht doch alle kacken!"

Letzter, fragwürdiger Gedanke im Traum, vor dem Aufwachen dann:
"Im nächsten Leben werd ich Domina."

(Gegengift gegen Giftgedanken: den freien Vormittag dafür ausgeben um in die Stadt zu fahren und einen 40Euro-Geburtstags-Gutschein bei LUSH zu verballern. Yezz!)