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Donnerstag, 30. März 2006
ausserhalb essen, heute : griechisch.
H_U_N_G_E_R! Ich habe HUNGER, wimmere ich, und drücke meinen Hintern fester in den Sitz. Versteht denn keiner auf diesem Planeten das Gefühl, wenn man kurz vor dem Verrücktwerden steht, nur noch an Essen denken kann nur um dann erneut von einer hölzernen Tür mit einem "Komm, wir gucken eben noch woanders." weggezogen zu werden? Die rettende Tür, hinter der leckere Düfte, fleissige Köche und Speisekarten verborgen bleiben.
"Eben noch woanders" kann auch heissen, noch mal eben durch die gesamte Stadt zu fahren, und das war jetzt die Einleitung zur Situation, wie ich laut zeternd und sehr finster gelaunt auf einen Beifahrersitz kam und nur noch an Gegrilltes denken konnte.
Rauchig, saftig, heiss.
"Der Grieche, da bei uns in der Nähe", bekommt M. gerade noch heraus, bevor ich ihn mit einem "Der ist aber nich BIO" verbal niederschlage.
Bio. Kurzer Kampf zwischen dem Schwefelkerl, der sich laut lachend schon Rücklings durchs Industriefleisch schubbern sieht, und dem Propellerweib, das sich rasch ein PC aufs Kleid gemalt hat und damit, ebenfalls hungrig, matt auf meiner linken Schulter hockt.
"Na gut, probieren wir ihn aus", ergebe ich mich äusserlich, während ich mich innerlich mit dem Schwefler in ein Fass voll mit knusprigem Gyros fallen lasse.
Oh PMS, oh Fleischeslust!
Beim parken bäumte sich das Propellerweib ein letztes mal mit einem "OK, dann aber nur Fisch" auf, und sackte unterzuckert dem Schwefler in die Arme.
Ich bekam von all dem nichts mehr mit, rannte wie Obelix dem Grillgeruch nach, dabei zwei ältere Passanten um und M. kam kaum hinter mir her.
"Sie fluten ja die gesamte Strasse mit dem Grillaroma", keuche ich Sekunden später dem Ober entgegen, der dezent über meine kaputte Jeans und meine erhitzten Wangen hinwegschaut. Es ist Samstag Abend gegen halb neun. Nicht die beste Zeit, um ohne Reservierung ein gut gehendes Restaurant anzutesten.
"Hören Sie...", sag ich, und erkläre ihm mit Augenaufschlag, dass ich, also wir, unbedingt ein bißchen Tisch und ganz viel von dem haben müssen, was da draussen so lecker duftet.
Drei Minuten später sitzen wir an einem frisch gedeckten Tisch und bekommen zwei Ouzo, wie die Karte, und während wir umständlich und sehr sehr lange aussuchen, erkläre ich die Eckdaten:
Das Restaurant Syrtaki findet man in Düsseldorf – Vennhausen in einem weiß getünchten Eckhaus. Es hat noch mehr Platz, als man von aussen vermutet, inklusive eines Biergartens, den wir Dank Minusgrade nicht antesten konnten.
Die Kellner und -Innen sind mehrfach erwähnenswert und wirkliche Goldstücke. Kaum sitzend bekommt man die Karte und einen wirklich guten Ouzo, und dann alle Zeit der Welt und diese ungestört. Man merkt nicht, dass sie einen unter Beobachtung haben, und kaum hat man die Karte zur Seite gelegt, ist einer von ihnen zur Stelle und nimmt die Bestellung auf und die Ouzo-Gläser gleich mit.
Von der Bestellung bis zum ersten Teller vergehen keine fünf Minuten, zwischen den einzelnen Gängen wird nicht lange gefackelt, und immer, wenn man noch einen Wunsch hat, ist einer vom Personal wie von Geisterhand zur Stelle.
Das Essen ist sehr lecker, frisch, und die Portionen eben wie beim Griechen und nicht wie beim "In-Griechen".
Nach dem Essen hat man wieder Zeit und Ruhe wie man möchte, aber kaum hat man die Hand zum Bezahlen oben, kann man bezahlen, ohne vorher noch um die dreissig Minuten nach dem Kellner zu winken um dann weitere zehn Minuten auf seine Rückkehr zu warten. Phantastisch.
An dieser Stelle sollte auch erwähnt sein, dass der komplette Service von vier Männern und Frauen bestritten wird, in einem rappelvollen Laden am Samstag Abend. Und wem das alles noch zu lange dauern sollte, der hat in der etwas gewöhnungsbedürftigen Einrichtung noch Personal-Schalter
hinter sich, die er nur zu drücken braucht. Ob sie funktionieren weiß ich nicht, ich war so rundum zufrieden, dass ich nur mit der Kamera in die Nähe der Klingeln kam.
Die Preise sind übrigens auch komplett im Rahmen, Hauptgerichte so ab7 10 - 17 Euro.
Nach dem Essen brauche ich drei weitere von diesen köstlichen Ouzo, bis ich das Propellerweib samt Gewissen ( ein Souvlaki Spiess, der kann Wochen im ethischen Magen liegen ) lahmgelegt bekomme und meinem verwirrten Magen bei der Arbeit helfe. Der nächste Besuch wird zeitlich mit dem offenen Biergarten zusammentreffen, so viel steht fest.
Griechisches Spezialitäten-Restaurant
"Syrtaki"
Inhaber: S. Triantafillou
Vennhauser Allee 226
D-40627 Düsseldorf
phon: 02 11. 27 52 12
"Eben noch woanders" kann auch heissen, noch mal eben durch die gesamte Stadt zu fahren, und das war jetzt die Einleitung zur Situation, wie ich laut zeternd und sehr finster gelaunt auf einen Beifahrersitz kam und nur noch an Gegrilltes denken konnte.
Rauchig, saftig, heiss.
"Der Grieche, da bei uns in der Nähe", bekommt M. gerade noch heraus, bevor ich ihn mit einem "Der ist aber nich BIO" verbal niederschlage.
Bio. Kurzer Kampf zwischen dem Schwefelkerl, der sich laut lachend schon Rücklings durchs Industriefleisch schubbern sieht, und dem Propellerweib, das sich rasch ein PC aufs Kleid gemalt hat und damit, ebenfalls hungrig, matt auf meiner linken Schulter hockt.
"Na gut, probieren wir ihn aus", ergebe ich mich äusserlich, während ich mich innerlich mit dem Schwefler in ein Fass voll mit knusprigem Gyros fallen lasse.
Oh PMS, oh Fleischeslust!
Beim parken bäumte sich das Propellerweib ein letztes mal mit einem "OK, dann aber nur Fisch" auf, und sackte unterzuckert dem Schwefler in die Arme.
Ich bekam von all dem nichts mehr mit, rannte wie Obelix dem Grillgeruch nach, dabei zwei ältere Passanten um und M. kam kaum hinter mir her.
"Sie fluten ja die gesamte Strasse mit dem Grillaroma", keuche ich Sekunden später dem Ober entgegen, der dezent über meine kaputte Jeans und meine erhitzten Wangen hinwegschaut. Es ist Samstag Abend gegen halb neun. Nicht die beste Zeit, um ohne Reservierung ein gut gehendes Restaurant anzutesten.
"Hören Sie...", sag ich, und erkläre ihm mit Augenaufschlag, dass ich, also wir, unbedingt ein bißchen Tisch und ganz viel von dem haben müssen, was da draussen so lecker duftet.
Drei Minuten später sitzen wir an einem frisch gedeckten Tisch und bekommen zwei Ouzo, wie die Karte, und während wir umständlich und sehr sehr lange aussuchen, erkläre ich die Eckdaten:
Das Restaurant Syrtaki findet man in Düsseldorf – Vennhausen in einem weiß getünchten Eckhaus. Es hat noch mehr Platz, als man von aussen vermutet, inklusive eines Biergartens, den wir Dank Minusgrade nicht antesten konnten.
Die Kellner und -Innen sind mehrfach erwähnenswert und wirkliche Goldstücke. Kaum sitzend bekommt man die Karte und einen wirklich guten Ouzo, und dann alle Zeit der Welt und diese ungestört. Man merkt nicht, dass sie einen unter Beobachtung haben, und kaum hat man die Karte zur Seite gelegt, ist einer von ihnen zur Stelle und nimmt die Bestellung auf und die Ouzo-Gläser gleich mit.
Von der Bestellung bis zum ersten Teller vergehen keine fünf Minuten, zwischen den einzelnen Gängen wird nicht lange gefackelt, und immer, wenn man noch einen Wunsch hat, ist einer vom Personal wie von Geisterhand zur Stelle.
Das Essen ist sehr lecker, frisch, und die Portionen eben wie beim Griechen und nicht wie beim "In-Griechen". Nach dem Essen hat man wieder Zeit und Ruhe wie man möchte, aber kaum hat man die Hand zum Bezahlen oben, kann man bezahlen, ohne vorher noch um die dreissig Minuten nach dem Kellner zu winken um dann weitere zehn Minuten auf seine Rückkehr zu warten. Phantastisch.
An dieser Stelle sollte auch erwähnt sein, dass der komplette Service von vier Männern und Frauen bestritten wird, in einem rappelvollen Laden am Samstag Abend. Und wem das alles noch zu lange dauern sollte, der hat in der etwas gewöhnungsbedürftigen Einrichtung noch Personal-Schalter hinter sich, die er nur zu drücken braucht. Ob sie funktionieren weiß ich nicht, ich war so rundum zufrieden, dass ich nur mit der Kamera in die Nähe der Klingeln kam.
Die Preise sind übrigens auch komplett im Rahmen, Hauptgerichte so ab
Nach dem Essen brauche ich drei weitere von diesen köstlichen Ouzo, bis ich das Propellerweib samt Gewissen ( ein Souvlaki Spiess, der kann Wochen im ethischen Magen liegen ) lahmgelegt bekomme und meinem verwirrten Magen bei der Arbeit helfe. Der nächste Besuch wird zeitlich mit dem offenen Biergarten zusammentreffen, so viel steht fest.
Griechisches Spezialitäten-Restaurant "Syrtaki"
Inhaber: S. Triantafillou
Vennhauser Allee 226
D-40627 Düsseldorf
phon: 02 11. 27 52 12
Mittwoch, 29. März 2006
achtung, baby.
RR 130/101
RP 78/ min.
RP 78/ min.
wisollisch, wisollisch, wisollisch ?
Lieber Doktor Katze,
Ich habe einen Ohrwurm und bekomm ihn nicht mehr weg.
Schuld ist Ihr Video, welches mich laut schüttelnd hat im Plümo liegen lassen. Danke!
PS : Ich heirate dann doch nicht den Mahoni, auch wenn der nen geilen Nachnamen hat, sondern Dottore Katze. Lu Katze.
Passt eh besser.
( seit drei tagen endlich mal zeit, meine zur erinnerung
offenen mozilla-tabs anzugucken und wegzulesen. )
Ich habe einen Ohrwurm und bekomm ihn nicht mehr weg.
Schuld ist Ihr Video, welches mich laut schüttelnd hat im Plümo liegen lassen. Danke!
PS : Ich heirate dann doch nicht den Mahoni, auch wenn der nen geilen Nachnamen hat, sondern Dottore Katze. Lu Katze.
Passt eh besser.
( seit drei tagen endlich mal zeit, meine zur erinnerung
offenen mozilla-tabs anzugucken und wegzulesen. )
heute am mittag am himmel.
Es war ein schwüler Tag, im Sommer 99. Schwül und bedeckt, und überall am Fluss standen Menschen mit Pappbrillen der gängigen Drogerieläden und Brillenanbieter.
Man sah nicht wirklich viel. Die eigene wie auch die fremde Aufgeregheit verebbte proportional mit dem Erleben, die Corona, die Finsternis, nichts wirklich vergleichbar mit dem tief sitzenden Ur-Instinkt, was eine Sonnenfinsternis früher bedeutete. Unheil, Unglück, Dunkelheit.
Und dann, als es Dunkel wurde, da setzte doch etwas ein. Nicht schwarz, nur unrichtig Dunkel für einen Mittag im Sommer.
Wie die Lemminge standen wir am Ufer des Rheins, Pappe auf die Gesichter drückend, und ich spürte diesen Moment, als die Natur den Atem anhielt. Kein Vogel, kein Gluckern, kein Lärm. Und im gleichen Moment wurde es kühl, ich bekam eine Gänsehaut unter meinen Sommersachen und hielt still.
Kurz darauf ein lautloses Aufatmen, die Geräusche kamen zurück, die Vögel machten dort weiter, wo sie aufgehört hatten und Licht und Wärme kamen zurück. Der Tag passte wieder zusammen.
Gut, dass Du mich überredet hast, die Agentur für diese Stunde dicht zu machen, sagte meine damalige Chefin am Abend, als sie ihre Schutzbrille aus Pappe in den Mülleimer warf.
2006 kam uns unendlich weit weg vor, in diesem Sommer.
Man sah nicht wirklich viel. Die eigene wie auch die fremde Aufgeregheit verebbte proportional mit dem Erleben, die Corona, die Finsternis, nichts wirklich vergleichbar mit dem tief sitzenden Ur-Instinkt, was eine Sonnenfinsternis früher bedeutete. Unheil, Unglück, Dunkelheit.
Und dann, als es Dunkel wurde, da setzte doch etwas ein. Nicht schwarz, nur unrichtig Dunkel für einen Mittag im Sommer.
Wie die Lemminge standen wir am Ufer des Rheins, Pappe auf die Gesichter drückend, und ich spürte diesen Moment, als die Natur den Atem anhielt. Kein Vogel, kein Gluckern, kein Lärm. Und im gleichen Moment wurde es kühl, ich bekam eine Gänsehaut unter meinen Sommersachen und hielt still.
Kurz darauf ein lautloses Aufatmen, die Geräusche kamen zurück, die Vögel machten dort weiter, wo sie aufgehört hatten und Licht und Wärme kamen zurück. Der Tag passte wieder zusammen.
Gut, dass Du mich überredet hast, die Agentur für diese Stunde dicht zu machen, sagte meine damalige Chefin am Abend, als sie ihre Schutzbrille aus Pappe in den Mülleimer warf.
2006 kam uns unendlich weit weg vor, in diesem Sommer.
toni # 17
Dienstag, 28. März 2006
"Ein Tornado über Hamburg, ein Sturm im eigenen Wasserglas."
Montag, 27. März 2006
kulturelle hilfe erbeten:
Falls mich ein Gott der Technik erhört, der in der Lage ist, folgendes für mich zu tun :
Heute Abend im Radio auf Wdr 3 um 23.05 Uhr die Sendung
Die Kinski Bänder.
Gottes letztes Interview
Von Lorenz Schröter
San Francisco 1991. Ein Journalist sitzt in seinem Hotelzimmer und telefoniert. Mit Klaus Kinski. Interviews mit Hollywoodstars sind nicht einfach. Sie stellen Bedingungen, verlangen Verträge, wollen auf das Titelbild und die Fotos auswählen. Normalerweise organisiert das die Agentin, doch diesmal ist Kinski selbst am Telefon. Und obwohl er nur unter
den oben genannten Bedingungen ein Interview geben will, redet er viel und lang. Über Hundescheiße in Paris, über Rilke, Coppola, Werner Herzog, über Fische, die man in Zeitungspapier einwickelt, über Großschnauzen und Nutten.
Der Mann am anderen Ende der Leitung kann nur zuhören und sich ergeben in den Windungen des Kinski-Mikrokosmos. So ähnlich muss es den Propheten gegangen sein, die Gottes Wort empfingen. Gott stellte die Bedingungen für ein Interview. Der Prophet musste sich verpflichten, ein positives Bild von IHM zu zeichnen. Gott will die Coverstory. Bei dem Telefonat erkältete sich Klaus Kinski, kurz darauf starb er.
Dieses letzte Interview, das kein Interview ist, zeigt die Öffentlichkeitsarbeit eines Weltstars, der hustend und frierend stundenlang erklärt, dass er nicht mit sich reden lässt. Ein echter Kinski - im Jahr seines 80. Geburts- und 15. Todestages.
Klaus Kinski, 1926 in Zappot, Polen, geboren und 1991 in San Francisco gestorben, spielte in über 140 Filmen mit, u.a. "Der Zinker", "Doktor Schiwago", "Nosferatu" und "Fitzcarraldo".
Lorenz Schröter, Jahrgang 1960, studierte Kommunikationswissenschaft, Neue Deutsche Literatur und Werbepsychologie, schrieb zahlreiche Hörspiele und
Features. Er radelte um die Welt, ritt mit einem Esel durch Deutschland, läuft Marathon und besteigt hohe Berge. Allein an Kinski ist er gescheitert.
Regie Thomas Wolfertz
Produktion WDR 2006/ca. 53'
Redaktion Martina Müller-Wallraf
für mich so aufzuzeichnen, dass ich die von Rechner zu Rechner bekommen könnte, das wäre so ober-supi,
der bekommt 68 karma-pointz und eine feste stelle in meinen abendgebeten , die ich täglich vergesse.
Wer kann, wer will ?
Heute Abend im Radio auf Wdr 3 um 23.05 Uhr die Sendung
Die Kinski Bänder.
Gottes letztes Interview
Von Lorenz Schröter
San Francisco 1991. Ein Journalist sitzt in seinem Hotelzimmer und telefoniert. Mit Klaus Kinski. Interviews mit Hollywoodstars sind nicht einfach. Sie stellen Bedingungen, verlangen Verträge, wollen auf das Titelbild und die Fotos auswählen. Normalerweise organisiert das die Agentin, doch diesmal ist Kinski selbst am Telefon. Und obwohl er nur unter
den oben genannten Bedingungen ein Interview geben will, redet er viel und lang. Über Hundescheiße in Paris, über Rilke, Coppola, Werner Herzog, über Fische, die man in Zeitungspapier einwickelt, über Großschnauzen und Nutten.
Der Mann am anderen Ende der Leitung kann nur zuhören und sich ergeben in den Windungen des Kinski-Mikrokosmos. So ähnlich muss es den Propheten gegangen sein, die Gottes Wort empfingen. Gott stellte die Bedingungen für ein Interview. Der Prophet musste sich verpflichten, ein positives Bild von IHM zu zeichnen. Gott will die Coverstory. Bei dem Telefonat erkältete sich Klaus Kinski, kurz darauf starb er.
Dieses letzte Interview, das kein Interview ist, zeigt die Öffentlichkeitsarbeit eines Weltstars, der hustend und frierend stundenlang erklärt, dass er nicht mit sich reden lässt. Ein echter Kinski - im Jahr seines 80. Geburts- und 15. Todestages.
Klaus Kinski, 1926 in Zappot, Polen, geboren und 1991 in San Francisco gestorben, spielte in über 140 Filmen mit, u.a. "Der Zinker", "Doktor Schiwago", "Nosferatu" und "Fitzcarraldo".
Lorenz Schröter, Jahrgang 1960, studierte Kommunikationswissenschaft, Neue Deutsche Literatur und Werbepsychologie, schrieb zahlreiche Hörspiele und
Features. Er radelte um die Welt, ritt mit einem Esel durch Deutschland, läuft Marathon und besteigt hohe Berge. Allein an Kinski ist er gescheitert.
Regie Thomas Wolfertz
Produktion WDR 2006/ca. 53'
Redaktion Martina Müller-Wallraf
für mich so aufzuzeichnen, dass ich die von Rechner zu Rechner bekommen könnte, das wäre so ober-supi,
der bekommt 68 karma-pointz und eine feste stelle in meinen abendgebeten , die ich täglich vergesse.
Wer kann, wer will ?
Auf die Stille, diese Schönheit.
Zusammenhangloses, schreibe ich auf, Zusammenhangloses, und das mitten in meiner Nacht. Die kalten Füsse malen sich hell von den Bodenfliesen ab, werden von unten nach oben dunkler, ein Hauch von blau und kalt. "Je tiefer das Wasser ist", ruft mein Vater, "um so dunkelblauer scheint das Meer", und ich schwimme, schwimme wie ein irre gewordener Frosch zur rettenden Insel, Boot mit Vater drin.
Zusammenhangloses, ich mache einen Kringel drumherum. Vater. Wie viele Kapitel hat Trauer, wie viele Schichten diese Tränen anlockende Zwiebel? Wie unverhofft, wie ungebeten, wie unheimlich oft kommt ein Gedanke heftig wie ein Schub und drückt mich weiter.
Zwei Steine liegen auf dem Küchentisch, zwei Steine von dem Ort, wo er mir zurief, es wäre tief und auf das ich in Panik geriet. Das Meer wellte sich auf, bäumte sich über mir, ich tauchte unter und sah die Welt aus der Fischperspektive. Er griff mich am Badeanzug, lachte und zog mich ans Boot, vertraute meinem Instinkt, meinem Können als kleine Schwimmerin. Sprotte. Heute, knapp dreissig Jahre später, sitze ich in eigenen Wellen und vertraue meinem Instinkt, das alles wird wie es wird. Die Steine bringe ich ihm noch, irgendwann, wenn ich kann.
Ich hatte hellblonde Locken, damals, und Augen wie blaue Murmeln, die großen, diese runden Schätze in ausgebeulten Kinderhosentaschen. Damals. Er wird nicht mehr sehen können, wie mir die Luft ausgeht, irgendwann. Die Reihenfolge stimmt, nur die Zeiten weisen zu große Lücken auf.
Zusammenhangloses, ein Ausrufezeichen oder ein i für Idee?
Ein Fuss steht auf dem anderen, zwei kalte, sanfte Innenseiten, braune Fliesen und ein aufgeschlagenes Moleskine, nachts um drei.
Ich mache Kästchen für Aufgaben, und ein i vor einer Idee. Telefone, gescribbelt und mit Namen dahinter. Visitenkarten und Zykluskalender, durchgestrichene Makler und ein Rezept für einen warmen Nudelsalat mit Schafskäse. "Du wirst ihn LIE_BEN!", sagte sie, als sie mir Zutaten wie Zubereitung mit halbgeschlossenen Augen diktierte. "Schreib das mal eben mit", sagte sie. und "Du wirst ihn LIE_BEN!"
Sicher. Schon ihr Gesicht sprach Bände, als sie mir ihren Salat erzählte. Für mich heissen solche Salate immer nur wie die Person, von der ich ihn habe. So wird aus einem italienischen Rucola-Salat der Suse-Salat, und aus einem griechischen Linsensalat der Bernd-Salat. Und jetzt habe ich halt noch einen Andrea-Salat, mit Aussicht auf Liebe.
Zusammenhänge. Salate. Urlaub. Salate wie Menschen wie Urlaub. Es gibt sie, und das ist fabelhaft.
Gestern in den Niederlanden in einem Café an einem Marktplatz. Grachtenpisse muss ich denken, als ich "Grolsch" sage. Diese Ruhe. Die Menschen haben einen freien Tag, sitzen verteilt und allein im Café, trinken Rosé und Koffie und erraten gemeinsam mit dem Mann am Fenster sein Kreutzworträtsel. Der Hund geht zu allen, wedelt und lehnt sich schwer, schwarz und warm an sämtliche Besucherbeine. An meinen schnuppert er besonders lange und konzentriert, und hinterlässt feuchte Nasenabdrücke da, wo am morgen noch ein Fellchen lag. Es liegt so eine Gelassenheit über allem, keine drückende Sonntagsluft, kein Muss, nur Sein mit 2€-Getränken.
Beim Weggehen will ich Ankommen, an einer Düne, an einem Meer, eigentlich in Frankreich.
Pause. – Ich musste anrufen, und sie sagte, der Atlantik sei noch genau da, wo ich ich ihn verlassen hätte. Gut.
Sitzen und einwirken lassen. Menschen wie Bilder wie Sätze wie Perlen.
Ich sage zu ihr, das über schlimme Dinge einmal alle vier Jahreszeiten drüber müssten, ab dann würde es besser. Sätze wie "Aber genau heute vor einem Jahr, da…" gehen dann nicht mehr, weil die Geschichte, der gemeinsame Tag fehlt. Ihr fehlt der Mann, mir der Vater, und doch verbindet uns kaum mehr. Sie greift, ich drehe mich weg. "Schwamm drüber" funktioniert in ihrer Mutter-Welt, in meiner Kind-Welt nicht.
Dinge, die helfen:
schreibe ich auf die Seite neben dem Andrea-Salat und gehe ins Bett, die leere Seite liegt auf.
Zusammenhangloses, ich mache einen Kringel drumherum. Vater. Wie viele Kapitel hat Trauer, wie viele Schichten diese Tränen anlockende Zwiebel? Wie unverhofft, wie ungebeten, wie unheimlich oft kommt ein Gedanke heftig wie ein Schub und drückt mich weiter.
Zwei Steine liegen auf dem Küchentisch, zwei Steine von dem Ort, wo er mir zurief, es wäre tief und auf das ich in Panik geriet. Das Meer wellte sich auf, bäumte sich über mir, ich tauchte unter und sah die Welt aus der Fischperspektive. Er griff mich am Badeanzug, lachte und zog mich ans Boot, vertraute meinem Instinkt, meinem Können als kleine Schwimmerin. Sprotte. Heute, knapp dreissig Jahre später, sitze ich in eigenen Wellen und vertraue meinem Instinkt, das alles wird wie es wird. Die Steine bringe ich ihm noch, irgendwann, wenn ich kann.
Ich hatte hellblonde Locken, damals, und Augen wie blaue Murmeln, die großen, diese runden Schätze in ausgebeulten Kinderhosentaschen. Damals. Er wird nicht mehr sehen können, wie mir die Luft ausgeht, irgendwann. Die Reihenfolge stimmt, nur die Zeiten weisen zu große Lücken auf.
Zusammenhangloses, ein Ausrufezeichen oder ein i für Idee?
Ein Fuss steht auf dem anderen, zwei kalte, sanfte Innenseiten, braune Fliesen und ein aufgeschlagenes Moleskine, nachts um drei.
Ich mache Kästchen für Aufgaben, und ein i vor einer Idee. Telefone, gescribbelt und mit Namen dahinter. Visitenkarten und Zykluskalender, durchgestrichene Makler und ein Rezept für einen warmen Nudelsalat mit Schafskäse. "Du wirst ihn LIE_BEN!", sagte sie, als sie mir Zutaten wie Zubereitung mit halbgeschlossenen Augen diktierte. "Schreib das mal eben mit", sagte sie. und "Du wirst ihn LIE_BEN!"
Sicher. Schon ihr Gesicht sprach Bände, als sie mir ihren Salat erzählte. Für mich heissen solche Salate immer nur wie die Person, von der ich ihn habe. So wird aus einem italienischen Rucola-Salat der Suse-Salat, und aus einem griechischen Linsensalat der Bernd-Salat. Und jetzt habe ich halt noch einen Andrea-Salat, mit Aussicht auf Liebe.
Zusammenhänge. Salate. Urlaub. Salate wie Menschen wie Urlaub. Es gibt sie, und das ist fabelhaft.
Gestern in den Niederlanden in einem Café an einem Marktplatz. Grachtenpisse muss ich denken, als ich "Grolsch" sage. Diese Ruhe. Die Menschen haben einen freien Tag, sitzen verteilt und allein im Café, trinken Rosé und Koffie und erraten gemeinsam mit dem Mann am Fenster sein Kreutzworträtsel. Der Hund geht zu allen, wedelt und lehnt sich schwer, schwarz und warm an sämtliche Besucherbeine. An meinen schnuppert er besonders lange und konzentriert, und hinterlässt feuchte Nasenabdrücke da, wo am morgen noch ein Fellchen lag. Es liegt so eine Gelassenheit über allem, keine drückende Sonntagsluft, kein Muss, nur Sein mit 2€-Getränken.
Beim Weggehen will ich Ankommen, an einer Düne, an einem Meer, eigentlich in Frankreich.
Pause. – Ich musste anrufen, und sie sagte, der Atlantik sei noch genau da, wo ich ich ihn verlassen hätte. Gut.
Sitzen und einwirken lassen. Menschen wie Bilder wie Sätze wie Perlen.
Ich sage zu ihr, das über schlimme Dinge einmal alle vier Jahreszeiten drüber müssten, ab dann würde es besser. Sätze wie "Aber genau heute vor einem Jahr, da…" gehen dann nicht mehr, weil die Geschichte, der gemeinsame Tag fehlt. Ihr fehlt der Mann, mir der Vater, und doch verbindet uns kaum mehr. Sie greift, ich drehe mich weg. "Schwamm drüber" funktioniert in ihrer Mutter-Welt, in meiner Kind-Welt nicht.
Dinge, die helfen:
schreibe ich auf die Seite neben dem Andrea-Salat und gehe ins Bett, die leere Seite liegt auf.
ein sonntag.



Montag, 27. März 2006
gestriges glimmen.

nick cave. mötley crue. mutter. type o negative. moby. morcheeba. moby. yeah yeah yeahs. missy. oasis. ol' dirty bastard. sugarbabes. billy talent. dean martin. bauhaus. black keys. juliet. pixies. captain sensible. rancid. portishead only you
I Need Some Fine Wine And You, You Need To Be Nicer
3:33
The Cardigans, Super Extra Gravity, 4,7 MB
fin!
anstrengend. fencheltee. leer. pleite. zeitlos. ruhelust.
zu viele punkte, all überall.
I Need Some Fine Wine And You, You Need To Be Nicer
3:33
The Cardigans, Super Extra Gravity, 4,7 MB
fin!
anstrengend. fencheltee. leer. pleite. zeitlos. ruhelust.
zu viele punkte, all überall.
Samstag, 25. März 2006
nachts. also letzte nacht.
Ich wache auf und bin einmal komplett durchtränkt von Glück. Ich strecke mich unter der warmen Decke, es ist 3:23 Uhr, und ich denke "der Frühling, jetzt ist er da!".
Ein paar Sekunden später prasselt Regen an die Scheiben und es riecht nach Erde unter Regen. Das Atlantiktief. Wasser von einem schönen Ort, Luft die nach Regen riecht, und nicht nach Schnee.
3:23 Uhr, denke ich, das musst Du morgen aufschreiben und festhalten.
Ein paar Sekunden später prasselt Regen an die Scheiben und es riecht nach Erde unter Regen. Das Atlantiktief. Wasser von einem schönen Ort, Luft die nach Regen riecht, und nicht nach Schnee.
3:23 Uhr, denke ich, das musst Du morgen aufschreiben und festhalten.
Donnerstag, 23. März 2006
nachtisch.
Mit einer Käsestulle im Magen muss ich doch noch eines sagen:
Ich war drei Minuten und fünf ( gesprochen "pfümpf") Meter entfernt von einem Teller Abendmahl und meinem ersten (!) Cosmopolitan.
Wieder nix geworden.
Es wäre mein erster gewesen.
Das Leben ist keine räudige Schlampe, sonder ein Köter, der wo fremd Gassi geht und ein Telefon.
Da habt ihrs.
Cosmopolitan.
Mein erster.
Scheisse.
Ich war drei Minuten und fünf ( gesprochen "pfümpf") Meter entfernt von einem Teller Abendmahl und meinem ersten (!) Cosmopolitan.
Wieder nix geworden.
Es wäre mein erster gewesen.
Das Leben ist keine räudige Schlampe, sonder ein Köter, der wo fremd Gassi geht und ein Telefon.
Da habt ihrs.
Cosmopolitan.
Mein erster.
Scheisse.
Ich habe -wie jeden Winter- vergessen, wie stark sich das Vagabundenherz, das Fernweh und der Drang nach Lebenszeit an der Sonnenscheindauer und Intensität orientiert.
Je mehr Sonne, je wärmer und durchdringender, um so mehr stecken Ziele wie Wünsche in der Ferne.
Heute bis 10 Grad, also ein Kaffee in den Niederlanden, zwischen den Dünen auf Zeeland.
Am Sonntag bis 15 Grad, Frankreich rückt näher.
Je mehr Sonne, je wärmer und durchdringender, um so mehr stecken Ziele wie Wünsche in der Ferne.
Heute bis 10 Grad, also ein Kaffee in den Niederlanden, zwischen den Dünen auf Zeeland.
Am Sonntag bis 15 Grad, Frankreich rückt näher.
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