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Montag, 9. Juli 2007
!
Was ich heute Vormittag zu dem 80er-Kracher 'Dr.Beat' mit meiner Rückseitenmuskulatur angestellt habe, werde ich spätestens morgen mindestens bereuen!
Donnerstag, 5. Juli 2007
sekunden.
und dann schaltet die ampel auf grün, ich sehe es schon von weitem, fahre schneller, gehe einen gang höher jetzt. neben mir rauschen die autos auf der sechspurigen hauptstrasse, die ampel kommt näher, und der graue kombi neben mir fährt die ganze zeit auf einer höhe, und mein vorderrad überquert den bordstein, und
mein hirn löst sich ab und schickt das bild, wie ich den kopf nur ganz leicht nach links neige, da merke ich schon das warme metall der motorhaube an meinem linken bein. ich denke noch, dass er sicher eine ganze fahrt auf der autobahn hinter sich hat, die A46 wohl, und dann drückt es mich auf den asphalt. er riecht nach dem letzten gewitter nach regen, und ich höre, wie mein rad knackt, und dann, wie meine beckenpfanne bricht, und ich denke, dass kann doch jetzt nicht sein, ich habe doch gerade noch eingekauft, das brot, ich wollte doch mit dem brot nach hause und diesen wein dazu öffnen, und dann will ich schreien. ich will irgendwen beschreien, dass ich doch grün hatte und hier liege und dass irgendwer dieses auto von mir nehmen soll, es ist so unglaublich schwer. und dann merke ich, wie weich ich eigentlich bin, und das schreien nicht geht, weil dieser reifen meine leber, milz, meine lungen nach oben drückt, und dieser organkloss nun dort sitzt und anschwillt, wo sonst meine luft und meine worte herauskommen.
ich fühle mich weich, verstopft und dann, genau als ich denke, was denn nun aus dem brot wird, und aus m. und aus den fellchen, da kommt dieser schwall aus meinem mund. er ist heiß und dick und ich denke -
ich denke nichts mehr. eine tür knallt zu, alles schwarz, 'das wars wohl' geht noch durch irgendeine windung, und angst, weil kein engel und kein tunnel, alles nur schwarz und glühend.
ich kneife ganz kurz die augen zusammen, öffne sie direkt wieder und sehe, wie der kombi abrupt bremst und eine fleischige männerhand eine geste macht, ich solle überqueren, er steht ja jetzt.
mir ist ein paar sekunden flau. an der nächsten ampel fasse ich kurz an das brot, an meine hüfte und drücke beides. beides weich, beides warm, beides ganz.
auf dem letzten kilometer feiern die sinne eine ausgelassene party. die vögel sind ein orchester, der geruch nach regen satt in all meinen blutbahnen und die luft, die luft ist wie ein sprung in ein randvolles fass sprudelwasser.
mein hirn löst sich ab und schickt das bild, wie ich den kopf nur ganz leicht nach links neige, da merke ich schon das warme metall der motorhaube an meinem linken bein. ich denke noch, dass er sicher eine ganze fahrt auf der autobahn hinter sich hat, die A46 wohl, und dann drückt es mich auf den asphalt. er riecht nach dem letzten gewitter nach regen, und ich höre, wie mein rad knackt, und dann, wie meine beckenpfanne bricht, und ich denke, dass kann doch jetzt nicht sein, ich habe doch gerade noch eingekauft, das brot, ich wollte doch mit dem brot nach hause und diesen wein dazu öffnen, und dann will ich schreien. ich will irgendwen beschreien, dass ich doch grün hatte und hier liege und dass irgendwer dieses auto von mir nehmen soll, es ist so unglaublich schwer. und dann merke ich, wie weich ich eigentlich bin, und das schreien nicht geht, weil dieser reifen meine leber, milz, meine lungen nach oben drückt, und dieser organkloss nun dort sitzt und anschwillt, wo sonst meine luft und meine worte herauskommen.
ich fühle mich weich, verstopft und dann, genau als ich denke, was denn nun aus dem brot wird, und aus m. und aus den fellchen, da kommt dieser schwall aus meinem mund. er ist heiß und dick und ich denke -
ich denke nichts mehr. eine tür knallt zu, alles schwarz, 'das wars wohl' geht noch durch irgendeine windung, und angst, weil kein engel und kein tunnel, alles nur schwarz und glühend.
ich kneife ganz kurz die augen zusammen, öffne sie direkt wieder und sehe, wie der kombi abrupt bremst und eine fleischige männerhand eine geste macht, ich solle überqueren, er steht ja jetzt.
mir ist ein paar sekunden flau. an der nächsten ampel fasse ich kurz an das brot, an meine hüfte und drücke beides. beides weich, beides warm, beides ganz.
auf dem letzten kilometer feiern die sinne eine ausgelassene party. die vögel sind ein orchester, der geruch nach regen satt in all meinen blutbahnen und die luft, die luft ist wie ein sprung in ein randvolles fass sprudelwasser.
i♥
entsetztes aufkieken bei anlicken.
Flix wurde allein gelassen.
( und ja, es ist schon komisch, aber es berührt, wenn man wen täglich liest und dann zeichnen sich dramen ab, die sich natürlich täglich und überall abzeichnen, auch hier, aber wenn man das dann liest, und man kann nicht mal eben durchs offene küchenfenster 'hey, das tut mir echt leid!' rufen, dann sitzt man halt da, und verlinkt das, und nimmt das symbolisch als 'von-küchenfenster-zu-küchenfenster'. )
( und ja, es ist schon komisch, aber es berührt, wenn man wen täglich liest und dann zeichnen sich dramen ab, die sich natürlich täglich und überall abzeichnen, auch hier, aber wenn man das dann liest, und man kann nicht mal eben durchs offene küchenfenster 'hey, das tut mir echt leid!' rufen, dann sitzt man halt da, und verlinkt das, und nimmt das symbolisch als 'von-küchenfenster-zu-küchenfenster'. )
Montag, 2. Juli 2007
für eine kurze unterbrechung
Ich brassel mich in den knappen freien Momenten nachhaltig durch den Bachmann-Preis 2007, den man wunderbar hier in Häppchen seinem Gemüte zufüttern kann, und beschloss gerade jetzt, nie wieder das ob rheinisch 'op' zu sprechen, sondern nur noch (fast klagend) 'oohb'. So.
Ansonsten ein Montag. Draußen ergeben sich streckenweise Wolkenbrüche, in denen man nicht stehen sollte, ich würde gern eine Passage aus 'Was man beim organisieren so überlebt' zum Besten geben, zB wie ich gestern nur eine kurze Nachfrage hatte, und mitten in einer rheinisch/italienischen/niederländischen Geburtstagsgesellschaft quasi gefangen wurde -ich wollte nicht durchs Bild laufen, während erst Paul, dann Hans und am Ende noch Giovanni ellenlange Reden auf Wölfchen, den 60jährigen Geburtstagsmenschen hielten, und ich - hinter den Senioren an die Wand gelehnt- somit zuerst in die wirklich erquickliche Geschichte mit allen im Hofbräuhaus kam, dann eine deutsch-italienische Geburtstagsrede zum Besten gegeben wurde und am Ende und ungewollt ich, die rennende Fremde, von den vier Familienterriern, die sich offensichtlich langweilten und mich geistesgegenwärtig als nicht zum Rudel gehörend zum Laufspielen anheizten, laut kieksend durchs Geburtstagsvideo eilend, kurz vor einem Sprung ins sehr nahe Gewässer, aber (wo war ich? warte, ich fang euch alle textlich wieder ein -) um zum Ende zu kommen, für Anekdoten bleibt natürlich keine Zeit mehr, es ist schließlich Montag.
In meinem Hinterkopf die Radisch, wie sie ein jedes Wort aus meinem Zeigefinger schmallippig zerreisst.
Ansonsten ein Montag. Draußen ergeben sich streckenweise Wolkenbrüche, in denen man nicht stehen sollte, ich würde gern eine Passage aus 'Was man beim organisieren so überlebt' zum Besten geben, zB wie ich gestern nur eine kurze Nachfrage hatte, und mitten in einer rheinisch/italienischen/niederländischen Geburtstagsgesellschaft quasi gefangen wurde -ich wollte nicht durchs Bild laufen, während erst Paul, dann Hans und am Ende noch Giovanni ellenlange Reden auf Wölfchen, den 60jährigen Geburtstagsmenschen hielten, und ich - hinter den Senioren an die Wand gelehnt- somit zuerst in die wirklich erquickliche Geschichte mit allen im Hofbräuhaus kam, dann eine deutsch-italienische Geburtstagsrede zum Besten gegeben wurde und am Ende und ungewollt ich, die rennende Fremde, von den vier Familienterriern, die sich offensichtlich langweilten und mich geistesgegenwärtig als nicht zum Rudel gehörend zum Laufspielen anheizten, laut kieksend durchs Geburtstagsvideo eilend, kurz vor einem Sprung ins sehr nahe Gewässer, aber (wo war ich? warte, ich fang euch alle textlich wieder ein -) um zum Ende zu kommen, für Anekdoten bleibt natürlich keine Zeit mehr, es ist schließlich Montag.
In meinem Hinterkopf die Radisch, wie sie ein jedes Wort aus meinem Zeigefinger schmallippig zerreisst.
Freitag, 29. Juni 2007
refs.
1 Search request: frauen und ihre wärmflaschen
tell ya!
tell ya!
notes.
Letzte Woche Kaffee geschmuggelt, diese Woche Paderborn.
Mein Leben wird immer rauher.
Mein Leben wird immer rauher.
Donnerstag, 28. Juni 2007
"Donnerlittchen!"
Die ZentraleIntelligenzAgentur
Mittwoch, 27. Juni 2007
orte.
Ich wurde an einem Sonntag gezeugt, in einem Altbau Gustav-Poensgen-Strasse, Ecke Bunsen, in der dritten Etage, ab der Mitte linke Tür. Das Schlafzimmer ging zu den Rangiergleisen hinaus, und der Akt an sich fand nach dem Mittagessen statt. Es gab Schweinebraten, Kartoffelklöße von Pfanni und Gurkensalat. Meine Mutter betont, dass sie und mein Herr Papa es den ganzen vorangegangenen Urlaub von 16 Tagen in Stade an der Elbe versucht hätten, aber irgendwas schien nicht geklappt zu haben, die Details liegen im Dunkeln.
Meine Mutter betont ebenfalls und mit einem anzüglichen Lächeln, welches sie nur für diese Geschichte zu besitzen scheint, dass sie, also sie und mein Herr Papa, völlig doll gewesen wären, und das ich genau an diesem Sonntag, nach Braten und Mittagsschlaf, gezeugt wurde, mit viel Dollheit.
Mich wundert nicht wirklich, wie mein Ich beschaffen ist, und dass es jeden Sonntag Braten, Klöße und Gurkensalat gab, bis mein Herr Papa das Dollsein nicht mehr ausüben konnte, und nun vielleicht an anderen Orten Gurkensalat bekommt, wer weiß.
Meine Mutter erzählte diese Geschichte jedem, der ansatzweise eine Brücke zu diesem Thema anschnitt, was mir früher eher peinlich war. Heute finde ich es nett, dass eine der sexuellen Glanzstunden im Leben meiner Mutter genau die war, wo bei mir der göttliche Funken zündete.
All das hatte ich lange vergessen, bis ich neulich aus Köln kam, und den ersten nächtlichen Heimweg zu Fuß angetreten habe. Plötzlich stand ich vor diesem Haus, abgewirtschaftet, dreckige Fassade, die Eckkneipe, die irgendwas mit Bunsen hieß, damals, geschlossen und zugemauert.
Ich stand da und fragte mich, wie viele Leute eigentlich wissen, wo sie gezeugt wurden. Ich finde dieses Wissen genau so wichtig, wenn nicht sogar noch etwas wichtiger, als der Moment, wo wir per Schwerkraft, Druck, Drogen, zupackende Hebammenhände oder Glocken aus einem Unterleib gezerrt werden und vor lauter Entsetzen erst einmal verstummen. Wüssten wir, dass es noch schlimmeres geben wird in einem ganzen Leben als einen Klaps auf den Hintern und kalte Hebammenhände, wir würden aus dem Brüllen sicher nicht mehr herauskommen.
Ich stand ein paar Minuten, es war ganz still, und versuchte mich zu sehen, wie ich mit meinen blonden Locken durch diese Haustür rannte. Wie habe ich dieses schwere Ding überhaupt halten können, und wie kam ich an die Klingelknöpfe? Und die Nachbarn? Kam mir ein Name bekannt vor? Bilder im Kopf, ich beim Rad fahren, ich mit Gehirnerschütterung kurz darauf, 'Das Temperament' sagte der Arzt, 'wird ihre Tochter noch zu einigen Erschütterungen verhelfen.'
Unsere Couch war grau und für drei, und mein Herr Papa lag immer im Querformat und schlief den Mittagsschlaf eines Bäckermeisters. Bilder, wie wir aus dem Viertel wegzogen, kurz bevor ich in die Schule kam. Das Viertel war zu Bahnhofsnah, die Gegend nicht gut für ein Mädchen, meine Eltern zogen mit mir näher an den Stadtrand. Der erste Morgen in der neuen Wohnung war ein sehr heller Morgen in einer sehr hellen Küche, keine hohen Altbaudecken, keine dunklen Räume, sondern Sonne und der Eiermann, der mit lautem Hahnenschrei vom Band auf sich Aufmerksam machte. Alles anders, und an die Klingelknöpfe kam ich wieder nicht, dafür wußte kurz darauf die gesamte Nachbarschaft das ich die 6-jährige war, die es stimmgewaltig schaffte, ihre Mutter im Dachgeschoss ans Fenster zu rufen, damit sie die Haustür aufdrückte.
Diese alte Wohnung ist schon lange frei, ich habe sie vor Monaten in der Immobilienplattform im Internet gesehen. Die Zeugungswohnung ist bewohnt, und ich zurück im alten Viertel in einer Wohnung mit hohen Decken. Die Gegend ist noch immer nicht gut für kleine Mädchen, und auch die großen könnten Mühe haben.
Ein halber Tag neulich. Beim Kaffee kochen konnte man einige Nachbarn missmutig um ihre Autos laufen sehen, die Polizei notierte Namen und schien sich über den Regen zu ärgern. Nachts wurden wieder eine Reihe Autos aufgebrochen, ohne große Beute, wie meist. Ich gehe einkaufen, die Polizei ist längst weg und die meisten Scherben der Seitenscheiben auch. Ich treffe auf die Bio-Berberin, wie ich sie nenne, weil sie ihren gesamten Haushalt in Taschen von Öko-Marken mit sich schleppt. 'Haste n Tempo?' fragt sie, und sieht sehr alt und sehr verschnupft aus. Ich gebe ihr meine ganze Packung und ein 2Eurostück für einen heißen Kaffee, und laufe in Gedanken versunken in einen Mann hinein, der mich mit einem 'Gerade jetzt ey!' anzischt. Als ich mich das dritte Mal irritiert umdrehe, kapiere ich, dass ich ihn beim Äpfelklauen im Supermarkt umgerannt und somit gestört hatte. Der Mann war um die 60 und sah eigentlich nicht nach klauen aus, aber wie er so mit seiner vollen Einkaufstasche davonging, wo nun auch noch zwei Packungen dazugekommen sind, da musste ich auch an den Securitymann denken, der abends in dem Supermarkt am Eingang steht, und immer sehr höflich und hilfsbereit ist.
Beim Türken dann ein Gespräch zwischen zwei Frauen.
'Ecke nix gut, zu viel Sindel und Diebe' meinte die eine, und die andere dann 'Ja, und Melone hier auch immer teuer, viel mehr teuer als bei uns.' wobei ich jetzt nicht wusste, wie der Ort uns gemeint war, was für die gesamte Geschichte vielleicht ganz gut gewesen wäre, aber nun gut. Ich kaufte Melone, ich kaufte Käse, ich ging zurück und sah die Bio-Berberin in einen großen Apfel beißen, und zwischen zwei kräftigen Happen maulte sie eine Frau mit Hund an, die diesen über den Gehweg schleifte. 'Der ist zu alt, der will nicht in den Krach hier' meinte sie, und ich fand meine 2 Euro und die Taschentücher genau richtig angelegt, weil sie hatte Recht, Hund alt, Gegend laut, Tussi doof.
Könnte ich mir Orte ausmalen, würde ich den Zeugungsort so lassen, das mit dem Gurkensalat auch, und die Zukunft liegt an einem Ort, den man auf keiner Internetplattform findet, wo Opas keine Äpfel klauen müssen, sondern sich einen vom Baum pflücken, wo alte Hunde in der Sonne liegen und nicht über Gehwege gezerrt werden. Mein Ort hat keinen durchgehenden Sonnenschein, sondern auch besondere Regentage, und der Fisch auf meinem Teller hatte ein Leben und eine ernstzunehmende Chance.
Meine Mutter betont ebenfalls und mit einem anzüglichen Lächeln, welches sie nur für diese Geschichte zu besitzen scheint, dass sie, also sie und mein Herr Papa, völlig doll gewesen wären, und das ich genau an diesem Sonntag, nach Braten und Mittagsschlaf, gezeugt wurde, mit viel Dollheit.
Mich wundert nicht wirklich, wie mein Ich beschaffen ist, und dass es jeden Sonntag Braten, Klöße und Gurkensalat gab, bis mein Herr Papa das Dollsein nicht mehr ausüben konnte, und nun vielleicht an anderen Orten Gurkensalat bekommt, wer weiß.
Meine Mutter erzählte diese Geschichte jedem, der ansatzweise eine Brücke zu diesem Thema anschnitt, was mir früher eher peinlich war. Heute finde ich es nett, dass eine der sexuellen Glanzstunden im Leben meiner Mutter genau die war, wo bei mir der göttliche Funken zündete.
All das hatte ich lange vergessen, bis ich neulich aus Köln kam, und den ersten nächtlichen Heimweg zu Fuß angetreten habe. Plötzlich stand ich vor diesem Haus, abgewirtschaftet, dreckige Fassade, die Eckkneipe, die irgendwas mit Bunsen hieß, damals, geschlossen und zugemauert.
Ich stand da und fragte mich, wie viele Leute eigentlich wissen, wo sie gezeugt wurden. Ich finde dieses Wissen genau so wichtig, wenn nicht sogar noch etwas wichtiger, als der Moment, wo wir per Schwerkraft, Druck, Drogen, zupackende Hebammenhände oder Glocken aus einem Unterleib gezerrt werden und vor lauter Entsetzen erst einmal verstummen. Wüssten wir, dass es noch schlimmeres geben wird in einem ganzen Leben als einen Klaps auf den Hintern und kalte Hebammenhände, wir würden aus dem Brüllen sicher nicht mehr herauskommen.
Ich stand ein paar Minuten, es war ganz still, und versuchte mich zu sehen, wie ich mit meinen blonden Locken durch diese Haustür rannte. Wie habe ich dieses schwere Ding überhaupt halten können, und wie kam ich an die Klingelknöpfe? Und die Nachbarn? Kam mir ein Name bekannt vor? Bilder im Kopf, ich beim Rad fahren, ich mit Gehirnerschütterung kurz darauf, 'Das Temperament' sagte der Arzt, 'wird ihre Tochter noch zu einigen Erschütterungen verhelfen.'
Unsere Couch war grau und für drei, und mein Herr Papa lag immer im Querformat und schlief den Mittagsschlaf eines Bäckermeisters. Bilder, wie wir aus dem Viertel wegzogen, kurz bevor ich in die Schule kam. Das Viertel war zu Bahnhofsnah, die Gegend nicht gut für ein Mädchen, meine Eltern zogen mit mir näher an den Stadtrand. Der erste Morgen in der neuen Wohnung war ein sehr heller Morgen in einer sehr hellen Küche, keine hohen Altbaudecken, keine dunklen Räume, sondern Sonne und der Eiermann, der mit lautem Hahnenschrei vom Band auf sich Aufmerksam machte. Alles anders, und an die Klingelknöpfe kam ich wieder nicht, dafür wußte kurz darauf die gesamte Nachbarschaft das ich die 6-jährige war, die es stimmgewaltig schaffte, ihre Mutter im Dachgeschoss ans Fenster zu rufen, damit sie die Haustür aufdrückte.
Diese alte Wohnung ist schon lange frei, ich habe sie vor Monaten in der Immobilienplattform im Internet gesehen. Die Zeugungswohnung ist bewohnt, und ich zurück im alten Viertel in einer Wohnung mit hohen Decken. Die Gegend ist noch immer nicht gut für kleine Mädchen, und auch die großen könnten Mühe haben.
Ein halber Tag neulich. Beim Kaffee kochen konnte man einige Nachbarn missmutig um ihre Autos laufen sehen, die Polizei notierte Namen und schien sich über den Regen zu ärgern. Nachts wurden wieder eine Reihe Autos aufgebrochen, ohne große Beute, wie meist. Ich gehe einkaufen, die Polizei ist längst weg und die meisten Scherben der Seitenscheiben auch. Ich treffe auf die Bio-Berberin, wie ich sie nenne, weil sie ihren gesamten Haushalt in Taschen von Öko-Marken mit sich schleppt. 'Haste n Tempo?' fragt sie, und sieht sehr alt und sehr verschnupft aus. Ich gebe ihr meine ganze Packung und ein 2Eurostück für einen heißen Kaffee, und laufe in Gedanken versunken in einen Mann hinein, der mich mit einem 'Gerade jetzt ey!' anzischt. Als ich mich das dritte Mal irritiert umdrehe, kapiere ich, dass ich ihn beim Äpfelklauen im Supermarkt umgerannt und somit gestört hatte. Der Mann war um die 60 und sah eigentlich nicht nach klauen aus, aber wie er so mit seiner vollen Einkaufstasche davonging, wo nun auch noch zwei Packungen dazugekommen sind, da musste ich auch an den Securitymann denken, der abends in dem Supermarkt am Eingang steht, und immer sehr höflich und hilfsbereit ist.
Beim Türken dann ein Gespräch zwischen zwei Frauen.
'Ecke nix gut, zu viel Sindel und Diebe' meinte die eine, und die andere dann 'Ja, und Melone hier auch immer teuer, viel mehr teuer als bei uns.' wobei ich jetzt nicht wusste, wie der Ort uns gemeint war, was für die gesamte Geschichte vielleicht ganz gut gewesen wäre, aber nun gut. Ich kaufte Melone, ich kaufte Käse, ich ging zurück und sah die Bio-Berberin in einen großen Apfel beißen, und zwischen zwei kräftigen Happen maulte sie eine Frau mit Hund an, die diesen über den Gehweg schleifte. 'Der ist zu alt, der will nicht in den Krach hier' meinte sie, und ich fand meine 2 Euro und die Taschentücher genau richtig angelegt, weil sie hatte Recht, Hund alt, Gegend laut, Tussi doof.
Könnte ich mir Orte ausmalen, würde ich den Zeugungsort so lassen, das mit dem Gurkensalat auch, und die Zukunft liegt an einem Ort, den man auf keiner Internetplattform findet, wo Opas keine Äpfel klauen müssen, sondern sich einen vom Baum pflücken, wo alte Hunde in der Sonne liegen und nicht über Gehwege gezerrt werden. Mein Ort hat keinen durchgehenden Sonnenschein, sondern auch besondere Regentage, und der Fisch auf meinem Teller hatte ein Leben und eine ernstzunehmende Chance.
Mittwoch, 27. Juni 2007
Klassik prallt ab vom nassen Backstein, dabei prasselt ein Regen.
Innenhofleben. Dazu ich an Plümmo.
Innenhofleben. Dazu ich an Plümmo.
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