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Sonntag, 24. September 2006
Acetylcystein an SchokoVla.
Senile Bettflucht ist seit gestern mein neuer Sport. Scheiss auf Power-Step, auf Push und Squad und Pump und Streck, AUFSTEHEN ist meine Königsdisziplin seit gestern, und die geb ich scheinbar so schnell nicht mehr weg.
Wenn man Nächte im Normalfall so richtig doll lieb hat, weil sie Schlaf, Spannung und was zum Spielen bieten, dann sind Schlaflose Nächte die bösen Stiefschwestern von Tinkerbell.
Weil: den ganzen Tag liegen ("Du musst Dich mal richtig ausspannen. Ist ja kein Wunder das Du mal in die Knie gehst. Lies doch mal ein gutes Buch, Du.") ist für mich die schwierigste Disziplin in so einem Krankheitsmarathon. Ich werd hibbelig, wenn ich liegen SOLL.
Ich muss beschäftigt sein, und so lag ich dann halt Freitag, mit Laptop und schon angestaubten Dokus, die ich seit Monaten mal gucken wollte, und einer Staffel von diesen grünen Balisto, die ich schon immer mal so im Kilo probieren wollte, dann gabs im Korb noch diesen französischen Nougat (mit Betonung auf gab), und diese 500 ml SchokoVla im Kühlschrank, wo ich den Plastiklöffel direkt stecken ließ, Schwamm drüber.
Freitag also ging alles noch. Ein wenig greinen, ein wenig Depression, ein wenig "keiner liebt mich, da blogg ich doch gleich mal was", und dieser Film hier,
Flammend Herz

(Unbedingt durch die Seite tingeln und Trailer ansehen. Toller Film.)
das ging. Da kann man drüber wegkommen, vor allem mit Balisto und schwarzem Kaffee, und abends einer fast allein gezoschten Flasche französischen Bio-Rotweins. Gegen die Bakterien. Und so.
Gestern Morgen dann diese Rasiermessersache, da im Rachen, dahinten runter bis zu den Lungenbläschen. Und das ging ja nicht weg, das hielt sich ja den ganzen Tag. Also härtere Geschütze, noch mehr Lutschtabletten, noch zwei Dokus und 5 Liter Kamilletee.
Abends war dann das Bettzeug hinüber. Den ganzen Tag meinen Unwillen hineinversenkt, und im liegen verlorenes Sommerfell von den vier Fellchen, die sich so Kinonachmittage im Bett natürlich nicht entgehen lassen, das verlangt nach frischem Bettzeug zum gesund werden.
Und, hallo Zeitsprung, um 1h34 sass ich zum töten bereit auf der Klobrille.
Das Thermometer zeigte grad mal schlappe 37 °C, aber mein Geigerzähler läutete weltweit Alarm.
Wer gegen 23 uhr bei miesem TV-Programm wegnuppt, der freut sich eigentlich sehr auf sein Bett, und das noch mal verdoppelt, wenn die schicke, neue Bettwäsche auf Einweihung durch Tiefschlaf wartet.
Wenn man aber Husten hat, dann kommts erst im liegen so richtig dicke. Alles, was vorher noch ruhig und medikamentiert vor sich hindümpelte, bricht spätestens dann so richtig aus sich heraus, wenn Mensch liegt.
Also erst mal Husten. Einmal so richtig Husten. Danach Nase zu. Den ganzen Tag ist die Nase nicht zu, aber kaum ist das Licht aus= Nase zu. Besteht da vielleicht ein technischer Zusammenhang, den ich in Physik verpasst habe? Wie dem auch sei, dagegen musste auf der Stelle etwas unternommen werden. Aber wohin hat man letztes Jahr nur diese Nasentropfen weggetuppert? Ich wühle im dunkeln in meinem Nachtschränkchen, means dieses gnadenlos überfüllte und vollgestellte Holzmöbel neben dem Bett, dessen wahre Bestimmung in einem Badezimmer wäre, aber ich nehm das nicht so eng. Der Wecker, der beim ins Bett fallen noch 23h20 anzeigte, glühte mich mittlerweile mit einer 0h14 an, und ich hasste die Zeit in diesem Moment genau so glühend. Dabei hustend ein neues Spiel spielen, ganz allein, es heißt "Huch, was ist denn DAS?", und es geht so:
Man grabscht im dunkeln jedes Teil ab, was man neben seinem Bett in dem Möbel finden kann, und rät, was es ist. Der helle Wahnsinn, was man da so alles verstaut. Ich identifizierte zum Beispiel den kleinen, vom Sperrmüll geretteten Tigger von Mäc Doof , eine sehr vertrocknete Kastanie, ein Haargummi, Zitrusöl (erst beim dran riechen kapiert, was da so klebt), drei Muscheln, noch ein Haargummi und ein Kondom, meiner Seel!
Alles wirklich erheiternd, aber eben leider nichts gegen verstopfte Nasen, also muss die Suche ausgedehnt werden.
Auf dem Weg in die Küche ein routinierter Griff in den Kühlschrank, war da nicht noch was von dem Vla? Aber warum fühlt sich das so - so kalt und nass an? Nein, es ist nicht mehr das Vla, was da steht, sondern abgehackte Hühnerteile in der tollen Papiertütenverpackung vom Bio-Laden.
M. war einkaufen, und ich hatte nun das Blut an den Fingern, statt Schokopudding. Hurra, nach vier Tagen Siechtum ist ein Licht am Horizont, morgen wird Suppe gekocht, aber jetzt erst mal etwas gegen dichte Nasen gebraut, also her mit dem Fleur de sel, jetzt wird gespült.
Und hier kommt der Sprung zu 1h34, und warum ich, auf Klodeckeln sitzend bereit zum töten war:
Spülen ging, danach unfreiwillig heftige Urlaubsassoziationen, wieder im Bett liegend, gefolgt von im Kopf lautstarkt abgespielten Chansons, deren Text ich nicht konnte, und erneutem Husten. Tja, und dann die 5 Liter Kamilletee vom Tag, die gaben sich dann mit dem Husten die Hand, und das geht so:
Liegend Husten, gleich wallewalle im Körper, gleich Druck auf die Blase, gleich Signal: ich muss mal. Und das ging dann im 20-Minuten Takt, und zwar so lange, bis ich laut den Kacheln verkündete: Gut, dann kann ich ja auch direkt sitzen bleiben.
Hält natürlich keiner durch, man ist ja schließlich Mensch genug, jedes Versprechen direkt durch ein neues zu ersetzen, und so eröffnete ich keine zehn Minuten später den Kacheln, dass ich mich nun doch besser wieder hinlege und wir uns alle im Morgengrauen wiedersehen.
Erschöpfter, dehydrierter Schlaf von knappen sechst Stunden, dann fingen die Fellchen an zu singen, unser kleines Morgen-Ritual. Und weil das Aufstehen so schön war, und die Nacht so nervig, da machte ich direkt noch Menschenfrühstück mit dazu, versenkte mich halbwegs im Kaffeepulver, schrottete die Butterdose dank Grobmotorik und dachte, dass ich unbedingt jedem mal empfehlen muss, sich eine Erkältung zuzulegen, wenn er nix mehr zum bloggen hat. Das geht super, das ist Content wo alles drin ist: Kindheit, Medikamente, Suppenrezepte, ein bißchen was persönliches, Heimat, Fetisch und Stofftiere.
Für heute vorgenommen: Medikamente ändern (jetzt nur noch Schleimlöser, Umckaloabo, die Schokolade absetzen und noch mehr Tee, und vor allem Geduld, 12 x am Tag eine große Gabe!), von M. in den Wald bringen lassen und Pilze sammeln (Leser und Pilzsammler in der Region Olpe: bitte nicht anfassen oder füttern, bin ansteckend), und dem Leaderfellchen einen Sabberlatz umbinden, der läuft nämlich seit zwei Stunden mit erhobener Nase durch die Küche und sucht das Huhn, welches grad sehr duftend im Topf auskocht.
Habe ich was vergessen?
Wenn man Nächte im Normalfall so richtig doll lieb hat, weil sie Schlaf, Spannung und was zum Spielen bieten, dann sind Schlaflose Nächte die bösen Stiefschwestern von Tinkerbell.
Weil: den ganzen Tag liegen ("Du musst Dich mal richtig ausspannen. Ist ja kein Wunder das Du mal in die Knie gehst. Lies doch mal ein gutes Buch, Du.") ist für mich die schwierigste Disziplin in so einem Krankheitsmarathon. Ich werd hibbelig, wenn ich liegen SOLL.
Ich muss beschäftigt sein, und so lag ich dann halt Freitag, mit Laptop und schon angestaubten Dokus, die ich seit Monaten mal gucken wollte, und einer Staffel von diesen grünen Balisto, die ich schon immer mal so im Kilo probieren wollte, dann gabs im Korb noch diesen französischen Nougat (mit Betonung auf gab), und diese 500 ml SchokoVla im Kühlschrank, wo ich den Plastiklöffel direkt stecken ließ, Schwamm drüber.
Freitag also ging alles noch. Ein wenig greinen, ein wenig Depression, ein wenig "keiner liebt mich, da blogg ich doch gleich mal was", und dieser Film hier,
Flammend Herz

(Unbedingt durch die Seite tingeln und Trailer ansehen. Toller Film.)
das ging. Da kann man drüber wegkommen, vor allem mit Balisto und schwarzem Kaffee, und abends einer fast allein gezoschten Flasche französischen Bio-Rotweins. Gegen die Bakterien. Und so.
Gestern Morgen dann diese Rasiermessersache, da im Rachen, dahinten runter bis zu den Lungenbläschen. Und das ging ja nicht weg, das hielt sich ja den ganzen Tag. Also härtere Geschütze, noch mehr Lutschtabletten, noch zwei Dokus und 5 Liter Kamilletee.
Abends war dann das Bettzeug hinüber. Den ganzen Tag meinen Unwillen hineinversenkt, und im liegen verlorenes Sommerfell von den vier Fellchen, die sich so Kinonachmittage im Bett natürlich nicht entgehen lassen, das verlangt nach frischem Bettzeug zum gesund werden.
Und, hallo Zeitsprung, um 1h34 sass ich zum töten bereit auf der Klobrille.
Das Thermometer zeigte grad mal schlappe 37 °C, aber mein Geigerzähler läutete weltweit Alarm.
Wer gegen 23 uhr bei miesem TV-Programm wegnuppt, der freut sich eigentlich sehr auf sein Bett, und das noch mal verdoppelt, wenn die schicke, neue Bettwäsche auf Einweihung durch Tiefschlaf wartet.
Wenn man aber Husten hat, dann kommts erst im liegen so richtig dicke. Alles, was vorher noch ruhig und medikamentiert vor sich hindümpelte, bricht spätestens dann so richtig aus sich heraus, wenn Mensch liegt.
Also erst mal Husten. Einmal so richtig Husten. Danach Nase zu. Den ganzen Tag ist die Nase nicht zu, aber kaum ist das Licht aus= Nase zu. Besteht da vielleicht ein technischer Zusammenhang, den ich in Physik verpasst habe? Wie dem auch sei, dagegen musste auf der Stelle etwas unternommen werden. Aber wohin hat man letztes Jahr nur diese Nasentropfen weggetuppert? Ich wühle im dunkeln in meinem Nachtschränkchen, means dieses gnadenlos überfüllte und vollgestellte Holzmöbel neben dem Bett, dessen wahre Bestimmung in einem Badezimmer wäre, aber ich nehm das nicht so eng. Der Wecker, der beim ins Bett fallen noch 23h20 anzeigte, glühte mich mittlerweile mit einer 0h14 an, und ich hasste die Zeit in diesem Moment genau so glühend. Dabei hustend ein neues Spiel spielen, ganz allein, es heißt "Huch, was ist denn DAS?", und es geht so:
Man grabscht im dunkeln jedes Teil ab, was man neben seinem Bett in dem Möbel finden kann, und rät, was es ist. Der helle Wahnsinn, was man da so alles verstaut. Ich identifizierte zum Beispiel den kleinen, vom Sperrmüll geretteten Tigger von Mäc Doof , eine sehr vertrocknete Kastanie, ein Haargummi, Zitrusöl (erst beim dran riechen kapiert, was da so klebt), drei Muscheln, noch ein Haargummi und ein Kondom, meiner Seel!
Alles wirklich erheiternd, aber eben leider nichts gegen verstopfte Nasen, also muss die Suche ausgedehnt werden.
Auf dem Weg in die Küche ein routinierter Griff in den Kühlschrank, war da nicht noch was von dem Vla? Aber warum fühlt sich das so - so kalt und nass an? Nein, es ist nicht mehr das Vla, was da steht, sondern abgehackte Hühnerteile in der tollen Papiertütenverpackung vom Bio-Laden.
M. war einkaufen, und ich hatte nun das Blut an den Fingern, statt Schokopudding. Hurra, nach vier Tagen Siechtum ist ein Licht am Horizont, morgen wird Suppe gekocht, aber jetzt erst mal etwas gegen dichte Nasen gebraut, also her mit dem Fleur de sel, jetzt wird gespült.
Und hier kommt der Sprung zu 1h34, und warum ich, auf Klodeckeln sitzend bereit zum töten war:
Spülen ging, danach unfreiwillig heftige Urlaubsassoziationen, wieder im Bett liegend, gefolgt von im Kopf lautstarkt abgespielten Chansons, deren Text ich nicht konnte, und erneutem Husten. Tja, und dann die 5 Liter Kamilletee vom Tag, die gaben sich dann mit dem Husten die Hand, und das geht so:
Liegend Husten, gleich wallewalle im Körper, gleich Druck auf die Blase, gleich Signal: ich muss mal. Und das ging dann im 20-Minuten Takt, und zwar so lange, bis ich laut den Kacheln verkündete: Gut, dann kann ich ja auch direkt sitzen bleiben.
Hält natürlich keiner durch, man ist ja schließlich Mensch genug, jedes Versprechen direkt durch ein neues zu ersetzen, und so eröffnete ich keine zehn Minuten später den Kacheln, dass ich mich nun doch besser wieder hinlege und wir uns alle im Morgengrauen wiedersehen.
Erschöpfter, dehydrierter Schlaf von knappen sechst Stunden, dann fingen die Fellchen an zu singen, unser kleines Morgen-Ritual. Und weil das Aufstehen so schön war, und die Nacht so nervig, da machte ich direkt noch Menschenfrühstück mit dazu, versenkte mich halbwegs im Kaffeepulver, schrottete die Butterdose dank Grobmotorik und dachte, dass ich unbedingt jedem mal empfehlen muss, sich eine Erkältung zuzulegen, wenn er nix mehr zum bloggen hat. Das geht super, das ist Content wo alles drin ist: Kindheit, Medikamente, Suppenrezepte, ein bißchen was persönliches, Heimat, Fetisch und Stofftiere.
Für heute vorgenommen: Medikamente ändern (jetzt nur noch Schleimlöser, Umckaloabo, die Schokolade absetzen und noch mehr Tee, und vor allem Geduld, 12 x am Tag eine große Gabe!), von M. in den Wald bringen lassen und Pilze sammeln (Leser und Pilzsammler in der Region Olpe: bitte nicht anfassen oder füttern, bin ansteckend), und dem Leaderfellchen einen Sabberlatz umbinden, der läuft nämlich seit zwei Stunden mit erhobener Nase durch die Küche und sucht das Huhn, welches grad sehr duftend im Topf auskocht.
Habe ich was vergessen?
Samstag, 23. September 2006
Die Pissnelke ist tot, es lebe die Königin!
Gott, ist das ein Dilemma. Für so Tage kann man gar nicht genug Ausrufezeichen zur Hand haben. Zum Beispiel für so gedachte Sätze, wenn man morgens ohne Stimme die Fellchen füttert. Eigentlich wollte ich mit denen über das Wetter und die neu entdeckte Dunkelheit vor den Fenstern reden, wie jeden Morgen, erst mal das Wetter abfrühstücken. Und da stolpere ich um halb sieben in die Küche, öffne den Mund, und heraus kam: Nichts.
Ein heiseres Fauchen, was übersetzt "Oh...oha!" heissen sollte.
Oha.
Statt dessen ein mit trister Tonlage gedachtes "Alles Scheisse, Deine Elli!" mit Ausrufezeichen natürlich. Die vier Fellchen, gnadenlos eingestellt wie gewohnt, die interessierte meine persönliche Verstimmung rein gar nicht, eins rieb sich kurz an meinen nackten Beinen den Hintern, gähnte, setzte sich neben seinen persönlichen Napf und fing mit Brüllen an.
So machen die das immer. Vier brüllende Katzen morgens vor sieben treiben jeden Fütterer zur Eile an, man denkt an die Nachbarn, die mit schreckgeweiteten Augen ihre Fersen in die Matratze drücken, und den Mitliegenden fragen, ob er das auch gehört hat, dieses furchtbare Geräusch. Gut, ich übertreibe, eigentlich ist es mir egal, was die Nachbarn um fünf nach halb sieben am Morgen denken, nur werde ich selber nicht gerne angebrüllt, also beeile ich mich mit dem Verteilen des töften Bio-Knackzeugs, deue dem Leaderfellchen noch seine Globulis mit rein, und ziehe mit tristem Gedankengut und Stimmenlos ins Bad. Licht lass ich aus, bloss nicht noch sehen, wie der Virus mir einen zweiten Kopf und neun Augen spendiert hat, oder was auch immer, und wo das Klo steht, das weiß ich ach im Dunkeln.
Dann plötzlich ein Grollen, intern, SMS von der Lunge: will Husten, hol mal Luft. Körper holt also Luft, und ich, also der denkende Rest denkt, da geht grad Atommüll flöten. Wie kann Husten denn so brennen? Mit einer Stimmung die finsterer ist als das finstere Badezimmer zurück ins Bett, noch eine Stunde til Showtime, der Gedanke an Kaffee macht mich glücklich.
Eine verwälzte Stunde, einen Kaffee und drei mal husten später sitze ich heulend auf dem Küchenstuhl und klage Zuwendung ein. Fieberkoller.
M. guckt erschrocken dieses etwas auf dem Stuhl an. Im Ringelshirt mit viel zu großen Socken, wirrer Frisur und einer Stimme wie eine Dockarbeiterin greint dieses erhitzte Etwas verknotet auf dem Stuhl hockend, dass einen ja eh keiner mehr lieb hat, kaum hat man was, und gerade da (und da ging eine protestierende Faust weit hoch zur Küchenlampe) hätte man doch besonders viel Zuwendung nötig.
M. schrieb indes auf den Einkaufszettel für nach Feierabend:
- Bio-Huhn und Rotwein! Viel Rotwein!
(Sollte sich mein Husten bis nächste Woche nicht gelegt haben, meine sehr verehrten Leser, dann kann ich ihnen versprechen, dass mit meiner Anwesenheit in Prag Franz Kafka auferstehen wird! Wach gehustet! Das muss mir erst mal einer nachmachen.)
Ein heiseres Fauchen, was übersetzt "Oh...oha!" heissen sollte.
Oha.
Statt dessen ein mit trister Tonlage gedachtes "Alles Scheisse, Deine Elli!" mit Ausrufezeichen natürlich. Die vier Fellchen, gnadenlos eingestellt wie gewohnt, die interessierte meine persönliche Verstimmung rein gar nicht, eins rieb sich kurz an meinen nackten Beinen den Hintern, gähnte, setzte sich neben seinen persönlichen Napf und fing mit Brüllen an.
So machen die das immer. Vier brüllende Katzen morgens vor sieben treiben jeden Fütterer zur Eile an, man denkt an die Nachbarn, die mit schreckgeweiteten Augen ihre Fersen in die Matratze drücken, und den Mitliegenden fragen, ob er das auch gehört hat, dieses furchtbare Geräusch. Gut, ich übertreibe, eigentlich ist es mir egal, was die Nachbarn um fünf nach halb sieben am Morgen denken, nur werde ich selber nicht gerne angebrüllt, also beeile ich mich mit dem Verteilen des töften Bio-Knackzeugs, deue dem Leaderfellchen noch seine Globulis mit rein, und ziehe mit tristem Gedankengut und Stimmenlos ins Bad. Licht lass ich aus, bloss nicht noch sehen, wie der Virus mir einen zweiten Kopf und neun Augen spendiert hat, oder was auch immer, und wo das Klo steht, das weiß ich ach im Dunkeln.
Dann plötzlich ein Grollen, intern, SMS von der Lunge: will Husten, hol mal Luft. Körper holt also Luft, und ich, also der denkende Rest denkt, da geht grad Atommüll flöten. Wie kann Husten denn so brennen? Mit einer Stimmung die finsterer ist als das finstere Badezimmer zurück ins Bett, noch eine Stunde til Showtime, der Gedanke an Kaffee macht mich glücklich.
Eine verwälzte Stunde, einen Kaffee und drei mal husten später sitze ich heulend auf dem Küchenstuhl und klage Zuwendung ein. Fieberkoller.
M. guckt erschrocken dieses etwas auf dem Stuhl an. Im Ringelshirt mit viel zu großen Socken, wirrer Frisur und einer Stimme wie eine Dockarbeiterin greint dieses erhitzte Etwas verknotet auf dem Stuhl hockend, dass einen ja eh keiner mehr lieb hat, kaum hat man was, und gerade da (und da ging eine protestierende Faust weit hoch zur Küchenlampe) hätte man doch besonders viel Zuwendung nötig.
M. schrieb indes auf den Einkaufszettel für nach Feierabend:
- Bio-Huhn und Rotwein! Viel Rotwein!
(Sollte sich mein Husten bis nächste Woche nicht gelegt haben, meine sehr verehrten Leser, dann kann ich ihnen versprechen, dass mit meiner Anwesenheit in Prag Franz Kafka auferstehen wird! Wach gehustet! Das muss mir erst mal einer nachmachen.)
Freitag, 22. September 2006
sic n tired, oder: Lu, gelaunt wie eine Pissnelke! (mit Heiratsantrag in der XL Packung)
So geht das auch, wenn man sich mal etwas Arbeit mit nach Hause nimmt. In meinem Fall heisst das auch "Liebster, ich habe uns das brandneuste Erkältungsvirus mitgebracht, was der Markt grad hergibt, Blogsdorf munkelt schon vom Husten 2.0!"
Das er mich mit vor Stolz angeschwellter Brust direkt aus dem Wohnraum verbannt hat muss ich hier wohl nicht näher betonen?
Überhaupt, krank sein und Männer. Das scheint allein ja gar nicht machbar zu sein. Eigentlich sinds ja die Männer, die als einzige so RICHTIG krank sein können, wir Frauen simulieren ja nur deren Zustand, machen den nach, und das auch noch schlecht, weil wie kann es dem Weibchen unserer Gattung denn schlecht gehen, wenn sie noch geht? Noch gehen im Sinne von Fortbewegen und noch gehen im Sinne von "sie funktioniert doch noch". Wie soll es mir denn gehen, wenn der Kopf bumpert, der Rest, der unten dran hängt zu warm wird und das Immunsystem sämtliche Waffen zückt, den Kriegszustand ausruft, der Mund zwischendrin so Laute von sich gibt, die nur ein Rottweilerweib verstehen würde und von der depressiven Verstimmung, auch "schlimm Liebesbedürftig!" genannt fang ich gar nicht erst an, also wie?
Nein, mir gehts toll. Mir gehts so toll, dass ich den vom Fleck weg heiraten täte, der mir heut Mittag eine Bio-Hühnersuppe ans Bett bringt, gekoppelt mit einer Super-DVD, einem Brownie und einer Surprise.
Das ist ein Angebot, ich erhol mich bei guter Pflege schnell wie nix und die roten Augen sind dann auch wieder weg.
(M., komm Du mir nach Hause!)
Später dann das super-update: Selbst ist die Frau (was auch sonst), oder wie ich mir alles selber ans Bett brachte.
Das er mich mit vor Stolz angeschwellter Brust direkt aus dem Wohnraum verbannt hat muss ich hier wohl nicht näher betonen?
Überhaupt, krank sein und Männer. Das scheint allein ja gar nicht machbar zu sein. Eigentlich sinds ja die Männer, die als einzige so RICHTIG krank sein können, wir Frauen simulieren ja nur deren Zustand, machen den nach, und das auch noch schlecht, weil wie kann es dem Weibchen unserer Gattung denn schlecht gehen, wenn sie noch geht? Noch gehen im Sinne von Fortbewegen und noch gehen im Sinne von "sie funktioniert doch noch". Wie soll es mir denn gehen, wenn der Kopf bumpert, der Rest, der unten dran hängt zu warm wird und das Immunsystem sämtliche Waffen zückt, den Kriegszustand ausruft, der Mund zwischendrin so Laute von sich gibt, die nur ein Rottweilerweib verstehen würde und von der depressiven Verstimmung, auch "schlimm Liebesbedürftig!" genannt fang ich gar nicht erst an, also wie?
Nein, mir gehts toll. Mir gehts so toll, dass ich den vom Fleck weg heiraten täte, der mir heut Mittag eine Bio-Hühnersuppe ans Bett bringt, gekoppelt mit einer Super-DVD, einem Brownie und einer Surprise.
Das ist ein Angebot, ich erhol mich bei guter Pflege schnell wie nix und die roten Augen sind dann auch wieder weg.
(M., komm Du mir nach Hause!)
Später dann das super-update: Selbst ist die Frau (was auch sonst), oder wie ich mir alles selber ans Bett brachte.
Mittwoch, 20. September 2006
TV-Abend auf der miagolare, heute mit:
(dem von mir gnadenlos verehrten) Klaus Kinski bei "Je später der Abend".
Teil 1
Teil 2
Teil 1
Teil 2
von Altweibersommer über den Herbst
Da ist sie wieder, die Zeit, wo die Raben beisammen auf Bordsteinen hocken und Nüsse auf das Pflaster knallen.
Und im feuchten Wind allerorts Spinnen, leger im Wind flatternd, in den riesigen Netzen lungernd.
Es wird Zeit, das letzte Obst zu klauben, zwischendrin den ziehenden Schwärmen einen Gruß zujubelnd, dann schwer beladen mit fernem Weh und einem Ach, beisst man krachend in saure Beeren und lernt von den Spinnen, seelenruhig im Wind baumelnd, sich selbst genügend.
Und im feuchten Wind allerorts Spinnen, leger im Wind flatternd, in den riesigen Netzen lungernd.
Es wird Zeit, das letzte Obst zu klauben, zwischendrin den ziehenden Schwärmen einen Gruß zujubelnd, dann schwer beladen mit fernem Weh und einem Ach, beisst man krachend in saure Beeren und lernt von den Spinnen, seelenruhig im Wind baumelnd, sich selbst genügend.
Lu lernt Französisch, Lektion 3.
„Oh! Alore, wir sind eutäh aberr sehr schön obersichtlich, awieh?“
„Übersichtlich das eissen“ klugscheisst Tis-Ta-Ro, und der restliche wie übersichtliche Teil von uns Vieren grinst nervös zur Tafel. Überischtlich zu sein bedeutet für einen jeden Kurs Intensivarbeit, ständiges dran sein und keine Chance auf Sekundenschlaf, den gerade meine Mitkämpferin Helga neben mir in Perfektion beherrscht. Mit bitterer Miene packt sie ihr Backwerk Brötchen zurück in die Tüte und greift seufzend zu Stift und Papier.
„Was man nicht alles für seinen Scheiss Job macht, oder?“ bekommt sie gerade noch zu Ende geraunt, und prompt werde ich Zeuge, wie Helga von einem gemaulten Deutsch-Ton in ein frisch weggesungenes „Bonjour Madame, comment allez vou? Oui, tres bien, merrrci.“ übergleitet. Wow, das hat sie aber zwischen den Hotelfluren und Herrengedecken endlich mal gelernt, wir alle gucken voll des Respekts.
Neunzig Minuten gaben Helga, ich, Tis-Ta-Ro und Olga alles, was man uns an singsang abverlangen konnten. Wir sangen das ABC, wir reservierten beieinander Zimmer wie Liederabendkarten von Schubert, wir machten männliche Dinge weiblich, und weibliche zu neutrums, schlugen mit une und des nur so um uns, und am Ende, als Olga anfing in den Streik zu gehen, da hatte sogar Marie einen leichten Schweissfilm auf der Oberlippe prangen.
Olga, die ein Bild partout nicht als das sehen wollte, was es war.
Vor aufgeschlagenem Arbeitsbuch sitzen wir alle und benennen der Reihe nach die Dinge, die wir auf dem Bild sehen. Eine belebte Strassenidylle, natürlich in Paris, knackenvoll, jeder tut etwas anderes und jeder hat was dabei. Einer von uns fing an, im besten Fall mit einem „Voilá“ und dann ein un oder une davor, der nächste wiederholt und hängt noch eins dran. Nach drei Runden wurde klar, wer heimlich mitgeschrieben hat, und Tis-Ta-Ro als routinierter Schummler enttarnt. Olga hingegen wollte nicht einsehen, dass der junge Mann mit Radio (bzw.Ghettoblaster) auf den Schultern kein orientalischer Teppichhänder ist, als den sie ihn schmallippig enttarnt hat. Nach einer Minutenlangen Diskussion mit Marie, die immer wieder das Geschlecht des Raaadiöhs wissen wollte, griff plötzlich Helga ein und blaffte Richtung Olga „Ey, das ist ein Rapper, und kein Teppich-Ali.“ Betroffenes Schweigen von Helgas rechter Seite, wo ich sass und verdutzt guckte. Mein lieber Herrgesangsverein, Helga beherbergt noch verbale Überraschungen, das hat selbst Tis-Ta-Ro kapiert. Nur Olga, die stellt Sich stur, der Mann trägt Teppich und sonst gar nichts!
Marie gibt nach, will das Geschlecht des Teppichs wissen und dann Resumee halten, Olga knallt siegerisch ihre Prada-Absätze in das grauschlierige Linoleum und dann ist die letzte Stunde vorbei, und alle sagen artig „Aurevoir, wir sehn uns nächste Woche, ne?“
Heute gelernt: Es ist egal, was ein Ali auf der Schulter trägt, solange Du nur ein un oder une davor zu setzen weißt.
„Übersichtlich das eissen“ klugscheisst Tis-Ta-Ro, und der restliche wie übersichtliche Teil von uns Vieren grinst nervös zur Tafel. Überischtlich zu sein bedeutet für einen jeden Kurs Intensivarbeit, ständiges dran sein und keine Chance auf Sekundenschlaf, den gerade meine Mitkämpferin Helga neben mir in Perfektion beherrscht. Mit bitterer Miene packt sie ihr Backwerk Brötchen zurück in die Tüte und greift seufzend zu Stift und Papier.
„Was man nicht alles für seinen Scheiss Job macht, oder?“ bekommt sie gerade noch zu Ende geraunt, und prompt werde ich Zeuge, wie Helga von einem gemaulten Deutsch-Ton in ein frisch weggesungenes „Bonjour Madame, comment allez vou? Oui, tres bien, merrrci.“ übergleitet. Wow, das hat sie aber zwischen den Hotelfluren und Herrengedecken endlich mal gelernt, wir alle gucken voll des Respekts.
Neunzig Minuten gaben Helga, ich, Tis-Ta-Ro und Olga alles, was man uns an singsang abverlangen konnten. Wir sangen das ABC, wir reservierten beieinander Zimmer wie Liederabendkarten von Schubert, wir machten männliche Dinge weiblich, und weibliche zu neutrums, schlugen mit une und des nur so um uns, und am Ende, als Olga anfing in den Streik zu gehen, da hatte sogar Marie einen leichten Schweissfilm auf der Oberlippe prangen.
Olga, die ein Bild partout nicht als das sehen wollte, was es war.
Vor aufgeschlagenem Arbeitsbuch sitzen wir alle und benennen der Reihe nach die Dinge, die wir auf dem Bild sehen. Eine belebte Strassenidylle, natürlich in Paris, knackenvoll, jeder tut etwas anderes und jeder hat was dabei. Einer von uns fing an, im besten Fall mit einem „Voilá“ und dann ein un oder une davor, der nächste wiederholt und hängt noch eins dran. Nach drei Runden wurde klar, wer heimlich mitgeschrieben hat, und Tis-Ta-Ro als routinierter Schummler enttarnt. Olga hingegen wollte nicht einsehen, dass der junge Mann mit Radio (bzw.Ghettoblaster) auf den Schultern kein orientalischer Teppichhänder ist, als den sie ihn schmallippig enttarnt hat. Nach einer Minutenlangen Diskussion mit Marie, die immer wieder das Geschlecht des Raaadiöhs wissen wollte, griff plötzlich Helga ein und blaffte Richtung Olga „Ey, das ist ein Rapper, und kein Teppich-Ali.“ Betroffenes Schweigen von Helgas rechter Seite, wo ich sass und verdutzt guckte. Mein lieber Herrgesangsverein, Helga beherbergt noch verbale Überraschungen, das hat selbst Tis-Ta-Ro kapiert. Nur Olga, die stellt Sich stur, der Mann trägt Teppich und sonst gar nichts!
Marie gibt nach, will das Geschlecht des Teppichs wissen und dann Resumee halten, Olga knallt siegerisch ihre Prada-Absätze in das grauschlierige Linoleum und dann ist die letzte Stunde vorbei, und alle sagen artig „Aurevoir, wir sehn uns nächste Woche, ne?“
Heute gelernt: Es ist egal, was ein Ali auf der Schulter trägt, solange Du nur ein un oder une davor zu setzen weißt.
Mittwoch, 20. September 2006
beste sätze nach 9
"Ziehen Sie das Höschen wieder hoch!"
(Dr. House)
(Dr. House)
Es gibt Tage, da wünsche ich mir erst einen sanften Ruck, dann einen angenehmen Knall, und am Ende einen Teller, voll mit Nudeln, und ein Glas mit rotem Wein.
Am nächsten Tag sähe alles anders aus, die zähe Masse wäre dem gewohnten Fluss gewichen, und man würde sagen, dass es anstrengend war, neulich noch.
Am nächsten Tag sähe alles anders aus, die zähe Masse wäre dem gewohnten Fluss gewichen, und man würde sagen, dass es anstrengend war, neulich noch.
na endlich.
(...)"Magere Models dürfen an der Madrider Modewoche "Pasarela Cibeles" künftig nicht mehr teilnehmen. Einen entsprechenden Beschluss fasste nach Presseberichten die Bezirksregierung von Madrid, die das Ereignis mitfinanziert. Sie schloss den Angaben zufolge mehr als 30 Prozent der Models, die beim letzten Mal dabei waren, vom Gang über den Laufsteg aus. Sie hatten zu wenig Gewicht auf die Waage gebracht."
ganzer Artikel
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Montag, 18. September 2006
fitschahn.
(wenn du das bild drückst, bekommst du ersoichso geschenkt. und dreh die bässe hoch!)
Dendemanns Seite
"Die Pfütze des Eisbergs" bei Amazon
... und das etwas gewöhnungsbedürftige Video zu 3einhalb Minuten auf youTube:
(...) so, und jetzt sieh zu das du land gewinnst, du nichtschwimmer!
Sonntag, 17. September 2006
Dieser Beitrag wurde inspiriert durch die spätseptemberliche Wärme und Dr.Katzes gesunder Neugier auf tschechische Musik.
In Prag ist immer Winter, zumindest für mich. Regelmäßig genau dann wenn die Kälte über das Land herzieht, und alles im Mondlicht glitzern läßt, steigen wir in Auto ein, tätscheln kurz noch die vier Fellchen und fahren weg ins Land.
Und dann, kaum angekommen, braucht man schon das erste große Bier, die Kälte ist zu arg, so steht für mich die Tschechei da. Sollte ich jemals eine Stadt angeben müssen, in der ich besorgt den meisten Alkohol trank, dann werde ich laut und deutlich PRAG sagen müssen, weil es ja so ist.
Mittags zu Knoblauchsuppe und rauchiger Luft den ersten Liter Gambrinus, und ich sitze immer mit den Füssen an der jeweiligen bollernden Heizung und frage mich, wie die den ganzen Liter in ein einzelnes Glas bekommen. Zu den Knödeln dann ein Kurzer, und der Nachmittag ist ein sympathischer Gesell und hält dir diese Kälte vom Leib. Aber es ist nicht nur die Stadt, die unter der Kälte knackt, es sind auch die Menschen, die mich zum frieren bringen. Warmherzig ist er, der Tscheche an sich, aber erlebt hat er, und das läßt ihn heute volltrunken durch die U-Bahn starren, gegerbt und nach nassen Mantel riechend. Und dann die Häuser. Es ist nicht alles goldenes Dach, was glänzt, und auch Prag liegt nicht durchgehend unter gülden Sonnenuntergangsbeleuchtung, die in der Tat alles zum leuchten und mich zum staunen bringt. Dann aber: Kaum ist der letzte Strahl in die Nacht gegangen, ist es dunkel, und dagegen braucht man Bier, Bier und Musik.
(Man verzeihe mir nebenher bitte diese Einseitigkeit der Ansicht, aber ich kenne Prag nur in Minusgraden, den Sommer verbrachte ich dort noch nie. )
Es wird keinen verwundern, wird man in solch einer morbiden Stimmung anfällig für warmes Licht, heisse Suppe und nüchterne Menschen, und so ging es eines Tages vor Jahren einfach so, dass wir verfroren und mit nassen Jacken vor diesem Haus wie Laden standen. Warmes Licht, sogar Kerzen hatte man dort angezündet. Es war im Dezember, draussen dunkel und im Minusbereich und zweistellig, und wir kneteten unsere Hände vor Kafkas Buchladen, der einfach so warm und einladend auftauchte.

(Die genaue Position der Eingangstüre von Kafkas Buchladen.)
Drinnen knackte der Holzboden und es herrschte Bücherstille, während draussen vor der Tür der Weihnachtstrubel in Strömen an einem vorbeizog. O2 hatte eine Eisbahn aufstellen lassen und es gab Würstchen, glühende Maronen und Bier.
Und wir? Wir standen in Kafkas Buchladen am Altstädter Ring und füllten uns die Hände. Ich nahm ein Exemplar des „Golem“ um es kurz darauf nach Bayern zu schicken, M. stockte unsere Kafka-Sammlung leise auf, und die obligatorische Postkarte, hier bekamen wir endlich eine die man auch zeigen konnte.
Das ist jetzt ein wenig her, ein paar Winter, aber es vergeht keiner, genau wie kein Prag-Besuch vergeht, an dem wir nicht in diesen Laden müssen, in diese Athmosphäre der Ruhe in dem Trubel des Rings.
Und dann genau letzten Winter, wir hatten zum Mittag Sauerkrautsuppe -die ich jedem Besucher Prags nur empfehlen kann- und Bier, genau letzten Winter stapften wir durch kniehohen Schnee Richtung Buchladen. Draussen war das Leben beschwerlich, der Schnee lag überall im Weg, man stapfte und mühte sich, und Mittags das Bier hielt auch nicht so lange vor wie sonst. Und dann der Laden wieder.
An der Kasse dieser Junge, mit der ansatzweisen Frisur eines Rabbiners, vielleicht sind ihm die Locken auch nur über die Stille und Ruhe hinweg rausgewachsen, wer weiß. Während wir in der bekannten Auslage Bücher umdrehten und Karten ansahen, ging er zu der Wand mit den CDs und legte eine Neue ein. Und genau in dem Moment, wo die ersten Klänge durch den Raum streiften, sahen wir uns an, über drei Tonnen bedrucktem Papier hinweg, nickten kurz, und M. ließ sich die CD geben, einpacken, zahlte, und wir gingen.
2005 also kein Buch, dafür diese Band, die ich jedem nur ans Herz legen kann, genau wie die Sauerkrautsuppe und den Liter Bier dazu.

(Bild pressen und auf die Seite der Band kommen.)
Hier gehts auf direktem Weg zu den Hörproben und genau hier gibts mein Lieblingsstück. Na zdravi!
In zwei Wochen werden wir wieder in den Laden gehen, und es wird das erste mal sein, dass wir nicht in der Kälte des dunklen Abends die Tür öffnen. Es wird komisch werden.
Und dann, kaum angekommen, braucht man schon das erste große Bier, die Kälte ist zu arg, so steht für mich die Tschechei da. Sollte ich jemals eine Stadt angeben müssen, in der ich besorgt den meisten Alkohol trank, dann werde ich laut und deutlich PRAG sagen müssen, weil es ja so ist.
Mittags zu Knoblauchsuppe und rauchiger Luft den ersten Liter Gambrinus, und ich sitze immer mit den Füssen an der jeweiligen bollernden Heizung und frage mich, wie die den ganzen Liter in ein einzelnes Glas bekommen. Zu den Knödeln dann ein Kurzer, und der Nachmittag ist ein sympathischer Gesell und hält dir diese Kälte vom Leib. Aber es ist nicht nur die Stadt, die unter der Kälte knackt, es sind auch die Menschen, die mich zum frieren bringen. Warmherzig ist er, der Tscheche an sich, aber erlebt hat er, und das läßt ihn heute volltrunken durch die U-Bahn starren, gegerbt und nach nassen Mantel riechend. Und dann die Häuser. Es ist nicht alles goldenes Dach, was glänzt, und auch Prag liegt nicht durchgehend unter gülden Sonnenuntergangsbeleuchtung, die in der Tat alles zum leuchten und mich zum staunen bringt. Dann aber: Kaum ist der letzte Strahl in die Nacht gegangen, ist es dunkel, und dagegen braucht man Bier, Bier und Musik.
(Man verzeihe mir nebenher bitte diese Einseitigkeit der Ansicht, aber ich kenne Prag nur in Minusgraden, den Sommer verbrachte ich dort noch nie. )
Es wird keinen verwundern, wird man in solch einer morbiden Stimmung anfällig für warmes Licht, heisse Suppe und nüchterne Menschen, und so ging es eines Tages vor Jahren einfach so, dass wir verfroren und mit nassen Jacken vor diesem Haus wie Laden standen. Warmes Licht, sogar Kerzen hatte man dort angezündet. Es war im Dezember, draussen dunkel und im Minusbereich und zweistellig, und wir kneteten unsere Hände vor Kafkas Buchladen, der einfach so warm und einladend auftauchte.

(Die genaue Position der Eingangstüre von Kafkas Buchladen.)
Drinnen knackte der Holzboden und es herrschte Bücherstille, während draussen vor der Tür der Weihnachtstrubel in Strömen an einem vorbeizog. O2 hatte eine Eisbahn aufstellen lassen und es gab Würstchen, glühende Maronen und Bier.
Und wir? Wir standen in Kafkas Buchladen am Altstädter Ring und füllten uns die Hände. Ich nahm ein Exemplar des „Golem“ um es kurz darauf nach Bayern zu schicken, M. stockte unsere Kafka-Sammlung leise auf, und die obligatorische Postkarte, hier bekamen wir endlich eine die man auch zeigen konnte.
Das ist jetzt ein wenig her, ein paar Winter, aber es vergeht keiner, genau wie kein Prag-Besuch vergeht, an dem wir nicht in diesen Laden müssen, in diese Athmosphäre der Ruhe in dem Trubel des Rings.
Und dann genau letzten Winter, wir hatten zum Mittag Sauerkrautsuppe -die ich jedem Besucher Prags nur empfehlen kann- und Bier, genau letzten Winter stapften wir durch kniehohen Schnee Richtung Buchladen. Draussen war das Leben beschwerlich, der Schnee lag überall im Weg, man stapfte und mühte sich, und Mittags das Bier hielt auch nicht so lange vor wie sonst. Und dann der Laden wieder.
An der Kasse dieser Junge, mit der ansatzweisen Frisur eines Rabbiners, vielleicht sind ihm die Locken auch nur über die Stille und Ruhe hinweg rausgewachsen, wer weiß. Während wir in der bekannten Auslage Bücher umdrehten und Karten ansahen, ging er zu der Wand mit den CDs und legte eine Neue ein. Und genau in dem Moment, wo die ersten Klänge durch den Raum streiften, sahen wir uns an, über drei Tonnen bedrucktem Papier hinweg, nickten kurz, und M. ließ sich die CD geben, einpacken, zahlte, und wir gingen.
2005 also kein Buch, dafür diese Band, die ich jedem nur ans Herz legen kann, genau wie die Sauerkrautsuppe und den Liter Bier dazu.

(Bild pressen und auf die Seite der Band kommen.)
Hier gehts auf direktem Weg zu den Hörproben und genau hier gibts mein Lieblingsstück. Na zdravi!
In zwei Wochen werden wir wieder in den Laden gehen, und es wird das erste mal sein, dass wir nicht in der Kälte des dunklen Abends die Tür öffnen. Es wird komisch werden.
† Oriana Fallaci

© EPA/dpa
(...) "darauf gab die Fallaci dem New Yorker ein letztes Interview mit dem Titel „The Agitator“, in dem sie mexikanische Einwanderer verwünschte, Romano Prodi und Silvio Berlusconi als "two fucking idiots" bezeichnete und androhte, jede Moschee in der Toskana in die Luft zu sprengen."
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