Mittwoch, 23. April 2008

hamburg mit einem ohrwurm anreisen.



Donnerstag, 17. April 2008

reisenotizen. /amrum

Tag 8
Amrum-Wyk (Föhr)-Dagebüll-Düsseldorf

Sonne, ab Meer Schauer, 10°

Um 5:20 aufgewacht. Der Leuchtturm war noch an, und draußen der einsame Ruf meines Fasanenkerls. Direkt eine Depression bekommen und wach geblieben. Kennte jder Depressive, diese Schlafstörungen im Morgengrauen. Daher kommt vielleicht auch das Wort, Morgengrauen. Noch ein paar Stunden, dann heißt es, der Insel den Rücken zu zeigen. Die Unlust war greifbar, das Einzige, worauf ich mich in Düsseldorf freue sind die Fellchen und Freunde. Wir haben einfach Hummeln im Hintern, da kann eine Stadt einen nicht sonderlich gut halten, egal wie schön sie das Wetter poliert, bevor man zurück kommt.
Auf der Insel war eine herrliche Ruhe, die Menschen ausnahmslos sehr freundlich und ich kann nicht verstehen, wie manch einer wohl grellig das Gegenteil behauptet hat. Die Luft war lecker wie frisches Wasser, die Fasane immer gut gelaunt und zu einem Rennen bereit- und:
Wir hatten als Gastgeber zwei Schätze in Schuhen, aber dazu später.
Als Gegensatz: während ich hier sitze und das tippe, bellt sich seit zehn Minuten auf der Strasse ein Hund heiser (Supermarkt), verarschen (gezählt) 9 Jugendliche Jungs mit allen Hintergründen eine Oma mit Hackenporsche auf der Strasse und gegenüber läuft wieder ein Tross Junkies hinter einem Mann her, der die perfekte Einfahrt sucht. Da macht auch die Sonne nicht viel wett. Ich hab das alles einfach über.
Scheiss auf Urban, ich hab Lust auf Fasane und gute Luft, wo auch immer.

Genug gemeckert. Um halb zehn von Kapitän Jens zur Fähre gefahren worden, und ab da war schlechtes Wetter. Anschluss in Dagebüll 90 Minuten später, im "Hafen-Bistro" gibt es Wiener Würstchen und M.'s Gastro-Tipp: Lasst die Finger vom Kartoffelsalat. Im Zug ging das Chaos los. Tür defekt, Ansagebox kaputt, in Niebüll standen wir quasi Loklos über eine Stunde im Regen und bekamen Kaffee und Wasser von der DB, die in Friesland sehr humorig wie bemüht ist, es seinen Fahrgästen kuschelig zu machen. Dann wurde die eigentlich durchgehende Fahrt doch unterbrochen, in Hamburg, da in einen anderen Zug, der natürlich lecker voll war, und unsere Sitzplatzreservierungen galten dort natürlich nicht mehr. Nach insgesamt zwölf Stunden Reisedauer fielen wir in Düsseldorf um 21:30 aus dem Zug, halb verhungert und völlig krumm. Immerhin: ich habe ab Dagebüll ein ganzes Buch geschafft, das hatte ich auch lange nicht mehr. Wegen Umständen, die hier zu komplex wären, um sie noch eindeutig wiederzugeben, gingen wir den Weg mit kompletten Gepäck zu Fuss nach Hause. Schön mit Laptoptaschen und Zeugs abends durch die dunkle Bahnhofsgegend. Um zehn zu Hause, und dann die Fellchen! Die vollen Näpfe uninteressant, lieber um die schweißgebadeten Menschen herumspringen und einen Zirkus veranstalten.

Abrupter Strich-
Amrum war herrlich und die Fahrtzeit wert.
Wenn ihr einmal richtig entspannen wollt, dann lege ich euch die Insel UND unsere Gastgeber sehr warm ans Herz, ein paar hatten ja schon nachgefragt.

Kontakt:

Kapitänshaus Klar Kimming
Fam. Friesendorff

http://www.klar-kimming.de

Wenn ihr hinfahrt, dann bringt ihnen eine große Tüte frisches Obst mit und bestellt ganz liebe Grüße.

15april08

Ein herzliches Ahoi! auf die Insel!


reisenotizen. /amrum

Tag 7
Amrum
Sonne, 9°

5 Jahre. Norddorf und Nordstrand. Krabbenbrötchen. Sylt gucken. Café Schult. Resteessen im Garten. Massage & Sauna. Labskaus in der 'Seekiste', Abschiedsweine im Weinfriesen.
Schöner Tag!

seefahrt | © Lu um 09:15h | keine meldung | meldung machen?

Dienstag, 15. April 2008

reisenotizen. /amrum

Tag 6
Amrum
Sonne, 9°

Karmakonto: -66 +80 (bei Tibetreportage laut auf China geschimpft) = GPS 14

Wenn Engelchen reisen, würde Ur-Opa Malte täglich rufen. Wir haben das tolle Wetter gebucht, und konnten somit in herrlicher Sonne den Nordstrand der Insel rauf und runterlaufen. Muscheln gefunden. Und da man ja immer was weggeben soll, wenn man etwas findet, haben wir ebenfalls festgestellt, dass der Bernstein keiner ist, und werden das Kilo Steine wieder in den Strand legen. Gleich morgen.

Nachmittags an Arbeit versucht, und relativ sanglos gescheitert. Das Hirn ist auf Standby, da kommt nicht viel rum, wenn ich laut in alle Windungen und Kammern ein "So!" denke. Da schläft alles weiter, oder sonnt sich. Arbeit im Urlaub ist ja auch kontraproduktiv, von daher werde ich einfach nächste Woche ein wenig kollern und lamentieren, wie man das denn alles schaffen soll, es am Ende natürlich schaffen, und gut ist.

Morgen bleibt das Blog aus Beziehungsjubiläumsgründen geschlossen.
Sonne gibt es trotzdem, keine Sorge.


Montag, 14. April 2008

reisenotizen. /amrum

Tag 5
Amrum
Sonne, 9°

Karmakonto: -68 + 1 gerettetes Insekt = GPS -66

Heute dachte ich mir zwei Dinge.
Zum einen, dass man sich auf Amrum gar nicht mal so oft wie auf einer Insel fühlt. Das könnte daran liegen, dass man ziemlich viel Zeit damit verbringt, durch einen Wad zu fahren um irgendwo anzukommen. Zwischendrin geht plötzlich am Horizont Föhr auf (oder unter) und man denkt 'Huch, stimmt ja!' und hat seine interne Ordnung Ortung wieder zurückerlangt.
Ist man dann an einem Strand, ist in der Regel das Meer mal eben weg. Ebbe. Sollte man vorher wissen, bei Flut trifft man am besten aufeinander.
Heute begingen wir gefühlt den Camino Amrum, trafen auf kleine, grüne Gänseküken, auf ein Rudel Hähne und generell auf Federvieh im Stress. Die Inselbewohner mit Federn haben Brutzeit und leben mit Raubvögeln in einem Veddel, da ist eine Menge Arbeit angesagt, die kleine, moosgrüne Brut zu schützen. Auch Kamine und Dächer sind hier stark begehrt und werden lauthals geschützt. Auf dem Nachbarhaus wohnt zum Beispiel ein Austernfischerpaar, haben ihren eigenen Kamin, und wenn sich ein Taubenpaar zum verschnaufen auf die andere Ecke des Giebels setzt, geht das Gezeter los. Kann man ja verstehen, ist ein schicker, moderner Kamin, den gibt man nicht sang-und klanglos her an Luftpiraten.
Jedenfalls gingen wir den Camino, vorbei an 2500 Vögeln, vorbei an ein paar Rentieren, vorbei an unerkannten Hünengräbern und versandeten Grundmauern (v.Chr.), gefühlt durch eine kleine Wüste, bis hin zum Meer. Das war mal eben wieder weg. Endziel Quermarkenfeuer, dort ungemein schlimm knurrender Bauch.
Nächstes Ziel: Café Schult in Norddorf.
Da müsse man hin, sagte jeder, der schon einmal dort war.
Nehmt die Friesentorte. Nein, nehmt Lübecker Nuss. Etcetera.
Ich nahm zuerst einen Ofenkäse und ein Bier, M. eine Suppe.
Wer je einen Ofenkäse hatte, wird sich jetzt denken, die wird doch nicht.
Doch, sie tat. Ich bestellte danach noch die Friesentorte und verstarb auf der Stelle, und schaffte in etwa vier mal mit der Gabel reinstochern. Den Rest schob ich M. rüber, der nach dem Johannisbeergau mit Sahne tatsächlich noch Platz zu vermelden hatte.

Danach dieses Gefühl, nichts als Zucker und Fett in der Blutbahn zu haben. Trotzdem auf der Rückfahrt mit dem Rad optimistisch in die Zukunft gesehen und leere Häuser angeschaut. Es gibt ein Leben nach Café Schult, so viel ist sicher.
Im Kapitänshaus lustige Post im digitalen Kasten, die lieben Gastgeber bloggen ebenfalls und ich denke noch, dass die Leute auf dem Photo hoffentlich alle wegen dem leckeren Wein im Weinfriesen lächeln, und nicht, weil wir eine Etage darüber das Haus mit Fischaroma fluten und Pavarotti beseelt über die Insel singt.

Ein Ahoi zurück an dieser sonnigen Stelle!

Nachmittags Sauna, die zweite. Herrlich! Ich wollte gar nicht mehr raus, aus dem Brüter, auch wenn die Sanduhr schon längst versandet vor sich hinschwieg, und M. gegen das Fenster klopfte. Selten sieht man so erholt aus, wie nach einem Tag in den Dünen und zwei Stunden Saunieren. Neuer Bauplan für Haus: Sauna im Keller.

Als letzten Gedanken nehme ich den Fasanenkerl mit ins Gebet. Der war heute zu busy, rannte mich einmal fast über den Haufen, und ließ sich beim zweiten mal nicht ordentlich photographieren. So kann ich ihn nie zu Hause an die Wand hängen, wenn der nie still hält.


Sonntag, 13. April 2008

reisenotizen. /amrum

Tag 4
Amrum
Sonne + 1 Schauer, 7-9°

(edit: Karmakonto: +1 Kleist = Gesamtpunktestand -68)

Was schuf Gott noch gleich am 4. Tag? Ich habs vergessen, der Fasanenkerl im Garten hatte auch keine Idee, und so verlas ich den Tag halbwegs im Garten, Strandkorb hinten Mitte.
Aber erst, nachdem wir morgens beim Krabbenfischer mit Stand vor der Feuerwehr (Geheimtipp, man folge den Jüngern, die in kleinen Prozessionszügen durch die Strassen eilen) Beifangkauf übten ("Moin. Was war noch im Netz, außer Krabben?") und einen Kleist in Plastiktüte in die Hand bekamen.
Dann Strandkorb und die Frage des 4. Tages.
Aber erst, nachdem wir Strandraub ausübten und Bernstein suchten und fanden. Darf man hier. In Griechenland nicht. Keinen Stein darf man dort mitnehmen, aber hier ist es erlaubt. Vielleicht ist das der wahre Grund, das Sylt irgendwann einmal von Google Earth und allen Karten verschwunden ist, weil jeder Arzt und Jurist sich einen Sylter Kiesel in die Tasche steckt, um den dann in der Praxis oder Kanzlei quasi stellvertretend für eine ganze Insel mit Urlaub drauf auf einen Sims zu legen und gute Erinnerung versprühen zu lassen?
Ich schweife ab.
Der Fasanenkerl steht seit geschlagenen drei Minuten in fünf Metern Luftlinie vor mir, so auf ein Uhr, und starrt mich offenen Schnabels an. Wenn ich ein bißchen mit der Zunge schnalze und versuche, eben solche Getriebeschadengeräusche in feminin zu machen, schreit er los. Ich denke, den bekomm ich in der Woche noch rum, und dann verabschieden wir uns tränenreich, schreiben ein paar Jahre lang Postkarten und dann versandet der Kontakt. Wir werden sehen.

Abends gab es den Beifang, die letzten Stunden einer Fischleiche könnt ihr hier sehen.

Werde ab heute nachträglich unter der Wetterstatistik zu Beginn mein Karmakonto führen. Das geht hier so langsam vor die Hunde, wie man im Pott sagt.


Samstag, 12. April 2008

reisenotizen. /amrum

Zwischennotiz: Auf Deutschland kommen drei Tiefdruckgebiete zu. Lang- Kurz- Kurz. Wurden irgendwo hinter meinem Rücken frisch produziert. Wir sehen schon wieder Licht Land.

(hooray!)

seefahrt | © Lu um 15:54h | keine meldung | meldung machen?

reisenotizen. /amrum

Tag 3
Amrum
Regen, 5-9°

Wie kann man einen Tag besser beginnen, als einen Leuchtturm zu ersteigen? 172 Stufen, die letzten davon steil wie eine Hühnerleiter, und schon bekommt man als Belohnung eine Aussicht wie aus einem Bilderbuch über Leuchttürme. Und ich dazu sehr wackelige Knie, zähle ich doch zur Gattung der Höhenweicheier. M. ließ seine Spucke fliegen, ich klammerte mich bei starkem Wind an die Brüstung und fotografierte einhändig alle vier Seiten der Insel ab, sagte noch ein paar Mal so was wie "(w)aaah" und "Oh!" und verschwand in der Tür zum Abstieg. Rückwärts natürlich, die Hühnerleiter von oben ließ meine Knie nämlich noch einen Tick Puddingesker werden.

Als Belohnung auf dem Rückweg beim Fischhändler vorbei und einen kleinen Sack Amrumer Krabben gekauft, auch mal gern "Friesen-Viagra" genannt. Danach gelernt: Man sollte nie puhlen, wenn der Magen schon knurrt, sonst geht es einem wie uns. Mit fertig gedecktem Tisch, Salat, geröstetem Brot und einer Kanne Tee puhlten wir Minute um Stunde, am Ende verkniffen schweigend im Akkord, Knack-fummel-Hintern raus- Kopf ab, fertig. Aber dafür waren das am Ende die leckersten Krabben seit meiner Kindheit.

(Achtung: an nächster Stelle folgt eine viel zu lang gewordene Schilderung meines ersten Sauna-Besuchs. Das macht die friesische Luft, ich werde langsamer, irgendwie. Gewiefte Saunagänger sowie Menschen mit wenig Zeit können diesen kleinen Ausflug überspringen und direkt unten bei der Seezunge weitermachen. Kurz darauf endet der Text schon recht abrupt.)

Nachmittags stand mein erstes Mal Sauna an. 'Das geht mit meinem Kreislauf nicht gut.' war in der Regel meine Antwort, wenn es um das Thema Saunen ging, dabei hörte es sich bei anderen immer so unglaublich gesund an. Ich sah vor meinem inneren Auge Menschen, die dampfend und jubelnd in Eislöcher sprangen, rote Backen oben wie unten, Begeisterung, Gesundheit und Tradition. Es war mir egal, dass es in Düsseldorf nur Badehäuser und keine Eislöcher gab, das hier war schließlich meine Phantasie, und da wurde sich auch noch mit sperrigen Weideästen danach gegenseitig gehauen und abgeschrubbt.
Mein Blutdruck ist seit den letzten zehn Jahren in denen ich rauchfrei lebe aber absolut lebhaft und fit, und in dem Kapitänshaus, in dem wir hier wohnen, gibt es im Keller eine sehr schöne Saunalandschaft inklusive Betreibern mit Verständnis, dass man sein 'erstes Mal' ganz gern unter sich ausprobieren würde. Vorab Hausaufgaben gemacht und den kompletten Sauna-Guide von (Name?) durchgelesen, damit nichts schief geht und ich am Ende mit den Füssen zuerst aus dem Ofen komme. Also zwei Stunden vorher das letzte schwere gegessen, dann abgeduscht und trocken gerubbelt, ein warmes Fußbad genommen und das seltsame Gefühl verdrängt, dass man nackich durch fremde Kellergewölbe läuft.
Dann Tür zur Saune auf, ich rein, und: direkt wieder raus.
70° können sich sehr heiß anfühlen, gerade wenn man versucht, in dieser Hitze das erste Mal Luft zu holen. 'Pack ich nicht!' brachte ich grad noch raus, bevor ich wieder draußen stand. Aber ich wär ja nicht Ur-Opa Maltes Ur-Enkeltochter, wenn ich das alles vorab dann umsonst gemacht hätte.
Zweiter Anlauf, Mund zu, Augen auf und ab in die Mitte. Die Eieruhr auf 15 Minuten gestellt, Beine und Füsse hoch gelegt und nur so viel wie nötig durch die Nase geatmet. Die ersten fünf Minuten fand ich anstrengend. Das Gesicht brannte (der Kopf war auf Höhe oberste Stufe, aber das habe ich erst später registriert), die Luft brannte in der Nase, und die Aufmerksamkeit galt erst einmal dem Kreislauf und wie er das alles findet. Danach wurde es besser. Ich konnte einfacher Atmen, Körper machte die Schleusen auf und die Sanduhr rieselte die Zeit runter. Ab Minute 13 die Beine runter von der Liegefläche, Kreislauf vorbereiten, ausharren und das Schwitzen genießen. Herrlicher Moment beim rausgehen. Lunge mit kühler Luft fluten, die Hitze wegatmen und dann unter den Schlauch mit kaltem Wasser. Füsse, Hände, Hals, und dann den roten Rest. Dazu einen leicht belustigten Gesichtsausdruck für den Mann aufsetzen, der sich noch unter der Warmdusche tummelt. Gut, ich hab hier das Nord-Gen inne, bzw. nicht musste seine Kindheit an der Ostsee in Damp2000 verbringen und wurde bei 15° Wassertemperatur zum Plantschen ins Meer geschickt.

Ab dann Routine. Warmes Fußbad, kalt abduschen, Fußbad, und dann 2. Saunagang, diesmal 10 Minuten. Was ich nicht wusste: M. hatte (wohl aus Rache wegen der kalten Dusche) die Temperatur noch mal 10 Grad hochgedreht, und so lag ich beim zweiten Gang ganz oben (für den Effekt, man soll ja schnell hoch auf die letzte Liegestufe) und brutzelte bei 80° meiner inneren Garzeit entgegen.
Danach selbes Prozedere, Hüpfen zwischen kalter Dusche und warmen Fußbad. Dann 3. Saunagang, 5 Minuten oberste Stufe. Genuss und auch ein wenig Stolz, dass ich mir nach dem ersten Hitzeschwall den kräftigen Ruck gegeben hatte.
In der Ruhezeit ein großer, geklauter Schluck aus M.'s Weizenbierglas und das erstaunten Feststellen, dass alles zusammen gute 2,5 Stunden in Anspruch genommen hatte.
Und: Man fühlt sich tatsächlich toll. Man fühlt sich, als wenn man an einem regnerischen Tag in ein Eisloch gesprungen wäre. Man fühlt sich frisch, geschrubbt, entschlackt und warm.
Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, das alles mit einer Handvoll Fremden zu zelebrieren. Diese Enge in der Sauna, dieses Grunzen und sich auf die Bäuche hauen unter dem kalten Wasserstrahl, dieses Schwitzen und Abrubbeln -
aber das Zweisame war Luxus, der weitere Rest wird sich zeigen.

Den Abend dann in der 'Seekiste' beendet. Das kann man auch gar nicht anders nennen, weil zuerst ging der Geist (was war in dem Riesling?), und ihm folgte der Körper. Die Seezunge wurde über den Daumen geschätzt in einem Pfund Butter gebraten und in einem nächsten serviert. Pro Person, versteht sich. Die Bratkartoffeln dazu fielen schon gar nicht mehr auf.
Ich weiß noch, dass unsere Räder trotz Dynamo kein Licht machten, und wir wie zwei lebensmüde Bleienten auf Rädern den Hügel zum Kapitänshaus hochfuhren.
Trotzdem überlebt.
Morgen soll den ganzen Tag eine Sonne scheinen. Da gehen wir hin.


Freitag, 11. April 2008

reisenotizen. /amrum

Tag 2
Amrum
Sonne 10°

Eigentlich habe ich gar nicht geschlafen, als um vier Uhr in aller Frühe sämtliche Wecker ...nein, Moment, das war ja gestern.
Heute wäre das hier passender:

Eigentlich habe ich gar nicht geschlafen, als um zwei Uhr,um vier Uhr und um sechs in aller Früh' dieses Fasanen-Hähnchen losbrüllte. Ich weiß nicht, ob jetzt auf der Insel Brunftzeit ist, aber ich ahne, dass es sich eher um einen Fasan mit Schlafstörungen wie den meinen handelt. Lieblich klingt das nicht, eher wie ein Getriebeschaden bei einem Geländewagen, aber da kann der ja nichts für. Sollte sich kein weibliches Gegenstück zu ihm finden, werde ich ihn heiraten und auf seinem Hügel hinter dem Haus mit ihm den Rest der Tage verbringen. Immerhin haben wir die gleichen Schlaf-und Wachphasen, das verbindet.

Später mit einem Ding namens "Rad" bis aufs Blut gekämpft. Inselerkundung, Inselumrundung, und an der Spitze der Insel dieses wirklich herrliche Vogelparadies. Eigentlich ist die ganze Insel ein einziges Nest mit Sand und Menschen drunter, und kurz vor der morgendlichen Abfahrt tat sich seltsames an unserer Badezimmerakustik:



Noch so eine Sache, die ich mir für die dunklen Tage im Leben merken werde ist, die Nähe einer Lachmöwe aufzusuchen. Ich stand irgendwann und sehr plötzlich an einer Düne unter einem Schwarm Möwen, Lachmöwen, Dohlen und Co, und bekam einen sehr albernen Anfall, der bis zu einem Lachkrampf ausuferte (dieses Sprachspiel musste jetzt sein, wenn man sich schon an Ufern aufhält). Kaum hatte ich mich beruhigt, gackerte von oben wieder so ein weißer Brummer los, und ich konnte dann auch nicht anders. Beispiel:



(Den hab ich leider nicht in die Mitte bekommen, das macht die Friesenluft.)

Um die Stimmungswaage zu halten, bin ich am Nachmittag direkt auf den Friedhof in Nebel. Dort gibt es die berühmten 'sprechenden Grabsteine', wie ich eben brav nachgelesen habe. Als ich dort war, wusste ich nichts, nur, dass dort (natürlich) auch Kapitäne und Seefahrer liegen, und da geh ich ja generell gerne einmal auf Besuch. Die Wikipedia hat ein paar Bilder zum Friedhof im Archiv, und ich habe selbst geknipst. Dieser hat es mir als erstes angetan, und vor diesem stand ich ein paar Minuten und las und grübelte über den Namen, bis mir einfiel, dass ich vor dem Erbauer unseres Feriendomizils, dem Haus "Kapitänshaus Klar Kimming" stand. Ich sagte artig 'Moin', las mir erneut den ganzen Stein durch, streichelte die sandige Katze sauber, welche sich vor mir am Grabstein rieb und ging weiter, um mir den Rest des Friedhofes durchzulesen. Kirchenbegeheung folgt.

Den Rest des Tages verbrachte ich lesend im Strandkorb im Garten und arbeitete an gesunder Gesichtsfarbe. In kleinen Zeitintervallen fragte mich M. immer, ob ich etwas dagegen hätte, wenn er in unserer Küche einmal ein ganzes Schwein zerlegen würde. Oder ob ich noch Kontakt zu meinem Sandkastenfreund Pidda hätte, der jetzt eine gut gehende Metzgerei führt. Oder ob ich meine Orangen gern karamellisiert hätte.
Mein Rat unter Frauen/Partnern:
Immer mal einen Blick auf die Urlaubslektüre des Partners werfen, am besten vor Abreise, dann versteht man auch die aktuelle Welt, in der sich der andere aufhält. Meiner liest gerade das hier, und ich schätze, er wird mich noch 2008 verlassen, um eine Küchenschinder-Ausbildung in Italien zu machen.
Aber erst einmal Amrum, dann sehen wir weiter. Und solange er mir nicht meinen Verlobten, den Fasan, auf karamellisirten Orangen auf den Tisch stellt-

Morgen Leuchtturm, Sauna und Porren mit Zitrone.


Donnerstag, 10. April 2008

reisenotizen. /amrum

Tag 1
Düsseldorf-Dagebüll-Föhr-Amrum
Sonne (ausser in Hamburg, aber nun gut), 10°

Eigentlich habe ich gar nicht geschlafen, als um vier Uhr in aller Frühe sämtliche Wecker und Mobiltelefone losgingen. Der Mensch verschläft ja gern einmal etwas, aber niemals seine Fahrt in den Urlaub, da machen auch wir keinen Unterschied.

Im Zug nach fünf. Es ist leer, es stinkt nach billigem Deo, es ist dunkel. M. hingegen wie ein Mensch gewordener Duracell-Hase. Entweder, er redet mich in Grund und Boden, oder er schläft mitten im Satz weg. Ich derweil still und müde, aber durchgehend wach und das Gepäck im Auge. Irgendwo hinter dem Pott wird es langsam hell, der mittlerweile etwas gefülltere Zug packt kollektiv die Stullentüten aus. Auch da machen wir keinen Unterschied. Ich twittere, während sich um mich herum der Geruch von Fleischwurst -und Schinkenstulle mit dem des billigen Deos umarmt.

Kein Kaffee bis Bremen, und ich überlege, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen meiner Doku-Affinität und dem Fenstergucken in Zügen. Kann ich ja stundenlang, in Zügen aus dem Fenster gucken. Hinterhöfe, Wäscheleinen, Küchen und Puffs von hinten.

Dann das Klo. Die Hölle in türkis, und auch wenn ich Duftbäumchen für den Anti-Christen halte, an diesem Ort hätten sie endlich einmal eine Daseinsberechtigung. Ich weiß nicht, wie Männer und Cowboys das regeln, aber als Frau- deprimierende Lage.
Man stemmt beide Arme wie Teleskope gegen Tür und Fensterwand um Halt zu finden, findet sich mit gerade ausreichend zu Boden gelassener Hose über diesem Stahlloch taumelnd und hat dabei ein Papiertaschentuch zwischen die Zähne geklemmt. Dabei die Nase deaktiviert, Mund fest geschlossen, es ist ein Elend. Nicht zuletzt das man keine Warnung bekommt, wenn der Zug rasant eine Kurve nimmt. Man kommt ja nicht weg, das Zugklo ist kaum größer als ein iBook, aber an dieser Stelle beende ich dieses Thema.
Man sollte immer elastisch sein, immer.

Bei der Durchfahrt durch Hamburg essen alle frische Brezeln. In Hamburg regnet es. Es regnet auf allen Etappen des Tages nur in Hamburg. Das fand ich fast schon schön.
Hinter Itzehoe muss Noah wohnen, ich sehe durch das wieder trockene Zugfenster von allem genau zwei. Zwei Enten, zwei Pferde, zwei Pfauen und zwei Busse. Dann frage ich mich, was zwischen Heide und Husum so los ist. Da stehen auffällig viele Trampoline in den Gärten, alle mit Fangnetz. Zu viele emotional aufgeladene Kinder? Trendsport im Norden? Kann mich da vielleicht jemand aufklären?

Dann, nach sieben elend langen Stunden Zugfahrt, dehydriertes wechseln von Zug auf Fähre. Ich checke als erstes das Fährenklo, befinde es für völlig phantastisch (was nach einem Zugklo keine Sache ist, an sich) und gebe mich endlich beseelt sämtlichen Flüssigsachen hin. Suppe, Tee, Bier, Milchkaffe, zwei Stunden lang mit Sonne im Gesicht auf Deck. An Sonnenbrand dachte da noch niemand.
Mitten auf dem Meer fragt M. mich, ob ich jemals einen
Hahnenkamm gegessen hätte. Frittiert oder so? Hab natürlich mit Nein geantwortet und ihn direkt aus der Sonne genommen. Schneeblind kennt man ja, aber Seeverrückt?

Irgendwann kamen wir an. Ich habe innerhalb zwei Stunden Dagebüll, Föhr, Sylt und Amrum gesehen, von den Halligen einmal ganz abgesehen, eine Großfamilie Krabben gegessen (Tschuldigung) und mir einen kleinen Sonnenbrand zugelegt. Nach New York braucht man kürzer, sieht dafür aber keine Kegelrobben.
Abends die Weinstube im Haus geentert. Komischerweise waren alle dort Sitzenden irgendwie von, mit oder um den Pott rum wech, nur der klassische Neusser fehlte. Nachts dann in getrennten Betten, Zusammenschieben war nicht mehr. Der Leuchtturm von gegenüber erhellte die Nacht, ich glühte derweil mit roter Nase im Schlafzimmer vor mich hin.
Amrum also. Ich bin gespannt!