Dienstag, 11. November 2008

menschen von freitag bis jetzt.

Die beiden älteren Herren, die an dem Bio-Supermarkt vorbeigehen.

"Guck mal, Dieter. Hier ist doch ein Supermarkt."
"Dat is Bio."
"Ach so. Nee, ich will wat anständiges. Also weiter."
"Jo."

#

Die Frau im Pelz (Aussentemperatur 14°) in der Riesling-Ecke bei Möwenpick.

"Das Trottoir ist mir wichtig. Ich MUSS in einem Wein das Trottoir schmecken. Geben sie mir also einen, wo selbst ein Laie - also nicht ICH, aber ich bekomme Gäste- wo also selbst ein Laie das Trottoir schmecken kann."

#

Beim Tierarzt. Ins volle Wartezimmer kommt eine Frau um die Mitte 30, praktische Kleidung, Kurzhaarschnitt, Labrador an der Leine. Der legt sich direkt ergeben auf ihre Gummistiefel und seufzt. Draußen Geräusche wie aus einer Kindertröte. Kommt die nächste Frau rein, die Tröte ist ihr Hund und passt exakt in ihre Handtasche. Frau ebenfalls Mitte 30, falsche Nägel, Dauerwelle, und bei der Parfümwolke muss der Hund ohne Geruchsnerven sein.
Hund fiept weiter, Frau mit Labrador und verächtlichem Augenaufschlag laut ins volle Wartezimmer:

"Boah, Heulsuse, wa?"


Sonntag, 9. November 2008

wunschlos.

"Ich brauche keinen ZEN-Garten.
Ich lebe das Prinzip durch die Katzenklos."


Donnerstag, 6. November 2008

stiller sturm.

Auch wenn es so aussieht, als würde alles still stehen.
Hinter den Kulissen tobt es ordentlich.
Ich am Ruder, versuche Land zu sehen.

Der Plan, im nächsten Frühjahr juchzend im eigenen Lavendelbeet zu stehen, nimmt viel Zeit ein.

Zu Hause in der Zwischenzeit ausfallende Milchzähne und ruhige Zeiten an warmen Plätzen.

2november2008

#

Obama ist Löwe.

#

"Computerlogbuch der Enterprise, Sternzeit 5371,3.
Nachtrag Captain Kirk. Mit Warp 8 werden wir auf die Wolke stoßen, ehe sie den bewohnten Planeten Mantilles erreicht. Aber wie wir eine Wolke aufhalten können, die aus Materie und Energie besteht, und einige tausend mal so groß ist wie unser Raumschiff, wissen wir nicht. "


#

"Heute ist hier der Bär los!" sagte mein Gynäkologe gestern durch meine Beine hindurch. Er brauchte lange Sekunden, bis er verstand, dann lachte er laut mit.

#

'Keine Lieder über Liebe'.

#

(...)


Dienstag, 4. November 2008

mvv.

Ende November bis kurz in den Dezember hinein nach München. Also eigentlich nach Ambach. Oberambach. Schlossgut Oberambach.
Besser wäre es, mit dem Zug nach Wolfratshausen, und dann-
Taxi? Bus? Per Pedes? Oder über München, da zum Essen verabreden und dann mal sehen? Oder den Nachmittag auf die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Endziel verschwenden?
Nein.

Liebe Lokalisten. Ich bräuchte Ortskundigkeit.


liebes amerika.

"Wahlberechtigt sind am Dienstag insgesamt 213 Millionen US-Bürger."

Macht bloß keinen Mist!


Montag, 3. November 2008

yo - oy. sarah silverman erklärt die sache mit florida und obamas namen.


The Great Schlep from The Great Schlep on Vimeo.

(via whistleblog)


Sonntag, 2. November 2008

biß.

bekommen, haben, verlieren.

#

Ich fuhr Meilen den Fluss runter, bis ich dort stand, wo ich als Kind oft tobte. In den Fluss lief. Mir eine langwierige Sache zuzog, weil der Rhein eben nicht immer so sauber war wie jetzt.

Meine Mutter sagte zu der Kinderärztin, ich sei eine Wasserratte, und diesem Element nur mit Gewalt zu entziehen.

Nach jedem Medikament bekam ich andere rote Flecken.

"Motorboot-Club" steht dort wie an einer Ranch.
Ich sehe meinen Vater, wie er das Boot zu Wasser läßt.
Ich sehe mich, wie ich am Bug sitze und ihn zum beeilen rufe.

"Sie kenne ich." sagt der Mann in grünem Blaumann.
"Sie haben hier als Kind oft gespielt, mit meiner Michaela." sagt er.
Ich: "Wie können sie denn sowas wissen?"
"Na, Sie sind doch die Tochter vom Schosch, das sehe ich gleich."
"Und woran?"
"Sie haben die gleichen Augen wie ihr Vater, immer schon.
Wie geht es ihm eigentlich? Hat er sein Boot noch?"
"Wie es ihm geht, das wüsste ich selbst gern, aber ein Boot braucht er dort wo er ist wohl nicht."
Kurze Stille, begreifen, ein warmes Lächeln.

Als ich weiter fahre, sehe ich in wirklicher Entfernung den Fernsehturm. Zu Hause ist dort, wo es weit weg ist. denke ich, und sehe mich mit Butterkeksen am Flussufer sitzen, während Paps sich eine Flasche Altbier öffnet.

#

Gisbert Zu Knyphausen. Hansen Band.
Herrlich, im Knopfohr im Herbst auf dem besten Rad auf einer sehr langen Fahrt.

#

Schlammfarbenzeit, pünktlich.

#

Irma und Hugo zahnen.
Irma fehlen bis auf oben rechts alle relevanten Fang- und Reißzähne, Hugo zieht solidarisch mit einem frisch fehlenden oben links nach. Mundgeruch galore. Auf Dingen herumkauen ist gerade liebste Beschäftigung, ich leide mutterbrüstig mit und denke über gekühlte Rinderknochen nach.

#

"Saure-Gurken-Zeit." sage ich zum Fachmann.
"Zucker gefällig?" er.

#

Ich brauche Seeluft und Möwengeschrei.
Ein Herings-Brodje dazu, vielleicht.

#

Eben Spongebob getroffen, jetzt Soulfood kochen.
Das Einzige was ich möchte ist liegen. Nur heute einmal.
(# frische bettwäsche #depression # vino rosso)

#

Jonathan?

Maam?

Schön, das es Dich hier gibt.


Mittwoch, 29. Oktober 2008

den regen, bitte.

Tage wie diese. In den Nachrichten eben neben dem Erdbeben in Pakistan der Hinweis, das der November jetzt vor der Tür stehe. Der Monat der Trauer sagen sie, zeigen einen Friedhof und schalten weiter zum neuen Bond.
November ist mir in dieser Form wie Dezember, es gilt in meiner Welt nur, möglichst unbeschadet Weihnachten und dieses vermaledeite Silvester abzuhaken und ab dann Tulpen und Frühjahrsgähner.
Trauer wird über die Zeit geringer. Ich habe bestimmte Bilder wieder in den Schuhkarton geräumt, und durch die lebenden ersetzt. Die Gedanken ziehen oftmals mit lautem Getöse durch. Dann lasse ich sie, und die Tränen bleiben jetzt meist aus. Mit November hat das nichts zu tun, bei mir wird ja meist gestorben, wenn es draußen so richtig schön ist. Mache ich bestimmt keine Ausnahme.
Hier liegt Lu. Geboren am heißesten Tag Anno soundso, gestorben mitten in der Sonne mit einem Becher Häagen Dazs in der Hand. Kann ja sein.

Bei strömenden Regen jedenfalls nicht, das ist mein Wetter. Also eines davon. Entweder packt mich der Fleiß am Schlafittchen und ich arbeite durch wie irgend etwas batteriebetriebenes, oder ich kann in ein paar dicke Socken gehüllt runterkommen und mich mit einem Keks beschäftigen. Oder draußen schwimmen. Laufen gehen. In einem Restaurant sitzen und sagen "Gut das man jetzt drinnen ist!" und zum Glas greifen.

Was wollte ich noch gleich?
Ach ja. Regen.
Wo ist eigentlich Jonathan, wenn ich ihn mal brauche.

Dann diese Suche nach dem richtigen Ort. Nestwärme.
Ich habe glasklare Vorstellungen. Zum Beispiel muss da ein Garten oder Grundstück vor den Fenstern sein. Ich brauche ab jetzt meinen eigenen Gemüsegarten. Wo andere Frauen eine biologische Uhr laut ticken hören, habe ich scheinbar einen Gen-Defekt und springe auf alte Tomatensorten an. Und Kartoffeln. Eigener Ingwer. Und mein Wein muss auch dringend in sei eigenes Stück Land. Dieses Jahr war er im Topf dermaßen beleidigt, dass er nicht eine einzelne Blüte produziert hat. Nicht eine. Klare Ansage vom Trullo, der hat auch so eine Uhr wie ich. Solidarisch mit den zwei Rebstöckchen hat sich die aus Frankreich (2006) mitgebrachte Mimose in eine Art Bräunungsstreik begeben. Sieht elendig aus, aber die 'Leg ja nicht Hand an- ich lebe nämlich noch hier drinnen!' Knospen lassen mich weiter gießen und um Geduld bitten. So ein Nest liegt nicht an jeder Ecke herum. Platz zum leben, arbeiten und Dinge machen brauch es, darf aber kein monatliches Vermögen verschlingen. Ich meine, es geht hier um alte Gemüsesorten und Ruhe. Jeder in meinem Umfeld, der einen Garten hat kennt meine erste Tat, kaum bin ich angekommen. Ich schreite von Wohnraum in den Garten, bekomme ein verzücktes Lächeln und sage -meist im Brustton- "Aaaaah! Ist das nicht HERRLICH?! Man geht einen Schritt und ist draußen." So kann nur eine sprechen, die in der Innenstadt wohnt und gegen Altbauten in fremde Leben schaut. Vom schreiten ins Draußen fange ich erst gar nicht an.

Nest. Vor mir liegt ein leeres Blatt, auf das eine absolut treffsichere Suchanzeige getextet werden möchte. Schiele in meine Moleskine-Seite, die mit einem Nikolaus-Haus gekennzeichnet ist. Da steht:

Haus muss haben:

-> Garten / Grundstück
-> ruhige Gegend u. Nachbarn. (Evtl. Friedhof? Grundwasserfrage vorab checken)
-> 4 - 6 Räume, je nachdem. (Zur Not Bauwagen in Garten)
-> erlaubte Tierhaltung!
-> Kamin und Holzboden wären oberschnafte.

Google nebenbei nach Boxvereinen im Düsseldorf, die Frauentraining anbieten, ohne Zweikampf.

Währenddessen kommt die zweite Weinladung seit gestern. Die Lieferserviceangestellten müssen ja auch was denken. Stehe da in Pyjama-Hose und rufe "OH! Der Wein!" Und die schleppen und schleppen. Würde ich heute beim Fenster putzen aus Versehen über meinen Nachwischlappen stolpern und zwei Etagen weiter unten das Zeitliche segnen, dann würde ja -wie im Fernsehen- die Kripo kommen. M. würden sie in einem verspiegelten Raum drei Tage ohne Brot und Kaffee verhören, und am Ende glauben, dass er mich nicht geschubst hat. Und in der Zwischenzeit würde Dr. House ein Beamter durch mein Arbeitszimmer gehen und nach Indizien suchen, warum ich den Freitod gewählt hätte.
Armer Kerl.
Ich meine, ich blogge seit über sechs Jahren, und dann muss er erst einmal das alles durchforsten, nebenher alle Ordner, Geschäftsunterlagen, Auszüge, eMails. Und dann hockt er zwischen all den Flaschen Wein und hat zwei Möglichkeiten.
Entweder, er findet den Flaschenöffner, den Dekantierer und ein Glas und macht es sich nett, oder er denkt sich irgendetwas aus, füttert die Katzen und macht meinen Aktendeckel mit einer Vermutung zu.

Himmel, wie kam ich denn jetzt auf das Fenster putzen?
Ach ja. Regen.
Sieht zu gut dafür aus. Zu hell.
Ein Jammer.