... newer stories
Montag, 20. Juni 2011
Zwei Dinge direkt zu Anfang. Letzte Woche verstarb mein langjähriger Begleiter 'Lockenstab', und ich kenne jetzt Bern, zu dem ich immer Bernd sagen möchte. Das erste ist ein leidvolles Thema, das zweite mehr so wie die innere Autokorrektur, also störend statt praktisch. Oder habt ihr schon einmal via Smartphone Rechnungs-Docs verschickt, und das Mobile machte in wirklich letzter Sekunde "Mit bester Genesung" aus dem ewig gültigen "Mit besten Grüßen"?
Bei Lockenstab weiß ich gar nicht mehr so genau, wie er in mein Leben trat. Es ist eine Tchibo -Marke, und ich erinnere mich an keinen Moment in meinem Leben, wo ich das Tchibo Paradies betrat und etwas erwarb. Nie. Nix außer Kaffee, African Blue, der war toll, stark und ohne Bling, einfach guter Kaffee für einen Milchkaffee wie ich ihn morgens bevorzuge. So.
Soll heißen, irgendwann, unbewusst, trat Lockenstab in mein Leben und verhalf mir ab und an bei Bedarf zu Locken. Kann nicht viel oder oft gewesen sein, Photos und Erinnerung sprechen da eine deutliche Sprache. Dennoch: Brauchte ich ihn, stand er parat. Letztes Jahr dann wurden die Haare wieder länger, Lockenstab löste das Glätteisen ab, und ich hatte sehr tiefe Gründe für Wallawalla-Haare und mehrtägige Mähne. Lockenstab machte mit, was die Wattzahl her gab, und vor ein paar Wochen fiel es mir dann auf, ganz leise im Hintergrund. Er machte andere Geräusche als sonst, etwas mühseliger, ächzender. Da kamen mir erste Bedenken, das Lockenstab nicht unsterblich ist, grad bei seinen günstigen Tchibo-Genen.
Nicht, dass die Natur mir keine Locken mit auf den Weg gab, nein nein! Aber statt einer symetrischen und attraktiven Reihe toller Locken habe ich mehr so eine ungezähmte Strubbelstruktur, nach der Formel: Zwei Locken, eine fallen lassen. Mut zur Lücke, und bei Regen fluffig wie ein Schaf. Da lässt sich keine Medaille mit gewinnen, da muss man eingreifen, die Kontrolle behalten, dann gehen Natur und Technik Hand in Hand.
Dann kam die letzte Woche, und der Tod von Lockenstab.
Grad, wenn es richtig dringend und eilig ist, dann versterben technische Geräte besonders auffällig. Bei mir war es vor einem Event mit vorheriger Essverabredung, im letzten Viertel machte es bröööööööööh, und dann die totale Stille, und ich stand staunend mit einer 3/4tel Frisur schwer curly, und einem viertel sehr glatter und fader Haare vor dem Spiegel im Badezimmer.
Schweigendes Starren, sehr lange Minuten, auf den stillen Lockenstab. Keine Regung. Ich drückte den Knopf, pustete ins Gitter am Hintern des Stabes, ich kühlte und quasselte auf ihn ein: Keine noch so geringe Chance. Tod. Direkt vor meiner Nase.
Am nächsten Tag, mit seltsamer Frisur, zu einem technischen Großanbietermeiner Wahl in der Nähe. Minutenlanges Starren auf die aktuelle Auswahl, die so gar nicht mehr aussahen wie ein Lockenstab, Gott hab ihn selig. High-Tech-Monster, in lila, in Chrome, mit 6fach-Stufe und Kaltluftfächer. Mehrere Aufsätze, Voluminizer und die Möglichkeit auf Glanzhaar.
Na gut. Gekauft, zu Hause, losgelegt.
Nach 40 Minuten, was die fast 3fache Zeit meiner normalen Frisierzeit darstellte, hatte ich eine Art latscherte Wellen auf dem Kopf. Ich konnte zwirbeln, eindrehen, ausrollen, auskühlen, nichts schaffte es, mir mein gewohntes Ergebnis zu liefern.
Also entschloss ich mich, damit für diesen Abend zu leben, morgen ist ein neuer Tag, und dann weiter sehen.
Am nächsten Morgen, ein Morgen, wo eine wohl sitzende Frisur mir das Leben nicht nur erleichtert, sondern sogar verschönt hätte!, stand ich auf und sah mich mit einwandfrei glatter wie glanzloser Frisur vor dem Spiegel stehen.
Depressionen machten sich breit.
Keine Zeit, ein toter perfekter Lockenstab vor der Nase, und ein unbekannter Neuling im Regal. Augen zu und durch, immerhin stehen am Wochenende wichtige Gespräche und Treffen in der Schweiz an, da sollte die Frisur schon sitzen. Knappe 50 Minuten Schwerstarbeit, aufdrehen, heiß föhnen, abwarten.
Nach 70 Minuten Sauerkrautfrisur.
Depressionen machten sich breit.
In der Schweiz sehen mich alle nur mit regennasser Frisur, und ein sehr reicher Meetingpartner fliegt mit dem Privatjet ein, und ich sitze ihm drei Stunden mit einer geflochtenen Hippie-Frisur gegenüber, und erwähne den Verlust des zu früh verstorbenen Lockenstabes mit keinem Wort. Augen auf und durch.
Jedenfalls ist der Ersatzstab wieder zurück in seinem Technikmarkt, ich weiterhin auf der Suche nach einem verlässlichen Partner, und bis dahin: Beten und Haargel.
Für Bern ist es jetzt zu spät, das tippe ich euch morgen weg.
Zur Nacht etwas Bella Notte.
Bei Lockenstab weiß ich gar nicht mehr so genau, wie er in mein Leben trat. Es ist eine Tchibo -Marke, und ich erinnere mich an keinen Moment in meinem Leben, wo ich das Tchibo Paradies betrat und etwas erwarb. Nie. Nix außer Kaffee, African Blue, der war toll, stark und ohne Bling, einfach guter Kaffee für einen Milchkaffee wie ich ihn morgens bevorzuge. So.
Soll heißen, irgendwann, unbewusst, trat Lockenstab in mein Leben und verhalf mir ab und an bei Bedarf zu Locken. Kann nicht viel oder oft gewesen sein, Photos und Erinnerung sprechen da eine deutliche Sprache. Dennoch: Brauchte ich ihn, stand er parat. Letztes Jahr dann wurden die Haare wieder länger, Lockenstab löste das Glätteisen ab, und ich hatte sehr tiefe Gründe für Wallawalla-Haare und mehrtägige Mähne. Lockenstab machte mit, was die Wattzahl her gab, und vor ein paar Wochen fiel es mir dann auf, ganz leise im Hintergrund. Er machte andere Geräusche als sonst, etwas mühseliger, ächzender. Da kamen mir erste Bedenken, das Lockenstab nicht unsterblich ist, grad bei seinen günstigen Tchibo-Genen.
Nicht, dass die Natur mir keine Locken mit auf den Weg gab, nein nein! Aber statt einer symetrischen und attraktiven Reihe toller Locken habe ich mehr so eine ungezähmte Strubbelstruktur, nach der Formel: Zwei Locken, eine fallen lassen. Mut zur Lücke, und bei Regen fluffig wie ein Schaf. Da lässt sich keine Medaille mit gewinnen, da muss man eingreifen, die Kontrolle behalten, dann gehen Natur und Technik Hand in Hand.
Dann kam die letzte Woche, und der Tod von Lockenstab.
Grad, wenn es richtig dringend und eilig ist, dann versterben technische Geräte besonders auffällig. Bei mir war es vor einem Event mit vorheriger Essverabredung, im letzten Viertel machte es bröööööööööh, und dann die totale Stille, und ich stand staunend mit einer 3/4tel Frisur schwer curly, und einem viertel sehr glatter und fader Haare vor dem Spiegel im Badezimmer.
Schweigendes Starren, sehr lange Minuten, auf den stillen Lockenstab. Keine Regung. Ich drückte den Knopf, pustete ins Gitter am Hintern des Stabes, ich kühlte und quasselte auf ihn ein: Keine noch so geringe Chance. Tod. Direkt vor meiner Nase.
Am nächsten Tag, mit seltsamer Frisur, zu einem technischen Großanbieter
Na gut. Gekauft, zu Hause, losgelegt.
Nach 40 Minuten, was die fast 3fache Zeit meiner normalen Frisierzeit darstellte, hatte ich eine Art latscherte Wellen auf dem Kopf. Ich konnte zwirbeln, eindrehen, ausrollen, auskühlen, nichts schaffte es, mir mein gewohntes Ergebnis zu liefern.
Also entschloss ich mich, damit für diesen Abend zu leben, morgen ist ein neuer Tag, und dann weiter sehen.
Am nächsten Morgen, ein Morgen, wo eine wohl sitzende Frisur mir das Leben nicht nur erleichtert, sondern sogar verschönt hätte!, stand ich auf und sah mich mit einwandfrei glatter wie glanzloser Frisur vor dem Spiegel stehen.
Depressionen machten sich breit.
Keine Zeit, ein toter perfekter Lockenstab vor der Nase, und ein unbekannter Neuling im Regal. Augen zu und durch, immerhin stehen am Wochenende wichtige Gespräche und Treffen in der Schweiz an, da sollte die Frisur schon sitzen. Knappe 50 Minuten Schwerstarbeit, aufdrehen, heiß föhnen, abwarten.
Nach 70 Minuten Sauerkrautfrisur.
Depressionen machten sich breit.
In der Schweiz sehen mich alle nur mit regennasser Frisur, und ein sehr reicher Meetingpartner fliegt mit dem Privatjet ein, und ich sitze ihm drei Stunden mit einer geflochtenen Hippie-Frisur gegenüber, und erwähne den Verlust des zu früh verstorbenen Lockenstabes mit keinem Wort. Augen auf und durch.
Jedenfalls ist der Ersatzstab wieder zurück in seinem Technikmarkt, ich weiterhin auf der Suche nach einem verlässlichen Partner, und bis dahin: Beten und Haargel.
Für Bern ist es jetzt zu spät, das tippe ich euch morgen weg.
Zur Nacht etwas Bella Notte.
Donnerstag, 16. Juni 2011
Packen für Bern.
Sehr spontan, sehr interessant, perfektes timing.
Details in Bälde.
Sehr spontan, sehr interessant, perfektes timing.
Details in Bälde.
Dienstag, 14. Juni 2011
Ein halbes Jahr mit einem Schnops.

Leo ist heute auf den Tag genau ein halbes Jahr bei uns.
Sogar der Dienstag ist richtig. Kann es nicht mehr weg denken,
das Tölchen. Darauf einen Ochsenziemer.
Freitag, 10. Juni 2011
Beim Blogschrubben habe ich offensichtlich etwas zu scharf gefegt, denn jetzt sehe ich keine Referrer mehr (neues Problem), was sehr schade ist, da Suchanfragen oft eine ganz eigene kranke Poesie inne haben. Und laut einiger Mails können nicht alle bei mir kommentieren (altes Problem), was ich ebenfalls sehr schade finde, da ich den Austausch ja mag. Ansonsten fühlt es sich immer ein wenig an, wie in eine leere Tüte brabbeln.
Dazu sitze ich seit zwei Tagen am Rechner und erlebe wenig, da ich quasi durchgehend auf eine bahnbrechende Mail warte. Zähne putzen, arbeiten, Hund lüften, schlafen und Dinge tun: Klar. Dennoch ist Warten für mich eine Art geistiger Lähmung mit körperlichen Verspannungserscheinungen. Gehe zur Genesung alle halbe Stunde runter zu meinem neuen Froschteich, in dem noch kein Frosch wohnt, und arbeite nach ein paar Minuten ins leere Wasser starren einfach weiter.
Die endlosen Tiefen eines Freitags.
Müsst ihr mal sehen!
Dazu sitze ich seit zwei Tagen am Rechner und erlebe wenig, da ich quasi durchgehend auf eine bahnbrechende Mail warte. Zähne putzen, arbeiten, Hund lüften, schlafen und Dinge tun: Klar. Dennoch ist Warten für mich eine Art geistiger Lähmung mit körperlichen Verspannungserscheinungen. Gehe zur Genesung alle halbe Stunde runter zu meinem neuen Froschteich, in dem noch kein Frosch wohnt, und arbeite nach ein paar Minuten ins leere Wasser starren einfach weiter.
Die endlosen Tiefen eines Freitags.
Müsst ihr mal sehen!
Donnerstag, 9. Juni 2011
Und kaum schreibt man den Satz mit den sieben Sachen zu Ende, klingelt das Telefon. Jahrelanges retten von Regenwürmer, zig gnadenlos betrunkene Fruchtfliegen mit ruhigem Finger aus dem Wein gerettet und in einem Tropfen Quellwasser ernüchtert, gebürstete Katzen, gelüftete Hunde, zufriedene Kunden, pünktlich abgelieferte Steuer und der sonntägliche Anruf bei Mutti.
Alles kommt zurück, irgendwann.
Ansonsten schlimm müde, immer noch, und überreif was Urlaub angeht. Der Gedanke, tagelang rein nichts zu tun zu haben als sich um das nächste Essen Gedanken zu machen, in ein Meer zu springen, Bücher am Stück zu lesen, ein Stück mehr Welt sehen-
Kanada lockt. Kalifornien auch. Holland, Österreich, Italien. Spanien. Die Schweiz? Geliebte Nordsee. Ach.
Alles kommt zurück, irgendwann.
Ansonsten schlimm müde, immer noch, und überreif was Urlaub angeht. Der Gedanke, tagelang rein nichts zu tun zu haben als sich um das nächste Essen Gedanken zu machen, in ein Meer zu springen, Bücher am Stück zu lesen, ein Stück mehr Welt sehen-
Kanada lockt. Kalifornien auch. Holland, Österreich, Italien. Spanien. Die Schweiz? Geliebte Nordsee. Ach.
Mittwoch, 8. Juni 2011
Dienstag, 7. Juni 2011
Unter EHEC-Verdacht.
Vorgeschichte: Seit Montag Morgen sehr unfit gefühlt, laut Stand letzter Woche am Wochenende keine spanischen Gurken gegessen und kein Gemüse aus Norddeutschland. Soweit.
Also Mau am Montag Morgen, dann tagsüber bei Hitze mit den KITA-Kids mein Food-Camp durchgezogen (nichts frisches knackiges, sondern Fischburger selbst gemacht), danach erstaunt den sehr knapp krank gewordenen M. zum frühen Nachmittag schlotternd ins Bett verfrachtet, selbst relativ fit Dinge gemacht, abends noch mit Nachbarin und den Hunden um einen See, in einen See, was man an Sommerabenden halt so macht.
Unwissend, dass ich bis in den frühen Dienstagmorgen abwechselnd Wadenwickel und Paracetamolausgabe beim Mann machen werde, verabschiede ich die nette Nachbarin mit einem "Ich hab heute Abend frei, das erste Mal seit gefühlt ewig."
Der Rest ist Geschichte.
Dienstags dann sehr unfit, was auch an dem Mü Schlaf liegen kann, was ich des Nächtens bekommen habe. Auf dem Weg zur Ärztin komme ich in die sehr unangenehme Situation einer Schießerei, und renne, was Fieber und Paracetamol hergeben, um da nicht weiter in das Leben eines Irren integriert zu werden. Die junge Frau, die vor meinen Augen vom Irren in seine Gewalt gebracht wird, hat leider weniger Glück. Kopfschuss, Krankenhaus.
Der Rest des Dienstags liegt unter einer antibiotischen Wolke, in der M. und ich sehr viel und sehr ausgiebig schlafen. Sein Fieber geht weg, meins kommt zur Nacht, und ich träume von fluffigen Enten und heißen Gebirgsflüssen.
Mittwoch. Gegen zehn Uhr telefoniere ich nach der dritten Gabe Breitspektrumantibiotika mit meiner Ärztin, und sage, dass es nicht wirklich doll geht. Dem Mann besser, ich immer noch fiebrig, kaltschweißig mit Diarrhoe. Eine Stunde zuvor ging der Miniwolf mehr mit mir Gassi, als ich mit ihm. Taumeln in grüner Kulisse. Die Ärztin EHEC-nervös so:
Wenn bis 18 Uhr die Temperatur nicht unter 37° ist, dann fährst Du bitte ins nächste Krankenhaus und lässt Dich testen, sicher ist sicher.
Es folgten Stunden mit 37,5°, guter Dinge und Reispuffer aus der Alnatura-Packung. Um 18 Uhr 38,6° und ein Hmpf.
Notaufnahme Krankenhaus, nächst gelegenes.
Ich, bei sommerlicher Temperatur fröstelnd: "Ich soll mich hier melden -auch wenn ich nicht will- wegen EHEC-Verdacht."
Aufnahmeprocedere, Wartezimmer, ein wenig twittern zum Zeitvertreib. Dann holt mich Schwester Bettina ab und bugsiert mich in einen Raum, den ich laut ihr nur unter Kugelhagel wieder verlassen dürfte. Sie schiebt mir einen Klostuhl vor die Nase, ich lache erheitert und sage "Nur über meine Leiche!"
Sie: "Aber sie haben doch Durchfälle."
Ich: "Ab genau jetzt nicht mehr."
Blutabnahme, Tropf, Stille. Ich schlafe nach 1o ml Ringer-Lactat den Schlaf einer fiebrigen die ungestört rumliegt. Ab und an kommen weitere vermummte und reißen die Schiebetür auf.
"Haben Sie Salat gegessen?"
"Ja. Natürlich. Am Wochenende waren es nur die Gurken. Die haben wir nicht gegessen."
"Sonst noch was?"
"Ja, ein kräftiger Schlug Rohmilch aus dem Bioladen."
Tür wieder zu, Stille.
Die Ärztin betritt die Szene, so blutjung, dass ich erst dachte, die nächste verhüllte Schwester kommt und wechselt die Flüssigkeiten am Infusionsständer aus. Ich sage, dass ich wirklich kein EHEC habe, nur Fieber, Magenkrämpfe und eben die Diarrhoe. Dilemma, in diesen Zeiten.
Sie sagt, das fände sie toll, dass ich so abgeklärt wäre, und ob ich mir vorstellen könne, die Nacht zu Hause zu verbringen, sie würde mich ungern in die Innere und so. Spontaner Jubel von der Pritsche, natürlich will ich nach Hause, ich hatte nichts anderes gedacht. Ärztin wieder raus, Paracetamol-Infusion rein.
Eine Stunde vergeht, dann eine weitere. Ich habe plötzlich Netz und besorgte Messages trudeln ein, verpasste Anrufe, und ich liege da so müde im Neonlicht. Immer wenn die Schiebetür aufgerissen wird, hoffe ich auf die Ärztin, die mit meinen Blutwerten zurückkommen wollte. Wenn die Entzündungswerte gut seien, dann hätte sie meine Entlassungspapiere direkt zur Hand. Es sind aber immer nur vermummte Schwestern, die kontaminierte und zugezurrte Müllsäcke in meinen Raum wuchten. "Klar, alles nur zu mir, ist ja eh egal oder was?!" rufe ich hinterher, aber da ist die Tür meist schon wieder so dicht, dass kein Bakterium hindurch fleuchen könnte.
Irgendwann, es ist längst dunkel, steht M. plötzlich im Raum.
Und dann eine launische Schwester mit niederländischem Akzent. M. wollte mich endlich befreien, besorgt nach Stunden meiner Abwesenheit, die Schwester hatte keinen Schimmer, drückte mir den Umschlag mit meinen Entlassungspapieren in die Hand, und ein paar Schritte weiter enterte ich blass und heißwangig die gute Gerresheimer Nachtluft.
Danke EHEC, dich als Verdacht hätts echt nicht gebraucht!
Also Mau am Montag Morgen, dann tagsüber bei Hitze mit den KITA-Kids mein Food-Camp durchgezogen (nichts frisches knackiges, sondern Fischburger selbst gemacht), danach erstaunt den sehr knapp krank gewordenen M. zum frühen Nachmittag schlotternd ins Bett verfrachtet, selbst relativ fit Dinge gemacht, abends noch mit Nachbarin und den Hunden um einen See, in einen See, was man an Sommerabenden halt so macht.
Unwissend, dass ich bis in den frühen Dienstagmorgen abwechselnd Wadenwickel und Paracetamolausgabe beim Mann machen werde, verabschiede ich die nette Nachbarin mit einem "Ich hab heute Abend frei, das erste Mal seit gefühlt ewig."
Der Rest ist Geschichte.
Dienstags dann sehr unfit, was auch an dem Mü Schlaf liegen kann, was ich des Nächtens bekommen habe. Auf dem Weg zur Ärztin komme ich in die sehr unangenehme Situation einer Schießerei, und renne, was Fieber und Paracetamol hergeben, um da nicht weiter in das Leben eines Irren integriert zu werden. Die junge Frau, die vor meinen Augen vom Irren in seine Gewalt gebracht wird, hat leider weniger Glück. Kopfschuss, Krankenhaus.
Der Rest des Dienstags liegt unter einer antibiotischen Wolke, in der M. und ich sehr viel und sehr ausgiebig schlafen. Sein Fieber geht weg, meins kommt zur Nacht, und ich träume von fluffigen Enten und heißen Gebirgsflüssen.
Mittwoch. Gegen zehn Uhr telefoniere ich nach der dritten Gabe Breitspektrumantibiotika mit meiner Ärztin, und sage, dass es nicht wirklich doll geht. Dem Mann besser, ich immer noch fiebrig, kaltschweißig mit Diarrhoe. Eine Stunde zuvor ging der Miniwolf mehr mit mir Gassi, als ich mit ihm. Taumeln in grüner Kulisse. Die Ärztin EHEC-nervös so:
Wenn bis 18 Uhr die Temperatur nicht unter 37° ist, dann fährst Du bitte ins nächste Krankenhaus und lässt Dich testen, sicher ist sicher.
Es folgten Stunden mit 37,5°, guter Dinge und Reispuffer aus der Alnatura-Packung. Um 18 Uhr 38,6° und ein Hmpf.
Notaufnahme Krankenhaus, nächst gelegenes.
Ich, bei sommerlicher Temperatur fröstelnd: "Ich soll mich hier melden -auch wenn ich nicht will- wegen EHEC-Verdacht."
Aufnahmeprocedere, Wartezimmer, ein wenig twittern zum Zeitvertreib. Dann holt mich Schwester Bettina ab und bugsiert mich in einen Raum, den ich laut ihr nur unter Kugelhagel wieder verlassen dürfte. Sie schiebt mir einen Klostuhl vor die Nase, ich lache erheitert und sage "Nur über meine Leiche!"
Sie: "Aber sie haben doch Durchfälle."
Ich: "Ab genau jetzt nicht mehr."
Blutabnahme, Tropf, Stille. Ich schlafe nach 1o ml Ringer-Lactat den Schlaf einer fiebrigen die ungestört rumliegt. Ab und an kommen weitere vermummte und reißen die Schiebetür auf.
"Haben Sie Salat gegessen?"
"Ja. Natürlich. Am Wochenende waren es nur die Gurken. Die haben wir nicht gegessen."
"Sonst noch was?"
"Ja, ein kräftiger Schlug Rohmilch aus dem Bioladen."
Tür wieder zu, Stille.
Die Ärztin betritt die Szene, so blutjung, dass ich erst dachte, die nächste verhüllte Schwester kommt und wechselt die Flüssigkeiten am Infusionsständer aus. Ich sage, dass ich wirklich kein EHEC habe, nur Fieber, Magenkrämpfe und eben die Diarrhoe. Dilemma, in diesen Zeiten.
Sie sagt, das fände sie toll, dass ich so abgeklärt wäre, und ob ich mir vorstellen könne, die Nacht zu Hause zu verbringen, sie würde mich ungern in die Innere und so. Spontaner Jubel von der Pritsche, natürlich will ich nach Hause, ich hatte nichts anderes gedacht. Ärztin wieder raus, Paracetamol-Infusion rein.
Eine Stunde vergeht, dann eine weitere. Ich habe plötzlich Netz und besorgte Messages trudeln ein, verpasste Anrufe, und ich liege da so müde im Neonlicht. Immer wenn die Schiebetür aufgerissen wird, hoffe ich auf die Ärztin, die mit meinen Blutwerten zurückkommen wollte. Wenn die Entzündungswerte gut seien, dann hätte sie meine Entlassungspapiere direkt zur Hand. Es sind aber immer nur vermummte Schwestern, die kontaminierte und zugezurrte Müllsäcke in meinen Raum wuchten. "Klar, alles nur zu mir, ist ja eh egal oder was?!" rufe ich hinterher, aber da ist die Tür meist schon wieder so dicht, dass kein Bakterium hindurch fleuchen könnte.
Irgendwann, es ist längst dunkel, steht M. plötzlich im Raum.
Und dann eine launische Schwester mit niederländischem Akzent. M. wollte mich endlich befreien, besorgt nach Stunden meiner Abwesenheit, die Schwester hatte keinen Schimmer, drückte mir den Umschlag mit meinen Entlassungspapieren in die Hand, und ein paar Schritte weiter enterte ich blass und heißwangig die gute Gerresheimer Nachtluft.
Danke EHEC, dich als Verdacht hätts echt nicht gebraucht!
... older stories
