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Dienstag, 26. August 2008
taube in der hand, und spatz im dach?
Super. Da läute ich gestern die weinfreie Woche ein, und greife prompt unbewusst und sehr zielstrebig direkt zur Ersatzdroge: Käse in einem Fettbereich, der mit einem Tropfen Öl locker die 100%-Hürde schafft. Klebt von allein auf jeder glatten Fläche der Handfläche, macht aber leider nicht so angenehm bettschwer wie ein 6-cm-Korken-Rotwein.
Werde bis Ende der Woche sicher eine Form der Leberzirrhose hinbekommen, wie ich es mit Wein nie geschafft hätte.
Muss gesamtes Projekt noch einmal überdenken und,
aber hey- da ist ja noch ein Stück...
Werde bis Ende der Woche sicher eine Form der Leberzirrhose hinbekommen, wie ich es mit Wein nie geschafft hätte.
Muss gesamtes Projekt noch einmal überdenken und,
aber hey- da ist ja noch ein Stück...
refs.
1 Search request: ich bin mir nicht sicher ob mein meerschweinchen tränen in den augen hat
Das hat mich jetzt aber eiskalt von der Seite erwischt und ein wenig traurig werden lassen. Heute Weichschalenmodus deluxe.
Das hat mich jetzt aber eiskalt von der Seite erwischt und ein wenig traurig werden lassen. Heute Weichschalenmodus deluxe.
back in the saddle again.
Gestern beim Yoga. (nach zehn Wochen Pause endlich wieder Tempelluft atmen!) Als wir gerade einen wirklich formvollendeten Körperknoten hinbekamen, jeder leise schnaufend für sich, und ich gerade noch so die Lichterkette im dunklen Raum B glimmen sah, und das Spinning-Gewummer aus dem Nachbarraum leiser wurde, da sagte die Trainerin:
"So, und jetzt schöööön entspannen UND atmen!"
Alle Knoten platzten laut lachend, Menschen stolperten umeinander, die Trainerin guckte leicht angebittert.
"I'm back in the saddle again
Out where a friend is a friend
Where the longhorn cattle feed
On the lowly gypsum weed
Back in the saddle again"
"So, und jetzt schöööön entspannen UND atmen!"
Alle Knoten platzten laut lachend, Menschen stolperten umeinander, die Trainerin guckte leicht angebittert.
"I'm back in the saddle again
Out where a friend is a friend
Where the longhorn cattle feed
On the lowly gypsum weed
Back in the saddle again"
Montag, 25. August 2008
drei dinge, zwei grün.
Mein Ur-Opa Malte hat immer gesagt, wenn man etwas nicht weg bekommt, dann muss man es aussprechen und dann wär man es los. Ganz einfach. Also laufe ich jetzt laut rufend durch das Internet und sage 'schlecht schlafen, schlecht schlafen!' und hoffe, damit ist so eine Nacht wie die letzte Geschichte. (Ich sag nur: halbverweste und langsam wieder lebendig werdende Katze, Flugzeuge oben offen mit der ICE Polizistin von letzter Woche am Steuerknüppel und wirklich wirklich mieser Wetterlage, etc pp.) Das war das Erste.
Das zweite, und das liegt auch schon ein paar Tage an meinen Knöcheln beißend auf dem Schreibtisch: Eine Schokolade.
Nicht irgendeine Schokolade, sondern eine 2.0 gepushte, quasi. Und das war so:
Neulich bekam ich von meiner Lieblingsgröner eine Nachricht, sie würde mir gern eine Schokolade zukommen lassen, und zwar wär das dieses Chocri-Rennen, wo die weiblichen Blogger gegen die männlichen Antreten, und das ist ja eigentlich schon von der ersten Sekunde für die Herren verloren. Weiß ja jeder, dass Frauen a) kommunikativer und b) Multitasker vor dem Herren sind, somit haben wir Frauen das also mit Links neben unseren Multijobs und Haushalt gewuppt, uns alle noch mit Schokolade beschenkt, toll!
Dann kam meine Schokolade, und das war eher weniger toll,
(Liebe Chocri-Macher: Hier kommt jetzt keine böse, sondern eine konstruktive Kritik inklusive Werbung, das alles für umme, wie wir hier so gern sagen, also entspannen und eventuell mit arbeiten.)
weil: Meine Zartbitter mit Erdbeeren und Basilikum sah so aus

Zweifach das Genick gebrochen, die Obststücke ganz ohne Mutterliebe auf die Trägermasse gedeut, dazwischen Kraut, was mich erst einmal optisch hat Zucken lassen.
So.
Ich dachte, und finde das logischer, das alles Eins ist, sprich: die Zutaten sind IN der Schokolade versenkt. Ansonsten könnte ich mir ja eine Zartbitter kaufen, und mit der freien Hand zu Hause je nach Lust ins Gewürzregal oder in die Nusskiste greifen und dann kräftig kauen.
Deswegen mein Vorschlag:
Entweder alles miteinander vermischen, gut verpacken und toll ists.
Oder: Alles mit wirklicher Liebe zum Detail oben auf die Schokolade legen, beide Augen essen bekanntlich mit, gut verpacken und toll ists.
Ansonsten finde ich die Idee und die Basis klasse, gegen Bio, Fairtrade und Handarbeit ist nie nichts einzuwenden und schmackig war die Tafel allemal.
Ich werde das in Bälde erneut versuchen, ganz sicher.
Ihr wollt das auch? Hier geht es zu den Schokomännern.
Das Dritte, da wir grad schon mitten im Grünen sind:
Es gibt jetzt eine grüne Suchmaschine, mit der man laut Beipackzettel Regenwald sichert. Nicht so wie beim Bier-trinken-und-Umwelt-sichern, sondern so richtig mit Grund und Boden und bezahlten Menschen oben drauf.
http://de.forestle.org
Ich hab da eben mal aus Spaß LU eingetippt, und zack kam zu den Ergebnissen die Nachricht
"Sie haben gerade 0.1 m² Regenwald für die Ewigkeit bewahrt. Das entspricht ungefähr Ihrer Bildschirmfläche. Danke! "
Da macht Recherche doch wieder richtig Freude!
Also weitersagen oder Gründe dagegen in den Kommentaren hinterlassen.
Ich schalte um zur Datensicherung.
Das zweite, und das liegt auch schon ein paar Tage an meinen Knöcheln beißend auf dem Schreibtisch: Eine Schokolade.
Nicht irgendeine Schokolade, sondern eine 2.0 gepushte, quasi. Und das war so:
Neulich bekam ich von meiner Lieblingsgröner eine Nachricht, sie würde mir gern eine Schokolade zukommen lassen, und zwar wär das dieses Chocri-Rennen, wo die weiblichen Blogger gegen die männlichen Antreten, und das ist ja eigentlich schon von der ersten Sekunde für die Herren verloren. Weiß ja jeder, dass Frauen a) kommunikativer und b) Multitasker vor dem Herren sind, somit haben wir Frauen das also mit Links neben unseren Multijobs und Haushalt gewuppt, uns alle noch mit Schokolade beschenkt, toll!
Dann kam meine Schokolade, und das war eher weniger toll,
(Liebe Chocri-Macher: Hier kommt jetzt keine böse, sondern eine konstruktive Kritik inklusive Werbung, das alles für umme, wie wir hier so gern sagen, also entspannen und eventuell mit arbeiten.)
weil: Meine Zartbitter mit Erdbeeren und Basilikum sah so aus

Zweifach das Genick gebrochen, die Obststücke ganz ohne Mutterliebe auf die Trägermasse gedeut, dazwischen Kraut, was mich erst einmal optisch hat Zucken lassen.
So.
Ich dachte, und finde das logischer, das alles Eins ist, sprich: die Zutaten sind IN der Schokolade versenkt. Ansonsten könnte ich mir ja eine Zartbitter kaufen, und mit der freien Hand zu Hause je nach Lust ins Gewürzregal oder in die Nusskiste greifen und dann kräftig kauen.
Deswegen mein Vorschlag:
Entweder alles miteinander vermischen, gut verpacken und toll ists.
Oder: Alles mit wirklicher Liebe zum Detail oben auf die Schokolade legen, beide Augen essen bekanntlich mit, gut verpacken und toll ists.
Ansonsten finde ich die Idee und die Basis klasse, gegen Bio, Fairtrade und Handarbeit ist nie nichts einzuwenden und schmackig war die Tafel allemal.
Ich werde das in Bälde erneut versuchen, ganz sicher.
Ihr wollt das auch? Hier geht es zu den Schokomännern.
Das Dritte, da wir grad schon mitten im Grünen sind:
Es gibt jetzt eine grüne Suchmaschine, mit der man laut Beipackzettel Regenwald sichert. Nicht so wie beim Bier-trinken-und-Umwelt-sichern, sondern so richtig mit Grund und Boden und bezahlten Menschen oben drauf.
http://de.forestle.org
Ich hab da eben mal aus Spaß LU eingetippt, und zack kam zu den Ergebnissen die Nachricht
"Sie haben gerade 0.1 m² Regenwald für die Ewigkeit bewahrt. Das entspricht ungefähr Ihrer Bildschirmfläche. Danke! "
Da macht Recherche doch wieder richtig Freude!
Also weitersagen oder Gründe dagegen in den Kommentaren hinterlassen.
Ich schalte um zur Datensicherung.
Samstag, 23. August 2008
standbild.

(mit lieben Dank an meinen stillen Leser, der mir das Bild in Frankreich
wegfotografierte und zuschickte.)
Donnerstag, 21. August 2008
reisenotizen/ münchen, oder 'im namen der traube'
Plötzlich ist man mitten im Hochsommer, und ich habe alle richtigen Schuhe dabei. Die Götter halten doch eine schützende Hand über Frauen, zumindest wenn sie in München sind.
Sitze also am Morgen hinter meiner Sonnenbrille verstaut in einer TRAM (25), nachdem ich vorab mit einer italienischen Großfamilie im Nacken ein Ticket erstand, und dann auf englisch der Familie die richtige Fahrkarte von der Tafel suchte, erklärte und zog. Alle zufrieden, nur wo ist jetzt die Bahnhaltestelle?
"Wo komme ich denn bitte zur Bahnhaltestelle?" fragte ich also die erste junge Frau, welche ich aus dem morgendlichen Menschenstrom der U-Bahn-Schluchten greifen konnte.
Sie "Hä?"
Ich "TRAM! Wo?"
So gings dann. Als Ausländerin in Bayern muss man schon die gängigen Vokabeln und Buzzwords drauf haben. Ein Brötchen ist hier schließlich auch kein Brötchen, da könnte ja jeder kommen.
Grünwald. War ich auch noch nie, genau wie im Rest von Bayern (außer Hopfen, das kenne ich jetzt). Das Hotel war schnell gefunden, Schlüssel, Dusche, 10 Minuten kalt gegen die Hitze und die Müdigkeit geduscht. Danach –Dusche ebenerdig mit abfallender Seitenkante- war fast das gesamte Bad Duschtasse und ich wieder fit.

Mittagessen, Gruppenkuscheln, Seminarbeginn.
Thema: Weinfehler schmecken. Da gab es aber lange und verzogene Gesichter.
Schwor ich noch einen mittäglichen wie überschwänglichen Eid, dass ich heute jedes Glas bis auf den letzten Tropfen leeren würde, gegen das aktuell eher böse Leben und überhaupt, im Wein liegt schließlich Wahrheit UND Frieden, Spucken sei was für Lebensfrohe, da schob ich zwei Stunden später leise aber überzeugt Weingläser –nur angenippt- zur Tischkante und guckte böckselig.

Muss man auch kennen, was ein Brettanomyces ist, oder ein waschechter Lichtgeschmack. Wenn ihr mal richtig Aufmerksamkeit möchtet, sagt doch just bei Tisch, der Wein würde ganz hinten dezent mäuseln. Wenn dann keiner mehr was sagt, dann ist der Moment, wo man was von zu geringer Schwefelung in den Bart nuscheln kann, und die hohe Population von Bakterien und Hefen mit tragischem Timbre in der Stimme bedauert, um dann mit einer guten, gezielten Rückhand den Wein ins Gebüsch zu befördern. Prost.
Apropos Hefe und schlechte Laune!
Lieblingsnotiz in Kurzform auf einem losen Blatt:
"Hefe begeht im Wein Selbstmord (toll!).
Sie verstoffwechselt so lange Zucker, bis sie im Alkohol stirbt."
Abends zum Essen dann den guten Wein, aber da war ich leider schon in einem Stadium, wo die Hefe denken würde: 'Na gut, das Gramm Zucker mache ich noch fertig, und dann ab vor die Hunde.'
Das hat auch ein gefühlter Komplettmarsch um ganz München (in echt um ganz Grünwald) im Rudel nicht retten können, und so ging ich eine Stunde vor Mitternacht im Stechschritt ins Bio-Bettchen, lief nicht über START, zog kein Kilo Zucker ein, sondern sank wie Adam mich einst aus der Rippe schnibbelte in einen unruhigen aber nicht ganz unfrohen Schlaf.
Am nächsten Morgen machte ich Bekanntschaft mit einer mir unbekannten Art. Ich dachte ja immer, die Köche des Hotels seien besonders frohe Menschen, die auch alle anderen froh machen möchten, weshalb sie zum Beispiel mit leckerster Schokolade nette Botschaften auf Teller, Spiegel und Essen schreiben.

(pures Beispiel)
Und ich ahnte nichts Böses, als ich mir noch sehr verschlafen und in einem Zustand rein körperlicher Anwesenheit aber geistiger Nacht ein Ei mit einem netten Gesicht neben meine Melone, Quark und Semmel packte. Das Ei als letztes, dachte ich, und dann der Moment, der zeitlich direkt nach diesem Foto angesiedelt war.

WIESO IST DIESES EI ROH? Lauter war ich an diesem Morgen noch nicht, wacher auch nicht. Auf meinem Teller rohes Desaster, um mich herum lachende Gesichter. Fast wie die vom Ei, vom einstigen.
'Na, weil Du das erst hättest kochen müssen.' , kam die prompte Antwort.
Kochen? Mein Ei? In einem Hotel?
Ich machs kurz: der Sinn des netten Gesichtes auf dem Ei ist nur ein Einziger, und der hat nichts mit guter Laune zu tun, sondern ist nur dafür, das der Frühstückende Mensch und eierkochende Gast sein persönlcihes Ei aus den anderen im Wasser kochenden wiederfindet. Jedem Gast sein auf den Punkt gekochtes Ei.
Ich stelle verstohlen meinen Teller Eiglibber auf einen Bistrotisch nahe des Servicepersonals und nehme von der Melone nach.
Der Mensch, und das unterscheidet ihn eventuell von der Hefe, der Mensch lernt nie aus.
Weiter geht es mit Weinverschlüssen, Kalkulationen, Lebenskurven und ein paar rauchenden Gemütern.
Sehr viel weiter ging es am Ende auch zum Bahnhof, der vom Weg her sehr unterkalkuliert und somit per Tram, per U-Bahn und sehr rennend geschafft werden musste.
Vom einsteigen in den ICE bis zu dessen Abfahrt zogen satte 30 Sekunden ins Land.
Ab Nürnberg Wolken und ab Frankfurt Regen, da stieg auch die nette Polizistin aus, die ein paar Geschichten aus dem Nähkasten zum Besten gab. Zwölf Stunden Bahnhofschicht mit Gleisleichen, die häufiger auftreten, als wir in den Nachrichten sehen. "Wenn eine kommt, ist die nächste nicht weit" sagt sie, und dass man teilweise lange die Strecke ablaufen müsse, um auch noch den letzten Teil zu finden. Bevor es ein anderer tut, der mit Waldi nur mal eben Gassi wollte, zum Beispiel.
Ich muss an die Hefe denken, und aus wie vielen Teile diese besteht, und schlafe hinter Frankfurt im Klangteppich vierer Laptops und deren darauf eintippende Benutzer in einen dünnen, verregneten Schlaf.
Das Hirn sortiert während der Schlafphasen das Erlebte, weiß die Wissenschaft, und so liegt, als ich in Düsseldorf aussteige, in meinem Hirnorder mit der Aufschrift "Sommelier-Kurs" ein ganzer Stapel neuer Blätter (to do!), ein kleiner Haufen Vorsätze in "allgemeines" und im Fach "neu kennen gelernte Berufzweige- persönlich" liegen ein Patentanwalt (Gattung: schlimm und laut) und eine Polizistin (nett und kompakt).
Im Restaurant bestelle ich sehr aufgeräumt eine Lasagne und ein Glas Rotwein und raune leise ein "Adieu" zu den Hefen, die einst ihr Leben für meine Gaumenfreude gaben, und deren Seelen jetzt direkt neben der Weisheit in meinem Glas Wein liegen.
* Bei Interesse an mehr:
Sämtliche Bilder zum Umfeld gibt es hier.
Die guten Bio- Weine gibt es genau hier.
Und residiert wurde dieses Mal im Hotel Alter Wirt.
Sitze also am Morgen hinter meiner Sonnenbrille verstaut in einer TRAM (25), nachdem ich vorab mit einer italienischen Großfamilie im Nacken ein Ticket erstand, und dann auf englisch der Familie die richtige Fahrkarte von der Tafel suchte, erklärte und zog. Alle zufrieden, nur wo ist jetzt die Bahnhaltestelle?
"Wo komme ich denn bitte zur Bahnhaltestelle?" fragte ich also die erste junge Frau, welche ich aus dem morgendlichen Menschenstrom der U-Bahn-Schluchten greifen konnte.
Sie "Hä?"
Ich "TRAM! Wo?"
So gings dann. Als Ausländerin in Bayern muss man schon die gängigen Vokabeln und Buzzwords drauf haben. Ein Brötchen ist hier schließlich auch kein Brötchen, da könnte ja jeder kommen.
Grünwald. War ich auch noch nie, genau wie im Rest von Bayern (außer Hopfen, das kenne ich jetzt). Das Hotel war schnell gefunden, Schlüssel, Dusche, 10 Minuten kalt gegen die Hitze und die Müdigkeit geduscht. Danach –Dusche ebenerdig mit abfallender Seitenkante- war fast das gesamte Bad Duschtasse und ich wieder fit.

Mittagessen, Gruppenkuscheln, Seminarbeginn.
Thema: Weinfehler schmecken. Da gab es aber lange und verzogene Gesichter.
Schwor ich noch einen mittäglichen wie überschwänglichen Eid, dass ich heute jedes Glas bis auf den letzten Tropfen leeren würde, gegen das aktuell eher böse Leben und überhaupt, im Wein liegt schließlich Wahrheit UND Frieden, Spucken sei was für Lebensfrohe, da schob ich zwei Stunden später leise aber überzeugt Weingläser –nur angenippt- zur Tischkante und guckte böckselig.

Muss man auch kennen, was ein Brettanomyces ist, oder ein waschechter Lichtgeschmack. Wenn ihr mal richtig Aufmerksamkeit möchtet, sagt doch just bei Tisch, der Wein würde ganz hinten dezent mäuseln. Wenn dann keiner mehr was sagt, dann ist der Moment, wo man was von zu geringer Schwefelung in den Bart nuscheln kann, und die hohe Population von Bakterien und Hefen mit tragischem Timbre in der Stimme bedauert, um dann mit einer guten, gezielten Rückhand den Wein ins Gebüsch zu befördern. Prost.
Apropos Hefe und schlechte Laune!
Lieblingsnotiz in Kurzform auf einem losen Blatt:
"Hefe begeht im Wein Selbstmord (toll!).
Sie verstoffwechselt so lange Zucker, bis sie im Alkohol stirbt."
Abends zum Essen dann den guten Wein, aber da war ich leider schon in einem Stadium, wo die Hefe denken würde: 'Na gut, das Gramm Zucker mache ich noch fertig, und dann ab vor die Hunde.'
Das hat auch ein gefühlter Komplettmarsch um ganz München (in echt um ganz Grünwald) im Rudel nicht retten können, und so ging ich eine Stunde vor Mitternacht im Stechschritt ins Bio-Bettchen, lief nicht über START, zog kein Kilo Zucker ein, sondern sank wie Adam mich einst aus der Rippe schnibbelte in einen unruhigen aber nicht ganz unfrohen Schlaf.
Am nächsten Morgen machte ich Bekanntschaft mit einer mir unbekannten Art. Ich dachte ja immer, die Köche des Hotels seien besonders frohe Menschen, die auch alle anderen froh machen möchten, weshalb sie zum Beispiel mit leckerster Schokolade nette Botschaften auf Teller, Spiegel und Essen schreiben.

(pures Beispiel)
Und ich ahnte nichts Böses, als ich mir noch sehr verschlafen und in einem Zustand rein körperlicher Anwesenheit aber geistiger Nacht ein Ei mit einem netten Gesicht neben meine Melone, Quark und Semmel packte. Das Ei als letztes, dachte ich, und dann der Moment, der zeitlich direkt nach diesem Foto angesiedelt war.

WIESO IST DIESES EI ROH? Lauter war ich an diesem Morgen noch nicht, wacher auch nicht. Auf meinem Teller rohes Desaster, um mich herum lachende Gesichter. Fast wie die vom Ei, vom einstigen.
'Na, weil Du das erst hättest kochen müssen.' , kam die prompte Antwort.
Kochen? Mein Ei? In einem Hotel?
Ich machs kurz: der Sinn des netten Gesichtes auf dem Ei ist nur ein Einziger, und der hat nichts mit guter Laune zu tun, sondern ist nur dafür, das der Frühstückende Mensch und eierkochende Gast sein persönlcihes Ei aus den anderen im Wasser kochenden wiederfindet. Jedem Gast sein auf den Punkt gekochtes Ei.
Ich stelle verstohlen meinen Teller Eiglibber auf einen Bistrotisch nahe des Servicepersonals und nehme von der Melone nach.
Der Mensch, und das unterscheidet ihn eventuell von der Hefe, der Mensch lernt nie aus.
Weiter geht es mit Weinverschlüssen, Kalkulationen, Lebenskurven und ein paar rauchenden Gemütern.
Sehr viel weiter ging es am Ende auch zum Bahnhof, der vom Weg her sehr unterkalkuliert und somit per Tram, per U-Bahn und sehr rennend geschafft werden musste.
Vom einsteigen in den ICE bis zu dessen Abfahrt zogen satte 30 Sekunden ins Land.
Ab Nürnberg Wolken und ab Frankfurt Regen, da stieg auch die nette Polizistin aus, die ein paar Geschichten aus dem Nähkasten zum Besten gab. Zwölf Stunden Bahnhofschicht mit Gleisleichen, die häufiger auftreten, als wir in den Nachrichten sehen. "Wenn eine kommt, ist die nächste nicht weit" sagt sie, und dass man teilweise lange die Strecke ablaufen müsse, um auch noch den letzten Teil zu finden. Bevor es ein anderer tut, der mit Waldi nur mal eben Gassi wollte, zum Beispiel.
Ich muss an die Hefe denken, und aus wie vielen Teile diese besteht, und schlafe hinter Frankfurt im Klangteppich vierer Laptops und deren darauf eintippende Benutzer in einen dünnen, verregneten Schlaf.
Das Hirn sortiert während der Schlafphasen das Erlebte, weiß die Wissenschaft, und so liegt, als ich in Düsseldorf aussteige, in meinem Hirnorder mit der Aufschrift "Sommelier-Kurs" ein ganzer Stapel neuer Blätter (to do!), ein kleiner Haufen Vorsätze in "allgemeines" und im Fach "neu kennen gelernte Berufzweige- persönlich" liegen ein Patentanwalt (Gattung: schlimm und laut) und eine Polizistin (nett und kompakt).
Im Restaurant bestelle ich sehr aufgeräumt eine Lasagne und ein Glas Rotwein und raune leise ein "Adieu" zu den Hefen, die einst ihr Leben für meine Gaumenfreude gaben, und deren Seelen jetzt direkt neben der Weisheit in meinem Glas Wein liegen.
* Bei Interesse an mehr:
Sämtliche Bilder zum Umfeld gibt es hier.
Die guten Bio- Weine gibt es genau hier.
Und residiert wurde dieses Mal im Hotel Alter Wirt.
Mittwoch, 20. August 2008
reisenotizen./ ein tag in münchen.
Oder auch:
Mein Tag in München.
Es war ein Sonntag. Ein 17.ter, um genau zu sein, der im August.
Ich könnte ja jetzt Stunden wiedergeben, aber die Zeit, diese Zeit.
Lieben Gästen gab man früher, in der alten Zeit, das Photoalbum in die Hand. Meist hing dann ein leichter Duft nach UHU im Raum, und während der Besuch die Bilder ergriff, rührte man im Topf und drehte die Suppe auf links. Für später.
Jedenfalls, und hier die dazu gehörenden Bilder zwei kleine Dinge, (ein Rätsel und eine Arbeit) bevor die Suppe kommt:
Ich aß von ihrem Tellerchen, sah ihr München und schlief in ihrem Bettelein, doch die Frau des Mitbewohners bin ich nicht. (Das ist einfach, oder?)
Die Orte auf den Bildern soll nun ein Kenner zur Orientierung benennen, ich hatte mit den großen Krügen, dem Essen und Blasmusik der am chinesischen Turm zu tun, ich hatte alle Hände und das Hirn voll zu tun.
Ich konnte mir das nicht alles merken.
Mein Tag in München.
Es war ein Sonntag. Ein 17.ter, um genau zu sein, der im August.
Ich könnte ja jetzt Stunden wiedergeben, aber die Zeit, diese Zeit.
Lieben Gästen gab man früher, in der alten Zeit, das Photoalbum in die Hand. Meist hing dann ein leichter Duft nach UHU im Raum, und während der Besuch die Bilder ergriff, rührte man im Topf und drehte die Suppe auf links. Für später.
Jedenfalls, und hier die dazu gehörenden Bilder zwei kleine Dinge, (ein Rätsel und eine Arbeit) bevor die Suppe kommt:
Ich aß von ihrem Tellerchen, sah ihr München und schlief in ihrem Bettelein, doch die Frau des Mitbewohners bin ich nicht. (Das ist einfach, oder?)
Die Orte auf den Bildern soll nun ein Kenner zur Orientierung benennen, ich hatte mit den großen Krügen, dem Essen und Blasmusik der am chinesischen Turm zu tun, ich hatte alle Hände und das Hirn voll zu tun.
Ich konnte mir das nicht alles merken.
Samstag, 16. August 2008
ein und aus.
Umschalten, Tasche packen, morgen in aller Frühe geht es nach München und ein Stück weiter. Der letzte Teil des Sommelier-Kurses steht an, und der wackelte letzte Woche für mich sehr mit der Aussicht, eine frisch operierte Katze auf die Beine bringen zu müssen.
Pralles Leben. Dazu passen pralle Trauben perfekt, Ablenkung tut gut und wer eine Reise macht, der kann was erzählen. Das hat mein Ur-Opa Malte immer lauthals durchs Telefon gerufen, weil wir ja schließlich weit weg wohnten, da muss man sehr laut und deutlich durch den Apparat brüllen.
Was ich morgen Abend leider verpassen werde, ist meine geliebte und gefilmte Tierärztin, welche in der WDR-Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" das Underdog-Projekt vorstellt, welches noch einzigartig hier in NRW ist. Sie, Katja Beyer, und zwei Kollegen machen neben ihrem Praxisbetrieb an verschiedenen Orten in Düsseldorf Sprechstunde für die Tiere von Obdachlosen, und zwar umsonst.
Schaut Mal rein, macht nach oder findet die Ärztin einfach nur gnadenlos nett, wie ich und die Fellchen auch.
Ich hoffe, ich kann es nächste Woche nach meiner Rückkehr online nachholen.
Wo war noch gleich mein Ticket?
Pralles Leben. Dazu passen pralle Trauben perfekt, Ablenkung tut gut und wer eine Reise macht, der kann was erzählen. Das hat mein Ur-Opa Malte immer lauthals durchs Telefon gerufen, weil wir ja schließlich weit weg wohnten, da muss man sehr laut und deutlich durch den Apparat brüllen.
Was ich morgen Abend leider verpassen werde, ist meine geliebte und gefilmte Tierärztin, welche in der WDR-Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" das Underdog-Projekt vorstellt, welches noch einzigartig hier in NRW ist. Sie, Katja Beyer, und zwei Kollegen machen neben ihrem Praxisbetrieb an verschiedenen Orten in Düsseldorf Sprechstunde für die Tiere von Obdachlosen, und zwar umsonst.
Schaut Mal rein, macht nach oder findet die Ärztin einfach nur gnadenlos nett, wie ich und die Fellchen auch.
Ich hoffe, ich kann es nächste Woche nach meiner Rückkehr online nachholen.
Wo war noch gleich mein Ticket?
was am ende bleibt-
ist ein Häufchen Asche, ein Händedruck, und das Gefühl, dass es beim ersten Mal schwieriger war.
Heute bin ich nicht aus dem Raum gegangen, als der Ofen geöffnet und Katze Janis hineingeworfen wurde. Aber ich habe mich weggedreht.
Heute war auch nicht die Frau vor Ort, die im Dezember das Leaderfellchen in Empfang genommen hatte, sondern ein Mann, der nicht fragte, sondern seiner Arbeit nachging. Das machte die Sache zwar unemotionaler weil keiner fragte woran und warum, und auch der Wurf in den Ofen war mehr wie ein Brikett, aber ich nehme da keinem etwas übel. Sie war so, und er ist so, und es machte mir die Sache ein wenig einfacher. Ich bin dankbar, dass es so etwas gibt, fertig.
Sterben ist so, verbrennen geht so, draußen schien die Sonne und das Leben macht sowieso weiter.
Nach einer Stunde konnten wir die noch warme Dose in Empfang nehmen.
Was am Ende bleibt, ist ein Häufchen Asche und sehr viel vergangene schöne Zeit.

Heute bin ich nicht aus dem Raum gegangen, als der Ofen geöffnet und Katze Janis hineingeworfen wurde. Aber ich habe mich weggedreht.
Heute war auch nicht die Frau vor Ort, die im Dezember das Leaderfellchen in Empfang genommen hatte, sondern ein Mann, der nicht fragte, sondern seiner Arbeit nachging. Das machte die Sache zwar unemotionaler weil keiner fragte woran und warum, und auch der Wurf in den Ofen war mehr wie ein Brikett, aber ich nehme da keinem etwas übel. Sie war so, und er ist so, und es machte mir die Sache ein wenig einfacher. Ich bin dankbar, dass es so etwas gibt, fertig.
Sterben ist so, verbrennen geht so, draußen schien die Sonne und das Leben macht sowieso weiter.
Nach einer Stunde konnten wir die noch warme Dose in Empfang nehmen.
Was am Ende bleibt, ist ein Häufchen Asche und sehr viel vergangene schöne Zeit.

Freitag, 15. August 2008
24 stunden.
Auf die Minute vor 24 Stunden habe ich ein letztes Mal in den Korb gegriffen, ein letztes Mal -die anderen haben noch gelacht- auf den Korb geklopft, konnte mich nur schwer lösen.
Die Helferin erklärte den kurzen Ablauf der OP, ich kraulte Janis den dünn gewordenen Latz. Vor der Tür dann doch geheult, aber irgendwie froh gewesen, dass jetzt was passieren würde, Bewegung in die Sache kommt.
Augen zu und durch, hab ich gedacht.
Es ging letztes Jahr zirka zur gleichen Zeit los, als das Leaderfellchen in die ewigen Jagdgründe ging. Janis kotzte, ihr Magen gurgelte, sie nahm in relativ kurzer Zeit an Gewicht ab, und an Unruhe zu.
Fast 14, sagte ich zur Tierärztin, als wir sie zur Untersuchung brachten. Der Befund: Schilddrüsenüberfunktion.
Sie bekam Tabletten, sie sie nicht mochte, der Magen beruhigte sich, sie nahm im 100Gramm-Bereich wieder zu und das einzige Problem war, täglich die Tablette in die Katze zu bekommen. Sie wurde ruhiger, die Unruhe wich einer Gelassenheit, also alles im Lot.
Vor ein paar Wochen dann fing das Übergeben wieder an.
Meist täglich, der Magen gurgelte nach den Mahlzeiten laut, Blutabnahme, neue Dosierung des Schilddrüsenhormons, Geduld haben.
Janis spuckte Mal mehr, und mal nicht, aber wenn, dann roch es erbärmlich, und meine Alarmglocke bimmelte jetzt sehr laut und deutlich.
Zurück aus Amsterdam stand als nächstes eine komplette Untersuchung auf dem Programm, welche diese Woche stattfinden sollte. Janis ging mir aber letzten Samstag plötzlich leicht in die Knie, sehr plötzlich war sie schwach und bekam Schlagseite. Ich rief die Tierärztin an, und machte als ihr Arm ein paar Tests mit ihr, und glaubte zu Wissen, dass sie aufgrund des Erbrechens ein wenig schwach im Magen war. Ein sehr guter Schluck Wasser mit Traubenzucker, einer Messerspitze Meersalz und das alles mit Milch eingefärbt brachte der Katze Elektrolyte, Blutzucker und Appetit zurück, der Sonntag verlief ruhig und so konnte man bis Montag warten.
Den Montag habe ich unten längst beschrieben, ab da Sorge und mein Versuch, positiv an die doch angstbesetzte Sache heranzugehen. Es sah ja auch gut aus. Gute Blutwerte, beim röntgen keine sichtbaren Geschwüre, Lunge frei, Katze guter Dinge und sehr kooperativ. Alle zufrieden.
Augen zu und durch, hab ich gedacht, und wir stiegen in Auto 'Ügo, und ich sag noch, dass der Sonnenschein und dieses tolle Wetter bei mir kein gutes Zeichen seien, weil in meinem Umfeld immer bei schönstem Wetter und gegen Mittag diese Dinge passieren. Trotzdem war ich ruhig und sagte mir die ganze Zeit, dass es ja jetzt nur besser werden könnte, setzte mich zu Hause an den Klapprechner, schrieb auf, was passiert war und spielte die Zeit über Runde um Runde Freecell und hatte Janis Spielfisch in der linken und das Mobilfon fest im Blick.
Sie sagten, sie würden spätestens um halb elf mit der Operation beginnen, der eine Arzt hätte sich krank gemeldet, die Chirurgin müsse einen Teil der Sprechstunde abfangen.
Um halb elf zählte ich jede Minute un drückte den Spielfisch.
Ich ging in Gedanken mit durch die erste Spritze, durch die Narkose, das betten der Katze, Tubus, Blutdruckmanschette, EKG, steril machen, Bauch rasieren, öffnen ...
Um halb zwölf dachte ich, jetzt wird richtig operiert, nicht mehr nur geschaut und dann angerufen.
Um Viertel vor zwölf ging ich mit dem Mobilfon durch den langen Flur zu M. rüber, und sagte, dass wir jetzt zeitlich auf der sicheren Seite wären, als das Mobile in meiner Hand klingelte.
Ich hörte zu und sagte, ich dachte, sie wären schon lange bei der OP, und sie sagte, es täte ihr leid, und jetzt würde man das ganze Ausmass sehen und neben dem einen Tumor hätte Janis auf dem gesamten Darm kleine Stäbchen, Gewebeveränderungen, Metastasen in den Startlöchern. Würde man sie nun operieren, würde das Gewebe mit diesen Veränderungen sehr sehr schlecht (wenn überhaupt) heilen.
Eine Darm-OP ist ein schwerer Eingriff, Katze Janis hätte lange Zeit nicht fressen und trinken dürfen, Infusion, schwere Medikamente, Schwäche und Schmerzen wären die nächsten zwei Wochen sicher gewesen.
Sie sagte, es täte ihr leid, und wenn es ihre Katze wäre, sie würde sie auch schlafen lassen.
Sie wäre ganz brav gewesen und ganz ruhig eingeschlafen.
Ich sagte, wir bräuchten fünf Minuten.
Ich sagte, lassen sie sie schlafen.
Ich dachte, jetzt stirbt sie friedlich, und ich bin nicht dabei.
Das alles ist der Kampf gegen Ego.
Ego will nicht gehen lassen, den Strohhalm nutzen, die 2%, die sie dann doch gehabt hätte.
Ego trauert weil Ego fehlt jetzt etwas.
Heute Morgen kam eine SMS einer Freundin:
Liebe heißt auch, loslassen können.
Sie ist jetzt bei Dizzy, freu Dich darüber und denke in Liebe an die beiden, und Danke für die langen Jahre, die Du mit ihnen hattest.
Heute Abend holen wir sie aus der Praxis, wo die OP stattfand. Dann werden wir sie, wie das Leaderfellchen auch, für die anderen mit nach Hause nehmen und hinlegen, damit der Rest vom Rudel weiß, das sie nun weg ist, und das sie nicht mehr suchen müssen.
Morgen fahren wir nach Holland und lassen sie verbrennen.
Bald stehen zwei Töpfe in der Küche zwischen den Kräutern.
Mein kleiner Trost: Sie hatte ein strotzgesundes Leben im Rudel, ihr fehlte kein Zahn, ihre Organe waren fit und ihr Gemüt immer sonnig. Sie wurde nie schlecht behandelt, und ich habe sie von der ersten Milchflasche, die ich ihr in den rosa Schlund stopfte, heiß und innig geliebt.
Ihren Namen bekam sie von Janis Joplin.
Und jetzt weiter ein- und ausatmen.
Ein und aus.
Die Helferin erklärte den kurzen Ablauf der OP, ich kraulte Janis den dünn gewordenen Latz. Vor der Tür dann doch geheult, aber irgendwie froh gewesen, dass jetzt was passieren würde, Bewegung in die Sache kommt.
Augen zu und durch, hab ich gedacht.
Es ging letztes Jahr zirka zur gleichen Zeit los, als das Leaderfellchen in die ewigen Jagdgründe ging. Janis kotzte, ihr Magen gurgelte, sie nahm in relativ kurzer Zeit an Gewicht ab, und an Unruhe zu.
Fast 14, sagte ich zur Tierärztin, als wir sie zur Untersuchung brachten. Der Befund: Schilddrüsenüberfunktion.
Sie bekam Tabletten, sie sie nicht mochte, der Magen beruhigte sich, sie nahm im 100Gramm-Bereich wieder zu und das einzige Problem war, täglich die Tablette in die Katze zu bekommen. Sie wurde ruhiger, die Unruhe wich einer Gelassenheit, also alles im Lot.
Vor ein paar Wochen dann fing das Übergeben wieder an.
Meist täglich, der Magen gurgelte nach den Mahlzeiten laut, Blutabnahme, neue Dosierung des Schilddrüsenhormons, Geduld haben.
Janis spuckte Mal mehr, und mal nicht, aber wenn, dann roch es erbärmlich, und meine Alarmglocke bimmelte jetzt sehr laut und deutlich.
Zurück aus Amsterdam stand als nächstes eine komplette Untersuchung auf dem Programm, welche diese Woche stattfinden sollte. Janis ging mir aber letzten Samstag plötzlich leicht in die Knie, sehr plötzlich war sie schwach und bekam Schlagseite. Ich rief die Tierärztin an, und machte als ihr Arm ein paar Tests mit ihr, und glaubte zu Wissen, dass sie aufgrund des Erbrechens ein wenig schwach im Magen war. Ein sehr guter Schluck Wasser mit Traubenzucker, einer Messerspitze Meersalz und das alles mit Milch eingefärbt brachte der Katze Elektrolyte, Blutzucker und Appetit zurück, der Sonntag verlief ruhig und so konnte man bis Montag warten.
Den Montag habe ich unten längst beschrieben, ab da Sorge und mein Versuch, positiv an die doch angstbesetzte Sache heranzugehen. Es sah ja auch gut aus. Gute Blutwerte, beim röntgen keine sichtbaren Geschwüre, Lunge frei, Katze guter Dinge und sehr kooperativ. Alle zufrieden.
Augen zu und durch, hab ich gedacht, und wir stiegen in Auto 'Ügo, und ich sag noch, dass der Sonnenschein und dieses tolle Wetter bei mir kein gutes Zeichen seien, weil in meinem Umfeld immer bei schönstem Wetter und gegen Mittag diese Dinge passieren. Trotzdem war ich ruhig und sagte mir die ganze Zeit, dass es ja jetzt nur besser werden könnte, setzte mich zu Hause an den Klapprechner, schrieb auf, was passiert war und spielte die Zeit über Runde um Runde Freecell und hatte Janis Spielfisch in der linken und das Mobilfon fest im Blick.
Sie sagten, sie würden spätestens um halb elf mit der Operation beginnen, der eine Arzt hätte sich krank gemeldet, die Chirurgin müsse einen Teil der Sprechstunde abfangen.
Um halb elf zählte ich jede Minute un drückte den Spielfisch.
Ich ging in Gedanken mit durch die erste Spritze, durch die Narkose, das betten der Katze, Tubus, Blutdruckmanschette, EKG, steril machen, Bauch rasieren, öffnen ...
Um halb zwölf dachte ich, jetzt wird richtig operiert, nicht mehr nur geschaut und dann angerufen.
Um Viertel vor zwölf ging ich mit dem Mobilfon durch den langen Flur zu M. rüber, und sagte, dass wir jetzt zeitlich auf der sicheren Seite wären, als das Mobile in meiner Hand klingelte.
Ich hörte zu und sagte, ich dachte, sie wären schon lange bei der OP, und sie sagte, es täte ihr leid, und jetzt würde man das ganze Ausmass sehen und neben dem einen Tumor hätte Janis auf dem gesamten Darm kleine Stäbchen, Gewebeveränderungen, Metastasen in den Startlöchern. Würde man sie nun operieren, würde das Gewebe mit diesen Veränderungen sehr sehr schlecht (wenn überhaupt) heilen.
Eine Darm-OP ist ein schwerer Eingriff, Katze Janis hätte lange Zeit nicht fressen und trinken dürfen, Infusion, schwere Medikamente, Schwäche und Schmerzen wären die nächsten zwei Wochen sicher gewesen.
Sie sagte, es täte ihr leid, und wenn es ihre Katze wäre, sie würde sie auch schlafen lassen.
Sie wäre ganz brav gewesen und ganz ruhig eingeschlafen.
Ich sagte, wir bräuchten fünf Minuten.
Ich sagte, lassen sie sie schlafen.
Ich dachte, jetzt stirbt sie friedlich, und ich bin nicht dabei.
Das alles ist der Kampf gegen Ego.
Ego will nicht gehen lassen, den Strohhalm nutzen, die 2%, die sie dann doch gehabt hätte.
Ego trauert weil Ego fehlt jetzt etwas.
Heute Morgen kam eine SMS einer Freundin:
Liebe heißt auch, loslassen können.
Sie ist jetzt bei Dizzy, freu Dich darüber und denke in Liebe an die beiden, und Danke für die langen Jahre, die Du mit ihnen hattest.
Heute Abend holen wir sie aus der Praxis, wo die OP stattfand. Dann werden wir sie, wie das Leaderfellchen auch, für die anderen mit nach Hause nehmen und hinlegen, damit der Rest vom Rudel weiß, das sie nun weg ist, und das sie nicht mehr suchen müssen.
Morgen fahren wir nach Holland und lassen sie verbrennen.
Bald stehen zwei Töpfe in der Küche zwischen den Kräutern.
Mein kleiner Trost: Sie hatte ein strotzgesundes Leben im Rudel, ihr fehlte kein Zahn, ihre Organe waren fit und ihr Gemüt immer sonnig. Sie wurde nie schlecht behandelt, und ich habe sie von der ersten Milchflasche, die ich ihr in den rosa Schlund stopfte, heiß und innig geliebt.
Ihren Namen bekam sie von Janis Joplin.
Und jetzt weiter ein- und ausatmen.
Ein und aus.
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