Freitag, 27. August 2004

abendgestaltung

später, im parkhaus.

lu: "ich trink heute abend einen großen napf rotwein auf diese woche. was macht ihr ?"

kollege1: "kommt auf eine email an."

kollege2 : "ich hol' mir erst mal schön einen runter."

( du hast es geschafft, du bist im blog! gratulation. )

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(again)


Donnerstag, 26. August 2004

-H-stelle

er sass im ersten stock, um ihn kartons, gerade frisch bezogen, diese wohnung an der kreuzung, direkt über der döner-bude. es wird abende geben, wo er diese ecke verfluchen wird, den fleischgestank, die ghetto-boys, die sich abend um abend unter seinem erkerfenster versammeln.
noch ist alles frisch, die farbe an den wänden, das wohnunggefühl, neues spiel.
er lädt nach, zielt schärfer, zoomt den feind ran und schießt, schießt sein magazin leer und lädt nach, routiniert.
ich stehe auf der anderen strassenseite, warte auf die bahn und versuche, seine gegner zu erkennen. der bildschirm wird rot, er ist getroffen. lädt nach, zoomt ran, schießt.
ich sehe viel gelb, viel grün und braun, battlefield, gegner nicht genau definiert, man will ja kein feindbild suggerieren, in zeiten wie diesen.
ich sehe, wie er sich duckt, auf die knie geht, die knarre senkt sich gen boden, es wird dunkler. plötzlich laufen die vermeintlichen bäume links und rechts los, kommen näher, näher. "schieß! schnell!" denke ich, und sehe, wie er hektisch wird, den lauf, die zielscheibe hin und her schwenkt, sich nicht entscheiden kann, welchen er als ersten und als nächsten.
der bildschirm wird rot, dann noch einmal, flackert, bleibt rot. der lauf senkt sich zum boden, der spieler läßt sein rechtes bein auf und ab, auf und ab schnellen. tot.
game over- continue ? blinkt gelb die schrift auf.
"willkommen im viertel" denke ich, während ich in die bahn steige. hier, wo omas mit listen-hunden gassi gehen, und taxifahrer die gasknarre zum kaffee holen mit ans büdchen nehmen.

seemannsgarn | © Lu um 11:58h | keine meldung | meldung machen?

Donnerstag, 5. August 2004

eine frau wie regina

plötzlich steckte ich fest, zwischen zwei uBahn-stationen. die luft gefühlte 40°, kein fahrtwind, fiebriges aussitzen.
ein paar sitze weiter sass eine frau. ich konnte sie nicht ganz erkennen, war aber plötzlich mehr als ein jahrzehnt zurück, in gedanken bei reggie, die eigentlich regina hieß.
wir waren alle unter zwanzig damals, immer in kleinen rudeln unterwegs, quer durch den ruhrpott.
mittwochs fuhr man nach duisburg, freitags nach bochum, samstag hier hin, sonntags dorthin, und überhaupt stand man zu der zeit meist sehr cool in irgendwelchen ecken,
wenn man nicht den freestyle auf der tanzfläche vermeidete, oder sein hirn in schwarze tücher schlafen legte.

reggie, die eigentlich regina hieß, aber "rättschi" ausgesprochen wurde, lernte ich durch einen streit kennen.
ich knutschte unwissend in einer kalten winternacht auf einem parkplatz in bochum-langendreer mit ihrem ewig-drin-verknallt-nie-was-draus-geworden-typen.
unwissend, weil sie hatte mir nichts gesagt, nur böse zugeguckt. und der typ, von dem ich grad weder namen, noch haarfarbe parat hätte, der schon mal gar nicht.
wir knutschten noch zwei-drei mal, bevor ich ihn satt hatte, und reggie litt.
doch dann kam der abend, an dem wir beide und noch ein paar leute mehr in einem schwarzen vw-bus eingepfercht gen bochum knatterten. weibliche aussprache, die mit "wenn ich das gewußt hätte, hätte ich ihn abblitzen lassen, by the way: such dir lieber nen netten", einer flasche roten blubbersekt und einer gigantischen tüte in versöhnung endete.

eine halbe stunde später lagen wir beide kotzend auf der toilette des zwischenfalls, nur durch eine klowand getrennt. die halbe nacht.
ab da waren wir freundinnen, und ich schleifte reggie mit in mein rudel.
sie war kautzig, sie war 17 und sie war noch jungfrau. eine tatsache, die ich besonders an ihr mochte.
während wir anderen so taten, als würde uns sexuell nichts mehr schocken, und überhaupt so sachen wie defloration was für hanni+nanni-leserinnen war, blieb reggie standhaft.
sie hatte keine gründe, nur halt keinen sex. ihr fehlte mr.right und der entscheidende schritt, das mentale aufraffen. vielleicht aber auch nur der richtige moment und ein schnaps.
dann kam ihr 18 geburtstag, er fiel auf ein wochenende, und sie blieb aus. wir blieben ohne reggie an diesem abend. keine sorgen, aber viele fragen.
am nächsten abend kam sie in die stadt, kam in den laden und strahlte über das ganze gesicht. sie sah aus wie ein frischer pfirsich.
sie wollte ja auch am vorabend kommen, sagte sie, mit uns auf ihr jetzt offizielles erwachsenendasein anstossen, aber dann stieß sie jemand anderes an.
ihr kollege war es, stand unerwartet vor ihrer tür. in der hand ein kleines geschenkt, hübsch eingepackt. er selber frisch geduscht, und ebenfalls sorgfältig eingepackt.
er hat ihr ein geschenk gemacht, dass reggie nicht ablehnen konnte, und ihren 18 wird sie wohl nie vergessen. das andere, das buch, das hatte sie schon.

all das fiel mir wieder ein, als die bahn einen ruck machte, tunnelwind durch die fenster pfiff und eben jene frau aufstand, um zur tür zu gehen.
es war nicht reggie, die ich nach zwanzig aus den augen verlor. aber sie hatte mich an sie erinnert, und deswegen war sie es doch irgendwie.


Freitag, 30. Juli 2004

ur-sprüngliches

sie stiegen am hauptbahnhof zu. beide um die ende sechzig, sie mit dunkelblauer strumpfhose und runder hüfte, die irgendwie im weg war, er mit strohhut und durchgeschwitzem weißen hemd.
er schmiss sich sofort neben mich, auf den 2er-sitz der uBahn. der, wo man sich immer den nacken verrenken muss, um vom draussen etwas zu sehen.
sie gegenüber, auf dem platz mit beinfreiheit, für die mit sonderpass oder müttern mit beiwagen. kaum hatte sie sich zurecht gesetzt, zog sie ihre orthopädischen schluppen aus und legte die füsse hoch. zufriedener seufzer, plagender tag, man sah es ihr an.
die hitze war das thema, sie schubsten es sich hin und zurück, und ich wunderte mich, dass keiner der beiden einen satz des anderen verlor, ihre ohren so gut waren, und das in ihrem alter. ich ärgerte mich, das ich eine schublade aufmachte. alle über 60 taub stand auf dem laden-schildchen. klischee schimpfte ich mir knapp die leviten.
er wär ja mehr der nordische typ, der winkinger, sagte er.
sie wäre mehr so aus dem süden, oder noch weiter weg. ihre ahnen kamen wohl irgendwann mal aus ägypten, meinte sie felsenfest. irgendwoher müßte das ja kommen, das mit dem hitze mögen und den dunklen haaren.
er käme mit nudeln nicht klar, sagte er. von daher käme auch kein italiener in seinem stammbaum in frage. er wär ein wikinger, und diese anpassungszeit im sommer sei ihm eine pest, ganz schlimm sei das immer. ganz schlimm.

sie: "dann dürftest du keen radrennfahra sein, so wie dat ullrich da auf da tur da frranz, weil da müssteste die janze zick nur effe nudeln essen, un dat schonn zum frühstück."
er: "ach dat da. wenn die für dem quatsch kinn jeld in die täsch bekämen, die würdn nit dorsch die berje radeln. niemals nich."

sie scharrte an einer laufmasche die sich ihren weg nach oben bahnte, überlegte kurz. dann:

sie : "dann könntste ja rennfahra werdn."
er: "früher bin ich rad jefahrn, ja, immer. aber heut..."
sie : "na dann trotzdem rennfahra, mit dem auto wie dat schumacher."
er: "nürnburchring ?"
sie :"nürnburchring. mistije strumpfhose."
er: "nee, dat würd ich nicht machen. die fahrn da ooch nur im kreis un dat ohne zu bremsen. langweilich is dat, dat guck ich mich nimmer an. imma im kreis, und dafür kriegn die ein jeld, da träumste nur von. langweilich. dann lieber rad."
sie: "aba keine nudeln essen wollen ..."
er: "nee, die vetrag ich nicht. ich ess fleisch un wuast. un kartoffln. bin ja wikinger."
sie: "un ich ne ägyptin. irgendwie."

seemannsgarn | © Lu um 18:06h | keine meldung | meldung machen?

Dienstag, 20. Juli 2004

menschen, morgenregen und die sache mit daimler chrysler

menschen und regen scheinen nicht miteinander klar zu kommen!
ich stelle das hier einfach mal so als tatsache hin, ich habe es nämlich frisch erlebt.
als ich vor einer kleinen zeit das haus verließ, und der erste donner den fragwürdigen frieden über meinem viertel in zwei stücke brach, da dachte ich noch, lu, dachte ich, gut dass du an flipflops und schirm gedacht hast.
mit debilem lächeln und satt-nassem flipflop geräusch erreichte ich die haltestelle und ab da war ich unter menschen, und das unheil in nass nahm seinen lauf.
ich ließ mich auf einem 4er-sitz in der ubahn nieder und während ich kontakt mit dem nassen plastikleder aufnahm, nahm der kaffee meines weiblichen gegenübers kontakt mit der schwerkraft auf und ließ sich gen boden fallen. nicht, ohne vorab einen umweg über mein gegenüber zu nehmen.
" das würde mir jeden morgen passieren " sagte ich.
" das passiert mir jeden morgen " maulte sie und wischte weiße papiertaschentuchwürste auf ihre schwarze stoffhose.
mir konnte nix die kleine hochstimmung des morgengewitters versauen, und so genoß ich das kaffeearoma, welches nun aus der frau mit leerem becher dampfte, und schlug mein buch auf. nur ab und an grinste ich das sich ständig erweiternde muster des kaffeerinnsals zu unseren füßen an, das mit jeder neuen kurve an kontur gewann.
zu diesem zeitpunkt hatte es die form einen geskribbelten käfers von oben.

irgendwann fand ein nachbarwechsel statt, vermutlich am hauptbahnhof. ich verliebte mich zu diesem zeitpunkt in folgenden satz:

(...) Schreiben ist veredeltes Denken. Wenn Ihre Abschlußarbeit nicht über das Niveau eines Schulaufsatzes mit der Überschrift >>Warum mich Shania Twain anturnt<< hinauskommt, stecken Sie in großen Schwierigkeiten." ( quelle links in der koje )

ich blickte erst wieder nach oben, als jemand gegen mein knie trat.
vor mir sassen zwei anzugmänner. der eine, kurz vor seiner rente, teures zwirn und den charme eines helmut kohl, der andere, der treter, ebenfalls guter ausstatter, aber wohl im dritten frühling. er sass mir genau gegenüber und versuchte sich möglichst "cool" hinzusetzen, und die art wie er das eine bein hochzog, derweil den fuss auf der ablage parkte, und dann noch einen gewissen überschlag hinbekam, hätte jeden yogimeister verzückt lächeln lassen.
vielleicht hatte er auch nur ärger mit der verdauung, aber das wollen wir alle nicht wissen.
wenn diese haltung aber einen fluss anregte, dann war es auf jeden fall sein redefluss. er leierte aktienkurse, kollegen der idiotischen sparte, mannesmann-politik und W-Lan vorteile runter, und kohl hörte zu. ab und an wollte er sich ins gepräch einbringen, hatte aber keine schnitte. der yogi im hugo boss format ließ sich nicht bremsen, und wie er seine sauerstoffzufuhr regelte, frage ich mich jetzt noch.
aber wir waren ja bei nass und den menschen, die damit nicht klarkommen.
der hugo boss yogi jedenfalls rutschte bei einer besonders emotionalen denkschleife mit der überschrift "wie ich den daimler-chrysler-laden wieder nach oben bringen würde" erneut aus seiner haltung und landete wieder an meinem schienbein. er guckte kurz rüber, und das wars. kein " 'tschuldigung", keine hochgezogenen augenbrauen, nix. kohl war es peinlich. er starrte mir beschwichtigend in den ausschnitt und hatte dann den chrysler-faden verloren. zeitgleich setze der yogi zum erneuten bein-knoten an, aber da schritt ich ein.
" das sollten sie lieber lassen! " sagte ich.
" hä?"
" na das mit den beinen übereinander. in ihrem alter hat man schnell maläste mit der hüfte, wenn man anatomische kunstgriffe aussitzt."
" was erlauben..."
" was ich mir erlaube ? ich erlaube mir, sie auf eine schlechte kinderstube aufmerksam zu machen. sie treten mir drei mal gegen die beine ohne sich zu entschuldigen und lassen ihren kollegen hier nicht zu wort kommen. nebenbei kaut man nicht mit offenem mund kaugummi, das die ganze bahn tinnitus bekommt."

kohl wurde puterrot, und yogi boss zuppelte wütend an seiner boss-krawatte.
( anm.: nicht nur meiner meinung nach sind krawatten phallisch, also fummelte er angriffslustig symbolisch seine knarre zurecht !)
leider wurde unsere nette unterhaltung von der zielhaltestelle der beiden unterbrochen. das letzte was ich sah war kohl, der sich im prasselnden gewitterregen seine aktentasche aus weichleder über den kopf hielt und mir dabei fest solidarisch zuzwinkerte. yogi boss, der einen schirm aufspannte, drehte sich beleidigt weg, drückte kohl den schirm in die hand um händefuchtelnd seinen monolog wieder aufzunehmen.
sie verschwanden langsam im regen, und dass kaffeerinnsal bildete in der kurve ein wunderschönes a mit einem kreis drumherum.


Dienstag, 13. Juli 2004

der regen, die frau und das pfund tomaten

wenn jemand die 3-stunden-depression kennt, dann weiß er sicherlich auch, das diese sich schon nach dem ersten, gequälten geräusch beim aufwachen bemerkbar macht.
über den tag verteilt kommt sie nur ab und an mal hinter der tür hervor, schaut nach, ob man sich schon ein wenig elender fühlt und furzt einem ansonsten noch mal bekräftigend quer über die mittagsstulle.

meine 3-stunden-depression hatte gestern ganze arbeit geliefert, und so fand ich mich nach einem qualvoll langen tag mit qualvoll wenig inhalt irgendwann auf einer stange wieder.
auf einer stange ? fragt ihr ?
ja, auf einer stange, sag ich. diese stange umrandet eine hundewiese in meinem viertel, einen baum und ein klettergerüst, ist grün und in der mitte meines nach-hause-weges angebracht. ich denke, sie ist schon seit den tagen dort, wo man knöchelgelenkhohe, alt-grüne stangen anbrachte, und als kind waren sie prima, um alleine gummitwist zu spielen, was in etwa fünf minuten dauerte, bis man sich so kreativ mit sich selber verwickelt hatte, dass man nur noch heulend nach seiner mutter oder einem nachbarn mit schere schreien konnte.
das, und noch ein paar dinge mehr fielen mir gestern abend ein, als ich zur nachrichtenzeit mitten im platzregen auf eben dieser stange sass. in meinem viertel. ohne gummitwistgummi, aber mit prall gefüllter einkaufstasche. heulend.

mir war schon im supermarkt nach ein bißchen weinen, weil kein schokopudding mehr aufzutreiben war, und die kassiererin mich feindselig anstarrte, als ich sie auf lösungswege ansprach. sie wußte scheinbar nicht, dass es kein besseres rezept gegen die 3-stunden-depression gibt, als schokobreichen oder stark kakaohaltige schokolade in großen brocken, die bei ausschweifendem TV-konsum missbraucht bei frauen THC-ähnliche wirkungen entfalten.
aber ich hatte tomaten, immerhin, und mit denen sass ich nun also heulend im prasselregen auf der grünen stange.

ja, aber warum denn jetzt ? fragt ihr zu recht ungeduldig ?
himmel, ich bin in den letzten zügen 35, da kann frau sich so kleine schnitzer mal erlauben.
ich weiß auch, dass ich nix zu meckern habe, gesund bin, glücklich bin, "alles dran ist" wie man nach meiner geburt im gleissenden kreißsaallicht allgemein freudig feststellte ( das mit dem "oh, ein spaltenpisser" lass ich jetzt mal unter dem teppich ), mein handy im griff habe und den rest des lebens auch, und vielleicht ist es genau das ? oder das ?
jedenfalls war ich bis zu dem zeitpunkt, als mir die einkaufstüte riss, und ein donnerknall die wolken so schlimm erschreckte, dass sie das wasser nicht mehr halten konnten und alle gleichzeitig lospieselten ( meine erklärungen aus kindertagen, wen wunderts da noch ? ), und ich beim cherry-tomaten aufheben mit dem blick an drei kleinen, kaputten eiern hängen blieb, die aus einem nest über mir gefallen waren, da sprang die 3-stunden-depression hinter dem klettergerüst hervor, lachte laut und voller tatendrang, furzte erneut so heftig, dass das viertel dachte, das die donner heute aber schnell aufeinanderfolgen, und verpestete den rest brauchbarer atemluft mit miesepeter-flavor. ich raffte die letzten tomaten zusammen, schniefte einmal, fühlte mich so selbstmitleidig dann ganz gut, schniefte noch einmal bekräftigend und setzte mich dann mit dem festen entschluss auf die grüne stange, in ruhe ein wenig die schlechte welt zu beheulen.

du hast heulend im viertel gesessen ? fragt ihr?
mitnichten. ich habe geheult, sicher, aber das muss ja keiner mitbekommen. ich weiß nicht, ob das die vorstufe zur psychiatrie ist, wenn man einfach nur so heulen kann, also lautlos, ohne dramatisches schluchzen und schütteln und auf die erde trommeln und so.
ich hab einfach nur selbstzufrieden an meiner einkaufstasche gelehnt, in mich hineingeheult, triefnass geregnet und von ein paar guten geistern verlassen, und es wäre noch schöner mit dem passenden soundtrack wie "why does it always rain on me" gewesen. aber das hier war das pralle leben, und ich sass vor einem elektrokasten mit dem plakat
"es gibt nur ein rudi völler - otto, mach et"
so sass ich also im regen, heulend, mit gerissener einkaufstasche und der kaputtgefallenen brut eines nun überflüssigen nestes, und im kopf gröhlte der EM-prolet in mir
"es jibt nur ein rudiii vöööölla, es jibt nur ein rudi vööölla !" ---

ein hund fehlt, lu, ein hund ! sagt ihr ?
stimmt. ein hund täte der geschichte sicher gut. und ihr glaubt nicht, was just in dem moment, als ich mein kleines fussballliedchen pfiff über die hundewiese kam ?
ein hund.
ein strubbeliger hund, pitschnass und somit quasi eine frisuren-schwester. ein weibchen.
ich machte zwischen zwei internen schluchzern die menschentypischen lockgeräusche, pfiff und schnalzte und als die engelchen noch einen drauflegten, und der nächste donner ( das ist ein etwas stärker gebautes engelchen, welches die lego-türmchen der anderen umschmeißt - oh, mutter! ) das tal, ähm, die wiese beben ließen, kam die hündin dann doch zu mir rüber.

und woher weißt du, dass es kein rüde war, hä? fragt ihr hämisch ?
weil sie mir nicht sofort die nase in den schritt drückte und einen rüden-nasen-stempel hinterließ, darum! ihr reichte meine hand zum schnüffeln, und ein schwesterlicher blick in meine verlaufene wimperntusche. weibchen, absolut!
und so sass ich also mit meiner gerissenen einkaufstüte, einer pitschnassen hündin, drei aus dem nest gefallenen eiern und meiner 3-stunden-depression auf einer grünen stange unter einem baum in meinem viertel und es regnete was das zeug hielt.
eine tomate wollte die hündin nicht haben, wohl aber meinen fuss, auf den sie sich mit einem lassie-geräusch seufzend niederliess, und ich erzählte ihr geschichten, während es um uns herum prasselte und blitze.
als meine geschichten alle, die wolken leer waren, da kam eine frau um die ecke und rief "luuuuna". ich und hund hoben den kopf, und die frau sagte "und ich wundere mich, warum die nicht vom gassi gehen zurück kommt. ich lass die immer zwischendurch auf die wiese, wenn die bei big brother muss..."
"och, is schon dran ?"
"jaja, aber erst die hälfte rum".
"na dann ... ich muss. und einen netten hund haben sie da."
"ich weiß, tschüssi" sagt sie, und luna dreht sich noch einmal zu mir um, und ich bin sicher, sie hat gezwinkert.


Montag, 28. Juni 2004

infrarot-sex am zirkuszelt.

lu und emily hocken an einem typisch düsseldorfer sonntag unter einem typisch düsseldorfer baum am typisch düsseldorfer rheinufer.
eine steife leichte brise weht, und sie halten ihre handys in die sonne.

lu : was hastn du für klingeltöne ?
em: nix wildes, eigentlich nur ganz öde. aber "hey ya" habbich.
lu: echt ? und wie hört der sich an?

emilys handy dudelt in orgel-manier töne runter die entfernt und gruselig an outkast erinnern.

lu: ich hab wenigstens das alte telefonrasseln.
em: oh, den wollte ich schon immer haben...
lu: warte, ich schick dir den rüber. du hast doch auch infrarot, oder?
em: ja, klar.

es folgen 4 lange minuten, in denen beide frauen und der baum vertieft in die displays starren, menüpunkte durchforstend.

em: DA! ich bin soweit. jetzt ...
lu: moment, ich habs gleich ...

es folgen drei minuten, in denen man zwei frauen sieht, die ihre handys aufeinander gerichtet halten und ansonsten recht haltlos kichern. und nach jeder weiteren "verbindung fehlgeschlagen" läßt der baum einen ast mehr hängen.

em: hrmpf. das geht nicht.
lu: hrmpf. schon gemerkt.
em: dafür hat mein handy jetzt ein nervöses flackern.
lu: wie bitte?
em: es flackert, guck mal da.

(beide starren auf flackerndes display.)

lu: dein handy ist angefummelt, und jetzt bekommts keinen klingelton rein. dafür hat meins ne rote beule im display, guck mal.

(beide starren auf rote beule im display.)

em: tja.
lu: tja.
em: bei mir hat einer ein stöhnendes handy. immer wenn ein anruf reinkommt, dann kommt akustisch eine frau.
lu : geil, echt ? haben will. obwohl, gibts das auch für frauen- also einen stöhnenden kerl ?
em: weiß nicht. bei dem stöhnt jedenfalls ne frau.

---

und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben beide heute in einem zirkuswagen nahe dem flussufer, haben ihre pässe ins nächste gebüsch geworfen und bloggen jetzt als die zwei vom wanderzirkus. dort, im idyllischen düsseldorf, am typischen flussufer.


Donnerstag, 24. Juni 2004

schwarz, oder wie sahst du denn früher aus ?

aus einem gemütlichen kaffeeklatsch gestern im hermetischen café, da wurde ein "boah, ist das netz klein" -ding. ich habe plötzlich das irrationale gefühl, ich müsse un-be-dingt die 80er zwischenfall-sampler haben, überlegte beim einschlafen, wer eigentlich mein kreppeisen und die klamotten geerbt hat, und wie der laden hieß, wo man mittwochs immer zum tanzen und rumstehen hingefahren ist.
und wie konnte ich ganze wochenenden durchziehen, wenn die einzige nahrung aus einer täglichen tafel schokolade in kaffee gestippt bestand ?
und was ist eigentlich aus ian astbury und siouxsie sioux geworden ?

herr, wirf schminke und latex vom himmel,
mir ist heute so um die 16-18 jahre retro dunkel ums herz.


Donnerstag, 17. Juni 2004

das hinterteil des fisches, oder die mutprobe in flipflops

m : komm, lass auf diesen steg da hinten, der geht ganz weit ins meer.
lu : hm.
m : schiß ?
lu : hrmpf. da kann man bestimmt durch die bodenbretter gucken. auf solchen morschen stegen die quasi bis nach england gehen kann man IMMER durch die bodenbretter gucken.
m : is doch toll.
lu : ja. klar. toll.
m : du bist n fischfuttje !
lu : wie bitte ?
m : du hast die hose voll ( grinst über alle backen ) fischfuttje, fischfuttje ( m.'s neueste, niederl. angehauchte wortkreation, endlich zum einsatz kommend, leider bei mir ).
lu: na warte. lass auf diesen scheiß-steg, los.

flip-flop-flip-flop-flip-flop-flip-flop ---

lu : ( nach 8 metern steg ) scheiße, ich wußte es. man kann locker mit einem hausboot durch diese riesigen ritzen fahren, da verlier ich ja meine schuhe, waaah, ne welle !
m : okay, wir gehen zurück. biste halt auf immer ein fischfuttje!
lu : nix. ich geh weiter.

flip-flop-flip-flop-woooosch-flip-flop-flip-flop-flip-flopwoooooooooosch ---

lu : scheiße, ich bin schon klitschnass. ausserdem ist mir schwindelig, ich geh jetzt zurück.bin ich halt n fischfuttje.
m : du könntest natürlich auch eine fischFUTT werden, wenn du einmal mit mir bis zum ende gehst. bleib in der mitte und halt dich an meinem arm fest ...und GUCK NICHT IMMER NACH UNTEN, herrgottnochmal.
lu : hrmpf. also los, her mit dem arm, her mit der mitte. auf zu neuen ufern.

flip-flop-flip ...floppp-fliiiip-floppp-wooooosch -( du sollst nicht nach unten gucken, NICHT nach unten ) - flipflopflipflopflipflop- FERTIG !

m : fischfutt! glückwunsch.
lu : danke. du mich auch.


Mittwoch, 2. Juni 2004

girl.talk

liebe freundin: und weißt du, was das schärfste ist ?
lu: nö. wasn ?
lf: diese toleranz. der ist SO tolerant, das ist nicht mehr zum aushalten.
lu: gottchen. zum beispiel?
lf: sag ich dir erst, wenn du aufhörst, beim telefonieren chips zu essen!
lu: schorry ... *schluckt kilo chips runter*
lu: so. also ?
lf: na egal was ich mache oder tue, für ihn "ists irgendwie okay". verstehste ?
lu: ohgott, das ist ja grauenvoll. du kannst ihm also noch nicht mal einen rüffel verpassen, ohne das er verständnisvoll guckt und dir sagt, dass das doch alles völlig normal "und irgendwie für ihn so okay ist " ???
lf: du hast es ! ich könnte durchdrehen manchmal, echt.
lu: unterdrückt er dich wenigstens im schlafzimmer mal so richtig ?
lf: *gacker*
lu: *kicher*
lf : von wegen. seine ex, mit der er natürlich noch einmal im monat zu "ihrem" thailänder essen geht, hatte die EMMA im abo, und die hat er auch immer gelesen. und alle ihre bücher.
lu: ohgott, diese venus-frauen-mars-männer-teile? das hört sich nach einem total verständnisvollen 3stunden vorspiel mit blümchen-sex im anhang an, inkl. gewaltfreiem kampf, ob du jetzt unten liegen darfst oder eben nicht.
lf: hrmpf.
lu: ohgott.
lf: was mach ich denn jetzt ? ich kann dem doch mit nix kommen. er sagt immer : erwarte nichts, dann wirst du auch nicht enttäuscht ...
lu. jaja, der liebe buddhismus.
lf: und er sagt, dass ich innerlich gegen mein inneres kind kämpfe, und er das nun mal abbekommt, aber das wäre ...
lu: ... für ihn schon irgendwie okay so ?
lf: du sagst es. ich werd wahnsinnig.
lu : aber ?
lf: ich lieb' ihn halt.
lu: dann wird das für ihn sicherlich ...
lf: ... schon irgendwie okay sein. *gacker*
lu: siehste !

seemannsgarn | © Lu um 16:33h | keine meldung | meldung machen?