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Mittwoch, 6. Oktober 2010
Schnupfen, Textstau, 24° im Oktober, tote Rattenkinder, null Energie, lange 2do-List... apropos
Liste.
Dinge, die ich gerne machen würde, also jetzt:
frisches Meloneneis essen
Nordsee inkl. Salzluft
Schnupfen loswerden
weiter über Kanada schreiben
Urlaub (siehe Punkt 2)
2 x laut Yippieh! rufen, wegen positiver Anrufe/Mails
die Ruhe weg haben, einfach mal malad zu sein
einen Hühnerstall anlegen
Dies war ein Befindlichkeitsbeitrag.
Der zerstört sich nicht von selbst.
Liste.
Dinge, die ich gerne machen würde, also jetzt:
frisches Meloneneis essen
Nordsee inkl. Salzluft
Schnupfen loswerden
weiter über Kanada schreiben
Urlaub (siehe Punkt 2)
2 x laut Yippieh! rufen, wegen positiver Anrufe/Mails
die Ruhe weg haben, einfach mal malad zu sein
einen Hühnerstall anlegen
Dies war ein Befindlichkeitsbeitrag.
Der zerstört sich nicht von selbst.
Donnerstag, 30. September 2010
Reisenotizen Schweiz: Domaine de Mythopia, oder "Eine Führung durchs Paradies"
(Und plötzlich stehst Du sehr hoch auf einem Berg und denkst: Och!)
Man kann viel schreiben, denkt man, hat man etwas Schönes durchgemacht. Notizen, Eindrücke, und als Mitbringsel packt man am Ende einen Miniatur-Hokkaido in die Arme des heimischen Ganesha, der aussieht wie ein kleiner oranger Barbapapa. Also der Hokkaido, nicht die Gottheit.
Dann legt man den gehüteten Kern eines Weinbergpfirsichs auf die sichere Seite, fummelt ein paar Samen vom wilden Fenchel aus der Jeanstasche, bevor diese in die Trommel der Waschmaschine wandert, gießt den letzten Tropfen des gestern im Weinberg entkorkten Weines ins Glas.
Man kann viel schreiben, denkt man, und dann hält man inne –
(Und plötzlich stehst Du mit Dir im Grünen und bist mit Dir grün, und dann: Ach!)
Nachtzüge, denkt man ja auch so, Nachtzüge sind praktisch. Man fährt in der Zeit, wo die Schalter eh auf OFF sind, bekommt nichts mit, nutzt also die Auszeit und ist man da, ist man eben auch da. So war das dann doch nicht, so einfach. Und in Bonn, es war so gegen Mitternacht, merkte ich dann am eigenen, quasi unbekleidetem Leibe, warum es toll ist, nutzt man denn die Jalousien und ist für sich, beim Umkleiden. Und nicht plötzlich und flott, wie so ein Zug nun mal ist, auf einem noch belebten Bahnsteig, mit Zahnbürste im Mund und abwesender Oberbekleidung. Hallo Bonn!
Ankommen kann dann auch phantastisch sein, nach durchrüttelter Nacht im Hamsternest. Sollte das mal wer machen, diese Übernachtfahrt mit der Deutschen Bahn, dann hier ein tatsächlich gut gemeinter Tipp, inbrünstig und ernst: Lehnt die Frühstücksbox ab!
Das, was euch da erwartet, ist menschenverachtend und alles, nur kein Frühstück. Es gibt: Ein abgepacktes Croissant, staubig und unnötig. Einmal Marmelade, einmal Leberwurst in Dose, einmal Orangensaft in Dose, ein drüsches Brötchen aus Pappe und das heiße Getränk nach Wunsch ist ebenfalls nur die Mutter eines Wunsches, aber nehmt nie den Kaffee!
Kaum in Sion angekommen, viel Lebensglück gehabt. Alle Menschen sehr nett, sehr inspirierend, sehr passend, und kennt ihr das? Gutes ist schwer beschreibbar, wenn man Pathos nicht leiden mag, und dennoch:
Lebensglück gehabt. Passte alles.
Später im Dorfcafé (Cafe Du Soleil) unters arbeitende Volk gemischt. Man spricht französisch, trägt Handwerkerklamotte und isst sehr viel Käse in allen Formen, meist aber flüssig aus dampfenden Töpfen und mit Unterlagen wie Kartoffeln, Stippzeug wie Brot, und die Schweiz scheint sehr reich an sauren Gürkchen zu sein. Ich esse den Rösti (Rrröschtieh) meines Lebens, eine ganze Pfanne voll mit fettigen Kartoffelstückchen, Zwiebeln, saure Gürkchen (!), und dazu Fendant, den man hier scheinbar schon mit der Muttermilch bekommt.
(Das ist eine normal große Pfanne, das oben auf ist ein ganzer Käse. Ich möchte nur auf die Größenverhältnisse hinweisen.)
Wir kommen nur auf allen vieren den Berg hoch, direkt unter das warme Plumeau, Berge angucken, einschlafen.
Es ist halb zwei am helllichten Tag.
Beim zweiten Abstieg des Tages, ein paar Stunden später, reißt der Himmel auf und denkt sich, Wasser Marsch. Wir brauchen 45 Minuten. 10 runter ins Dorf, 10 im kleinen Supermarkt, 25 im strömenden Regen mit Plastiktüten bewaffnet hoch Richtung B&B. Dort schlechter Supermarkt-Wein, ein ganzes Weißbrot, viel Käse und sehr zufriedene Laune. Draußen regnet es derweil junge Hunde und Katzen, aber das stört heute niemanden mehr.

(Auf der Straße nach unten, ins Dorf, zum Supermarkt. Mich als Flachlandbewohnerin irritieren die Wolkenhöhen ein ums andere Mal.)
Samstag dann wache ich auf, und denke ein einfaches aber inbrünstiges 'Wow'. Die Berge sind irgendwie überall, wir auf 1200 Metern Höhe und auf Augenhöhe eine Schicht Wolken, welche den Ort Sion unter sich grad abdunkelt.
Vorfreude auf den Tag lässt mich dem Hausherren das Frühstück entreißen, beide im Schlafanzug, macht ja nichts. Wir reden einen wirren Mix aus Französisch, Englisch, Deutsch und seine Laune strahlt mit meiner um die Wette.

(Garten Eden der Reben hat einen Namen.)
Dann ein alter Bus, ein Weinwolf namens Manuka, und eine Führung durch die Rebstöcke der Domaine de Mythopia, dem Delinat’schen Forschungsgrün unter der sehr sachkundigen Obhut von Hans-Peter Schmidt.

(Herr Schmidt und der tote Boden.)
Dieser führt mit leisem Witz und sehr viel Input durch die Reben und erklärt und redet und lächelt und buddelt. Selbst der Regen stört nicht, und am Ende finden wir alle Platz in einer der kleinen Hütten, wo die Holztische sich unter dampfenden Pellkartoffeln, Käsebrocken und Brot biegen und (Hurra!) Wein aufgetischt wird.
Es folgt ein Glas dem nächsten, wir nippen im Rudel konzentriert an den Erklärungen und den Naturweinen, und da muss ich kurz mal anmerken: Naturweine sind das nächste Level nach Bioweinen. Die körpereigenen Geschmacksknospen fahren erstaunt hoch, ob der neuen Eindrücke die da über die Zunge kommen. Bockige Rote, samtweiche gelbe, hier ein Stück Käse, dort noch einmal hineinschmecken –
Und noch einmal. Ich bin begeistert, und würde ab jetzt alles trinken, was Mythopia mir ins Glas lässt, allein um des Erstaunens Willen.

(Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...)
Ich mach’s kurz: Ich könnte meine Zelte aufschlagen und einfach so bleiben. Naturwein, Kräuterquark mit Brot, und dann immer diese Berge, mit denen ich innerlich hadere, zetere, sie lieb gewinne. Hier ist alles positive Herausforderung, hier bin ich wach und gut durchlüftet und hier sind Menschen, die 24/7 rein ins Karmakonto arbeiten, dazu an späteren Stellen sicher mehr.
Abends eine gefilmte Fahrt von oben nach Sion, dort Essen, dann eine Fahrt durchs Dunkle hoch auf den Berg.
Schlafe wie ein Stein zwischen all den Alpen und träume, ich würde das Matterhorn per Pedes erklimmen, allein weil ich weiß, dass dort oben die einzige Weinstube der Schweiz ist, welche gute Naturweine verkauft. So weit ist es schon.
Sonntag wache ich auf und auf Augenhöhe mit mir eine Wolkendecke. Fühle mich wie im Flugzeug, bin es aber nicht, und wickel -allein um das zu feiern- das warme Plumeau fester um mich herum.

(Bettdeckenhöhe auf Wolkendeckenhöhe. Beeindrucktes Aufwachen inklusive.)
Frühstück, wieder knatternd im Bus den Berg runter und dann die Führung von gestern noch einmal, heute aber mit Sonne.
Hans-Peter Schmidt kann man auch mehrmals hintereinander super auf den Fersen bleiben und über Biodiversität und Rabenpaare zuhören, das wird nicht langwierig.
Dazu heute Berg-Raclette a la Claudio et Sarah mitten im Weinberg.

(Tafeln in freier Natur. Unbezahlbar.)

(Die Outdoorküche von Mythopia. Alles da, alles drin.)

(Biologe Claudio Niggli mit gewetztem Messer. Das Raclette wird heute von ihm persönlich geschabt, direkt vom Laib weg.)
Tolle Gespräche, gute Chemie, viele Pellkartoffeln und: Naturwein! Frage mich schon da, wie die nächste Zeit ohne wird, jetzt, wo man Neues lernen möchte. Prompt hängen wir noch eine Fassprobe dran, obwohl die Zeit schon knapp wird.

(Fassprobe der Naturweine im Keller. Erlebnisreise für den Gaumen.)
Den Weinwolf beim Zuhören entfilzen, lange Tschüß sagen, eigentlich viel zu wenig sagen, und dann sitzt man schon wieder im Zug gen Heimat.
Von sieben bis zum nächsten Morgen um sechs durchhalten und komatöses Liegen im Schlafabteil. Schlaf selbst ist ein schöner Gedanke, in echt liege ich Zeit tot und lasse die letzten drei Tage Revue passieren.
Als ich zu Hause die Fellchen hochpflücke und abküsse ist es halb sieben am Morgen und noch stockfinster.
Aber jetzt, final die tolle Info:
Das alles könnt ihr auch erleben, zwar nicht mehr in diesem Jahr, aber im nächsten! Und das solltet ihr auch, das lohnt, entschleunigt, macht die Welt besser und hey: Es gilt, die Sinne zu wecken.
Anbei ein paar Auszüge und Worte
Das Delinat-Institut forscht an den Grundlagen für eine klimapositive Landwirtschaft mit hoher Biodiversität. Das Labor der Forschungsstiftung liegt inmitten des Walliser Weinguts Mythopia. Praxisnah werden hier Methoden und Strategien für einen ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Qualitätsweinbau entwickelt.
Netzwerk aus Querdenkern
Das Delinat-Institut beschäftigt knapp zehn Mitarbeiter. Unter ihnen sind ein Biologe, ein Winzer, ein Umweltingenieur, ein Gärtner, ein Ökologe, ein Agronom und ein Philosoph. Sie alle zeichnet aus, sich nicht lediglich auf ihr Fachgebiet spezialisiert zu haben, sondern wie jeder Teil eines Ökosystems mit den verschiedenen Gebieten der anderen vernetzt zu sein.
Der Sitz des Delinat-Instituts befindet sich im Zentralwallis inmitten der Domaine de Mythopia. Auf der Domaine von knapp fünf Hektar werden nicht nur die meisten Versuche durchgeführt, sondern auch Wein, Gemüse, Obst, Heilkräuter und Honig produziert. Das umfassende Gesamtkonzept reicht von Bodenaktivierung und Karbonsequestrierung über die Ökostabilisierung durch Biodiversität und Mischkulturen bis zur Erprobung intelligenter Stoffkreisläufe und alternativer Bio-Energieproduktion.
Adresse, Kontakt und Informationen
Fondation Delinat Institut für Ökologie und Klimafarming
Hans-Peter Schmidt
Ancienne Eglise 9
CH- 1974 Arbaz
http://www.delinat-institut.org
info@delinat-institut.org
http://www.mythopia.ch
Und wer sich regelmäßig über Klimafarming und Biodiversität informieren möchte, dem kann ich nur wärmstens das Ithaka-Journal ans Herz legen.
***
Final noch mein komplettes Erlebnisalbum, bitte HIER sanft drücken und die Augen im satten grün weiden lassen.
Danke fürs Mitreisen. Ich hoffe, es hat gemundet!
Man kann viel schreiben, denkt man, hat man etwas Schönes durchgemacht. Notizen, Eindrücke, und als Mitbringsel packt man am Ende einen Miniatur-Hokkaido in die Arme des heimischen Ganesha, der aussieht wie ein kleiner oranger Barbapapa. Also der Hokkaido, nicht die Gottheit.
Dann legt man den gehüteten Kern eines Weinbergpfirsichs auf die sichere Seite, fummelt ein paar Samen vom wilden Fenchel aus der Jeanstasche, bevor diese in die Trommel der Waschmaschine wandert, gießt den letzten Tropfen des gestern im Weinberg entkorkten Weines ins Glas.
Man kann viel schreiben, denkt man, und dann hält man inne –
(Und plötzlich stehst Du mit Dir im Grünen und bist mit Dir grün, und dann: Ach!)
Nachtzüge, denkt man ja auch so, Nachtzüge sind praktisch. Man fährt in der Zeit, wo die Schalter eh auf OFF sind, bekommt nichts mit, nutzt also die Auszeit und ist man da, ist man eben auch da. So war das dann doch nicht, so einfach. Und in Bonn, es war so gegen Mitternacht, merkte ich dann am eigenen, quasi unbekleidetem Leibe, warum es toll ist, nutzt man denn die Jalousien und ist für sich, beim Umkleiden. Und nicht plötzlich und flott, wie so ein Zug nun mal ist, auf einem noch belebten Bahnsteig, mit Zahnbürste im Mund und abwesender Oberbekleidung. Hallo Bonn!
Ankommen kann dann auch phantastisch sein, nach durchrüttelter Nacht im Hamsternest. Sollte das mal wer machen, diese Übernachtfahrt mit der Deutschen Bahn, dann hier ein tatsächlich gut gemeinter Tipp, inbrünstig und ernst: Lehnt die Frühstücksbox ab!
Das, was euch da erwartet, ist menschenverachtend und alles, nur kein Frühstück. Es gibt: Ein abgepacktes Croissant, staubig und unnötig. Einmal Marmelade, einmal Leberwurst in Dose, einmal Orangensaft in Dose, ein drüsches Brötchen aus Pappe und das heiße Getränk nach Wunsch ist ebenfalls nur die Mutter eines Wunsches, aber nehmt nie den Kaffee!
Kaum in Sion angekommen, viel Lebensglück gehabt. Alle Menschen sehr nett, sehr inspirierend, sehr passend, und kennt ihr das? Gutes ist schwer beschreibbar, wenn man Pathos nicht leiden mag, und dennoch:
Lebensglück gehabt. Passte alles.
Später im Dorfcafé (Cafe Du Soleil) unters arbeitende Volk gemischt. Man spricht französisch, trägt Handwerkerklamotte und isst sehr viel Käse in allen Formen, meist aber flüssig aus dampfenden Töpfen und mit Unterlagen wie Kartoffeln, Stippzeug wie Brot, und die Schweiz scheint sehr reich an sauren Gürkchen zu sein. Ich esse den Rösti (Rrröschtieh) meines Lebens, eine ganze Pfanne voll mit fettigen Kartoffelstückchen, Zwiebeln, saure Gürkchen (!), und dazu Fendant, den man hier scheinbar schon mit der Muttermilch bekommt.
(Das ist eine normal große Pfanne, das oben auf ist ein ganzer Käse. Ich möchte nur auf die Größenverhältnisse hinweisen.)
Wir kommen nur auf allen vieren den Berg hoch, direkt unter das warme Plumeau, Berge angucken, einschlafen.
Es ist halb zwei am helllichten Tag.
Beim zweiten Abstieg des Tages, ein paar Stunden später, reißt der Himmel auf und denkt sich, Wasser Marsch. Wir brauchen 45 Minuten. 10 runter ins Dorf, 10 im kleinen Supermarkt, 25 im strömenden Regen mit Plastiktüten bewaffnet hoch Richtung B&B. Dort schlechter Supermarkt-Wein, ein ganzes Weißbrot, viel Käse und sehr zufriedene Laune. Draußen regnet es derweil junge Hunde und Katzen, aber das stört heute niemanden mehr.

(Auf der Straße nach unten, ins Dorf, zum Supermarkt. Mich als Flachlandbewohnerin irritieren die Wolkenhöhen ein ums andere Mal.)
Samstag dann wache ich auf, und denke ein einfaches aber inbrünstiges 'Wow'. Die Berge sind irgendwie überall, wir auf 1200 Metern Höhe und auf Augenhöhe eine Schicht Wolken, welche den Ort Sion unter sich grad abdunkelt.
Vorfreude auf den Tag lässt mich dem Hausherren das Frühstück entreißen, beide im Schlafanzug, macht ja nichts. Wir reden einen wirren Mix aus Französisch, Englisch, Deutsch und seine Laune strahlt mit meiner um die Wette.

(Garten Eden der Reben hat einen Namen.)
Dann ein alter Bus, ein Weinwolf namens Manuka, und eine Führung durch die Rebstöcke der Domaine de Mythopia, dem Delinat’schen Forschungsgrün unter der sehr sachkundigen Obhut von Hans-Peter Schmidt.

(Herr Schmidt und der tote Boden.)
Dieser führt mit leisem Witz und sehr viel Input durch die Reben und erklärt und redet und lächelt und buddelt. Selbst der Regen stört nicht, und am Ende finden wir alle Platz in einer der kleinen Hütten, wo die Holztische sich unter dampfenden Pellkartoffeln, Käsebrocken und Brot biegen und (Hurra!) Wein aufgetischt wird.
Es folgt ein Glas dem nächsten, wir nippen im Rudel konzentriert an den Erklärungen und den Naturweinen, und da muss ich kurz mal anmerken: Naturweine sind das nächste Level nach Bioweinen. Die körpereigenen Geschmacksknospen fahren erstaunt hoch, ob der neuen Eindrücke die da über die Zunge kommen. Bockige Rote, samtweiche gelbe, hier ein Stück Käse, dort noch einmal hineinschmecken –
Und noch einmal. Ich bin begeistert, und würde ab jetzt alles trinken, was Mythopia mir ins Glas lässt, allein um des Erstaunens Willen.

(Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...)
Ich mach’s kurz: Ich könnte meine Zelte aufschlagen und einfach so bleiben. Naturwein, Kräuterquark mit Brot, und dann immer diese Berge, mit denen ich innerlich hadere, zetere, sie lieb gewinne. Hier ist alles positive Herausforderung, hier bin ich wach und gut durchlüftet und hier sind Menschen, die 24/7 rein ins Karmakonto arbeiten, dazu an späteren Stellen sicher mehr.
Abends eine gefilmte Fahrt von oben nach Sion, dort Essen, dann eine Fahrt durchs Dunkle hoch auf den Berg.
Schlafe wie ein Stein zwischen all den Alpen und träume, ich würde das Matterhorn per Pedes erklimmen, allein weil ich weiß, dass dort oben die einzige Weinstube der Schweiz ist, welche gute Naturweine verkauft. So weit ist es schon.
Sonntag wache ich auf und auf Augenhöhe mit mir eine Wolkendecke. Fühle mich wie im Flugzeug, bin es aber nicht, und wickel -allein um das zu feiern- das warme Plumeau fester um mich herum.

(Bettdeckenhöhe auf Wolkendeckenhöhe. Beeindrucktes Aufwachen inklusive.)
Frühstück, wieder knatternd im Bus den Berg runter und dann die Führung von gestern noch einmal, heute aber mit Sonne.
Hans-Peter Schmidt kann man auch mehrmals hintereinander super auf den Fersen bleiben und über Biodiversität und Rabenpaare zuhören, das wird nicht langwierig.
Dazu heute Berg-Raclette a la Claudio et Sarah mitten im Weinberg.

(Tafeln in freier Natur. Unbezahlbar.)

(Die Outdoorküche von Mythopia. Alles da, alles drin.)

(Biologe Claudio Niggli mit gewetztem Messer. Das Raclette wird heute von ihm persönlich geschabt, direkt vom Laib weg.)
Tolle Gespräche, gute Chemie, viele Pellkartoffeln und: Naturwein! Frage mich schon da, wie die nächste Zeit ohne wird, jetzt, wo man Neues lernen möchte. Prompt hängen wir noch eine Fassprobe dran, obwohl die Zeit schon knapp wird.

(Fassprobe der Naturweine im Keller. Erlebnisreise für den Gaumen.)
Den Weinwolf beim Zuhören entfilzen, lange Tschüß sagen, eigentlich viel zu wenig sagen, und dann sitzt man schon wieder im Zug gen Heimat.
Von sieben bis zum nächsten Morgen um sechs durchhalten und komatöses Liegen im Schlafabteil. Schlaf selbst ist ein schöner Gedanke, in echt liege ich Zeit tot und lasse die letzten drei Tage Revue passieren.
Als ich zu Hause die Fellchen hochpflücke und abküsse ist es halb sieben am Morgen und noch stockfinster.
Aber jetzt, final die tolle Info:
Das alles könnt ihr auch erleben, zwar nicht mehr in diesem Jahr, aber im nächsten! Und das solltet ihr auch, das lohnt, entschleunigt, macht die Welt besser und hey: Es gilt, die Sinne zu wecken.
Anbei ein paar Auszüge und Worte
Das Delinat-Institut forscht an den Grundlagen für eine klimapositive Landwirtschaft mit hoher Biodiversität. Das Labor der Forschungsstiftung liegt inmitten des Walliser Weinguts Mythopia. Praxisnah werden hier Methoden und Strategien für einen ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Qualitätsweinbau entwickelt.
Netzwerk aus Querdenkern
Das Delinat-Institut beschäftigt knapp zehn Mitarbeiter. Unter ihnen sind ein Biologe, ein Winzer, ein Umweltingenieur, ein Gärtner, ein Ökologe, ein Agronom und ein Philosoph. Sie alle zeichnet aus, sich nicht lediglich auf ihr Fachgebiet spezialisiert zu haben, sondern wie jeder Teil eines Ökosystems mit den verschiedenen Gebieten der anderen vernetzt zu sein.
Der Sitz des Delinat-Instituts befindet sich im Zentralwallis inmitten der Domaine de Mythopia. Auf der Domaine von knapp fünf Hektar werden nicht nur die meisten Versuche durchgeführt, sondern auch Wein, Gemüse, Obst, Heilkräuter und Honig produziert. Das umfassende Gesamtkonzept reicht von Bodenaktivierung und Karbonsequestrierung über die Ökostabilisierung durch Biodiversität und Mischkulturen bis zur Erprobung intelligenter Stoffkreisläufe und alternativer Bio-Energieproduktion.
Adresse, Kontakt und Informationen
Fondation Delinat Institut für Ökologie und Klimafarming
Hans-Peter Schmidt
Ancienne Eglise 9
CH- 1974 Arbaz
http://www.delinat-institut.org
info@delinat-institut.org
http://www.mythopia.ch
Und wer sich regelmäßig über Klimafarming und Biodiversität informieren möchte, dem kann ich nur wärmstens das Ithaka-Journal ans Herz legen.
***
Final noch mein komplettes Erlebnisalbum, bitte HIER sanft drücken und die Augen im satten grün weiden lassen.
Danke fürs Mitreisen. Ich hoffe, es hat gemundet!
Dienstag, 21. September 2010
06.09.2009 - Food! Glorious Food!
Baddeck -> Prince Edward Island (P.E.I.)
23°, Morgengewitter und Sonne
Im gleichen Haus aufzuwachen wie Graham Bell und der Kaiser von China, und dazu ein ganz zartes Gewitterchen: Toll!
#
In Kanda schreibt man auf Bergen und hohen Hügeln SMS, damit man auch einmal Empfang und die Möglichkeit des Sendens hat.
Ich stand neben einem entnervten Texaner, beide am Ende zufrieden auf die Displays schauend, nichts Entgangenes, alle Mann an Bord gesund und das auch noch vermittelt: Toll!
#
Kanada (again).
Die Männer arbeiten irgendwas mit Holz, die Frauen vermieten Raum und braten Pancakes. Generell sollte man ganz viel über das Essen reden. Frittierte Scallops -> Steinigung!
Aber dann wäre die Küste wieder unbesiedelt, also keine befriedigende Lösung. Denke weiter darüber nach, habe Meilenweit Zeit auf den Highways.
#
Sehr lange gefahren für einen Blick auf einen Seeadler.
Keinen gesehen.
Dann, ganz woanders und eher zufällig, wo es doch gar kein Gebiet für Seeadler war: Ein Seeadler, hoch zu Luft. Bis M. die Kamera parat hatte, war er längst weg. Aber es war einer.
Deswegen Reisenotiz privat: Seeadler gesehen, Haken auf der Bucket List. Toll!
#
Fähre fahren. Harley Gang mit Bärten und Milchtüten, Jelly Beans futternd. Als alle in der Sonne pooften: Photo gemacht.
#
P.E.I.
Ein Haus für 99 statt 350 Dollar, weil es das Anwesen jetzt 10 Jahre gibt, und die das gebührend feiern.
Trinken auf Augenhöhe mit Lady Dianas jüngstem Sproß einen Aperitiv, und futtern uns einmal längs der Speisekarte im "Inn at St. Peters". Traumhaft. Nix frittiert, an allem frische Würze, der Wein ein Traum und die Bedienung glücklich wie wir. Wir stecken den halben Laden mit unserer Freude über so gutes Essen an, und wanken nach 3 Gängen zurück zu unserem wundertollen Haus zum Spottpreis. Haben für das Essen fast das doppelte gelatzt, aber was solls.
#
2.beste Szene des Tages: Kommen ins Haus, ich betätige den Lichtschalter am Eingang, springt der Kamin an. Stehe im warmen Licht des Feuers.
Mache das um die 20 Mal, und kichere mit dem Wein in der Blutbahn um die Wette.
#
Toll!
#
Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.
23°, Morgengewitter und Sonne
Im gleichen Haus aufzuwachen wie Graham Bell und der Kaiser von China, und dazu ein ganz zartes Gewitterchen: Toll!
#
In Kanda schreibt man auf Bergen und hohen Hügeln SMS, damit man auch einmal Empfang und die Möglichkeit des Sendens hat.
Ich stand neben einem entnervten Texaner, beide am Ende zufrieden auf die Displays schauend, nichts Entgangenes, alle Mann an Bord gesund und das auch noch vermittelt: Toll!
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Kanada (again).
Die Männer arbeiten irgendwas mit Holz, die Frauen vermieten Raum und braten Pancakes. Generell sollte man ganz viel über das Essen reden. Frittierte Scallops -> Steinigung!
Aber dann wäre die Küste wieder unbesiedelt, also keine befriedigende Lösung. Denke weiter darüber nach, habe Meilenweit Zeit auf den Highways.
#
Sehr lange gefahren für einen Blick auf einen Seeadler.
Keinen gesehen.
Dann, ganz woanders und eher zufällig, wo es doch gar kein Gebiet für Seeadler war: Ein Seeadler, hoch zu Luft. Bis M. die Kamera parat hatte, war er längst weg. Aber es war einer.
Deswegen Reisenotiz privat: Seeadler gesehen, Haken auf der Bucket List. Toll!
#
Fähre fahren. Harley Gang mit Bärten und Milchtüten, Jelly Beans futternd. Als alle in der Sonne pooften: Photo gemacht.
#
P.E.I.
Ein Haus für 99 statt 350 Dollar, weil es das Anwesen jetzt 10 Jahre gibt, und die das gebührend feiern.
Trinken auf Augenhöhe mit Lady Dianas jüngstem Sproß einen Aperitiv, und futtern uns einmal längs der Speisekarte im "Inn at St. Peters". Traumhaft. Nix frittiert, an allem frische Würze, der Wein ein Traum und die Bedienung glücklich wie wir. Wir stecken den halben Laden mit unserer Freude über so gutes Essen an, und wanken nach 3 Gängen zurück zu unserem wundertollen Haus zum Spottpreis. Haben für das Essen fast das doppelte gelatzt, aber was solls.
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2.beste Szene des Tages: Kommen ins Haus, ich betätige den Lichtschalter am Eingang, springt der Kamin an. Stehe im warmen Licht des Feuers.
Mache das um die 20 Mal, und kichere mit dem Wein in der Blutbahn um die Wette.
#
Toll!
#
Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.
Montag, 20. September 2010
<3
Die Lieblinge sind wieder auf Tour. Eventuell wird eine Reise gen Netherlands oder France angestrebt. Strange Desire im Blechsound, oder "Wie viel Krach kriegen zwei Mann -einer mit Bart- hin."
Freitag, 17. September 2010
05.09.2009 - Trail #20 und eine Nacht mit Graham Bell
Chéticamp -über Trail 20 und Meat Cove nach
Baddeck
24°, Sonne
Das Verlassen von Veronica, Gilles und Claudette.
Meat Cove und der Gedanke, das Gott -
Nein, anders:
Nova Scotia in Kanada ist ein riesiger Wald mit Namen, wo ein paar Fischer leben, ein paar Straßen auch von ein paar Menschen genutzt werden dürfen (Tageslicht ist da entscheidend), und wo man Touristen und Bären in Ruhe aufeinander loslässt. Deswegen wird das Land auch nicht wirklich voller.

#
Ich habe einen angemessenen Friedhof meines Vertrauens gefunden. "We have an anchor" (Weil sie es können!)

#
Im Meer gebadet, bei 14° Wassertemperatur. Auf eine Seezunge getreten. Beide haben wir einen unglaublichen Satz gemacht, ich nach oben, die Seezunge angesäuert Richtung Neupfundland.
Danach den besten Burger der Welt gegessen. Manchmal kommt Glück doppelt. Einmal salzig, und einmal mit Käse drauf.
#
Abends das erste Mal, und zwar in Baddeck, "Fishcakes" gehabt.
Und das letzte Mal.
Dazu Cabernet Sauvignon und das pittoreskeste Zimmer im Telegraph House, in dem schon Graham Bell nachts das Klo gesucht hat.
#
Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.
Baddeck
24°, Sonne
Das Verlassen von Veronica, Gilles und Claudette.
Meat Cove und der Gedanke, das Gott -
Nein, anders:
Nova Scotia in Kanada ist ein riesiger Wald mit Namen, wo ein paar Fischer leben, ein paar Straßen auch von ein paar Menschen genutzt werden dürfen (Tageslicht ist da entscheidend), und wo man Touristen und Bären in Ruhe aufeinander loslässt. Deswegen wird das Land auch nicht wirklich voller.

#
Ich habe einen angemessenen Friedhof meines Vertrauens gefunden. "We have an anchor" (Weil sie es können!)

#
Im Meer gebadet, bei 14° Wassertemperatur. Auf eine Seezunge getreten. Beide haben wir einen unglaublichen Satz gemacht, ich nach oben, die Seezunge angesäuert Richtung Neupfundland.
Danach den besten Burger der Welt gegessen. Manchmal kommt Glück doppelt. Einmal salzig, und einmal mit Käse drauf.
#
Abends das erste Mal, und zwar in Baddeck, "Fishcakes" gehabt.
Und das letzte Mal.
Dazu Cabernet Sauvignon und das pittoreskeste Zimmer im Telegraph House, in dem schon Graham Bell nachts das Klo gesucht hat.
#
Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.
Mittwoch, 15. September 2010
Off the Hook.
Meine Kolumne "OFF THE HOOK" wieder frisch eingewickelt in die aktuelle Ausgabe von HOOK. Bitte sanft das Bild drücken, Merci.


Mittwoch, 8. September 2010
04.09.2009 - Trail #19, #17 #25 im Bob-Schritt.
Chéticamp, 29°, Sonne.
Viel durch Wälder gelaufen. Einer ging auf eine Landzunge ins Meer, und da sah es aus wie in Griechenland auf Thassos. Da, mitten im Nichts, Bob getroffen. Bob ist auf kontinentaler Selbstentdeckung und sah mich da so alleine im Nichts stehen, Wale gucken. Er sah aus, als würde er nur so rumstehen und hat es trotzdem geschafft, innerhalb von Sekunden mitten in meiner Privatzone zu stehen und mit einem Grinsen, was von A bis Z ging, "Hi, I AM BOB!" zu sagen. Guckte verzweifelt nach M., der an irgendwelchen Abhängen rumkletterte, und dachte an amerikanische Splatterfilme, wo Touristinnen am Ende ihr eigener Kopf immer auf die Motorhaube und so.
Eigentlich war Bob sicher kein übler Kerl, aber eben auf Anschluss aus, und als M. und ich wieder von der Landzunge weggingen, Bob im Stechschritt hinterher. Wir immer schneller, den "Bob-Schritt" erfindend, und als wir nach 1.5 Stunden in praller Mittagssonne an Auto Henry ankamen, aber alle so purpurrote Bäckchen und gut durchblutet.
Im Hintergrund hörten wir das fast schon vertraute "Hi, I AM BOB!" ... Bob hatte neue Touristen entdeckt und zur Strecke gebracht.
#
Vollmond. Im tristesten Ort ever gehalten und in geistiger Umnachtung einen Hot Dog in einem verlassenen Store im Nirgendwo bestellt. Tell ya.
#
Vollmond. Ganzer Tag Scheiße. Aber so richtig.
#
Abends gelernt, was Kanadier mit Jacobsmuscheln zur Vorspeise anstellen. Sie frittieren sie einfach in großen Horden und legen sie liebevoll in Plastikkörbchen. Dazu die tollen Ideen von HEINZ. Haben Gift und Galle gelästert, natürlich höflich und leise.
Danach auf den Schreck und den Vollmond das erste Mal in einen Liquor-Store und eine Flasche Bio-Wein rot ("we've got only two") zum Preis eines Kleinbusses gekauft. Direkt gute Laune bekommen.
Um 21 Uhr geschlafen.
#
Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.
Viel durch Wälder gelaufen. Einer ging auf eine Landzunge ins Meer, und da sah es aus wie in Griechenland auf Thassos. Da, mitten im Nichts, Bob getroffen. Bob ist auf kontinentaler Selbstentdeckung und sah mich da so alleine im Nichts stehen, Wale gucken. Er sah aus, als würde er nur so rumstehen und hat es trotzdem geschafft, innerhalb von Sekunden mitten in meiner Privatzone zu stehen und mit einem Grinsen, was von A bis Z ging, "Hi, I AM BOB!" zu sagen. Guckte verzweifelt nach M., der an irgendwelchen Abhängen rumkletterte, und dachte an amerikanische Splatterfilme, wo Touristinnen am Ende ihr eigener Kopf immer auf die Motorhaube und so.
Eigentlich war Bob sicher kein übler Kerl, aber eben auf Anschluss aus, und als M. und ich wieder von der Landzunge weggingen, Bob im Stechschritt hinterher. Wir immer schneller, den "Bob-Schritt" erfindend, und als wir nach 1.5 Stunden in praller Mittagssonne an Auto Henry ankamen, aber alle so purpurrote Bäckchen und gut durchblutet.
Im Hintergrund hörten wir das fast schon vertraute "Hi, I AM BOB!" ... Bob hatte neue Touristen entdeckt und zur Strecke gebracht.
#
Vollmond. Im tristesten Ort ever gehalten und in geistiger Umnachtung einen Hot Dog in einem verlassenen Store im Nirgendwo bestellt. Tell ya.
#
Vollmond. Ganzer Tag Scheiße. Aber so richtig.
#
Abends gelernt, was Kanadier mit Jacobsmuscheln zur Vorspeise anstellen. Sie frittieren sie einfach in großen Horden und legen sie liebevoll in Plastikkörbchen. Dazu die tollen Ideen von HEINZ. Haben Gift und Galle gelästert, natürlich höflich und leise.
Danach auf den Schreck und den Vollmond das erste Mal in einen Liquor-Store und eine Flasche Bio-Wein rot ("we've got only two") zum Preis eines Kleinbusses gekauft. Direkt gute Laune bekommen.
Um 21 Uhr geschlafen.
#
Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.
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