Montag, 11. Oktober 2010

07.09.2009 - An den Wurzeln der Pommes Frites.

Prince Edward Island (P.E.I.)
24°, Sonne

Quasi zehn Stunden wie eine uneheliche Tochter von Lady Diana geschlafen. Leider fiel das Frühstück aus Gründen des Feiertages komplett und gründlich aus. Alles hatte geschlossen, und somit machten M. und ich und über die Reste aus dem Kofferraum vor der nächsten Wanderung her. Altes Brot und rote Äpfel, dazu blauer Himmel und eine gefühlt leere Insel. Der kanadische Labour-Day-Mensch schläft offensichtlich gerne mal tüchtig aus.

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Ganz P.E.I. scheint aus rotem Sand, roter Erde und Kartoffelanbau zu bestehen. Sie ist typisch flach und offensichtlich das Sylt der Kanadier. Viele Golfer in reifem Alter, viel Tweed und dicke Autos. Ebenfalls viel Ruhe. Frage mich, wo die ganzen Biker von der Fähre hin sind, sie und ihre Jelly Beans Tütchen. Vielleicht stehen sie längst in bequemer, karierter Freizeitkleidung in der Meeresbrise und verbessern ihr Handicap?

Fahren Küstenmeile um Küstenmeile, kurz vor dem Hungertod, dann endlich ein Restaurant mit dem Schild OPEN an der Tür. An einem Ort, wo man weder ein Restaurant noch einen Menschen erwartet hätte. An einem Ort, der nur aus Lobster-Reusen und verlassenen Fischerhütten besteht. Noch nicht einmal ein bellender Hund in der Nähe, und den obligatorischen bellenden Hund hat man normalerweise immer. Überall.

Unsere Kellnerin ist eine von den First Nations, wie man die kanadischen Ureinwohner/Indianer politisch korrekt nennt. Sie heißt Leeta, ist herb, kaut Kaugummi, sagt nicht "Darling" sondern "Hi Folks" und trägt ein wunderschönes Armband. Ich mag sie auf Anhieb, halte ich eh schon die ganzen Tage Ausschau nach Reservaten, Kunsthandel, etc.
Dann mein erstes Mal: Pommes aus Süßkartoffeln. Yum!

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07.09.2009 (reisenotizen)

Den Rest des Tages noch mehr Automeilen, noch mehr roter Sand, eine echt tolle Bucht und ein herber Rückschlag in Sachen Abendessen in einem Laden namens "Cardigan Lobster Suppers".
Hummer ist kanadisches Ostküstennationalgericht. Es gibt ihn überall, überall drin, und aus allen Ecken und von allen Schildern lachen einem Comic-Lobster entgegen, die scheinbar alle ganz wild darauf sind, endlich in heißes Wasser geschmissen zu werden, und dann rein in den Mensch.

Es gibt bei Mc Donalds den McLobster, Subway kontert mit dem LobSub, es gibt das Lobster-Supper gefühlt an jeder Tankstelle, und Hey (Hi Folks!), das Beste daran ist:
Ich esse gar keine Hummer.
Egal, das ist die Insel der Kartoffeln, die liefern überall hin, damit die Pommes-Frites-Versorgung ganz Kanadas keine Schwankungen erlebt, zur Not grill ich mir die im heimischen Gaskamin.
Apropos Kamin.
Im Cottage dann einen Bio-Wein geköpft, vor dem Feuer gelungert und die kommenden Tage geplant. Dazu lief im TV "Cake Boss".
Der Prinz ist übrigens immer noch da, vier Häuser weiter. Der spielt grad mit seinen Bodyguards Fussball auf der Wiese, und alle Versuche, tolle Photos zu machen, die uns das nächste Jahr eventuell finanziell versorgt hätten, werden von den Lichtverhältnissen und M. vereitelt, der mich an den Füssen durchs Fenster zurück ins Haus gezerrt hat. Meine Paparazza-Karriere dauerte also exakt ein Glas Rotwein (Mut) und 4 Minuten (schlecht getarnt und ausgerüstet).

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PS: An dem Strand auf dem Bild wild schwimmen gewesen. Was ihr unbedingt mal machen müsst: Durchs Meer toben und dann vom Partner immer hören "Da, neben Dir, da ist ein Seehund! DA!" und ihn nicht entdecken können, weil entweder falsche Richtung (Hey, das Meer besteht schließlich aus vier Seiten, schwimmt man drin herum!), oder Salzwasser in beiden Augen, oder er grad mit dem Kopf unter Wasser, wenn ich Oberwasser hatte und umgekehrt. Jedenfalls kann ich stolz verkünden, dass ich mit einem Seehund geplanscht habe, auch wenn ich ihm nicht persönlich Hallo (Hi Folks!) sagen konnte, und M. hätte mich sicher am liebsten kräftig untergedippt, weil ich seine Anweisungen (DA! DAAA!) nicht verstanden habe und somit dumm sterben muss.

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Bilder zum Tag hier, der Food-Report hier.